Fall im Oktober 2016

Münchnerin (74) stirbt auf Fähre: Gutachten spricht von Verstößen an Bord

Eine 74-jährige Münchnerin stirbt auf einer Fähre vor Genua. Ein Gutachten besagt, es habe erhebliche Sicherheitsverstöße gegeben. 

München/Genua - Der Tod einer 74-jährigen Münchnerin im Oktober 2016 auf einer Fähre vor Genua beschäftige die Ermittler. Warum die Frau starb, blieb lange Zeit unklar. Ein Gutachten, auf das sich die Bild in ihrer Ausgabe vom Mittwoch beruft, spricht von erheblichen Sicherheitsverstößen an Bord der italienischen Fähre. Die Münchnerin habe sich nachts auf den Decks verirrt und sei schließlich bis nach unten in den Bug und in den Steuerraum gelangt. Diese Bereiche dürften gar nicht betretbar sein. 

Nachts verschwand die Frau 

Ernst B. reiste im Herbst letzten Jahres gemeinsam mit seiner Frau Irmi von München nach Sardinien in den Urlaub. Von dort wollte das Ehepaar mit der Fähre „Sharden“ nach Genua. In der Nacht des 30. Oktober - einen Tag vor der Rückreise nach Deutschland - legten sich der 74-jährige Ernst B. und seine Frau schlafen. Als B. nachts aufwachte, stellte er fest, dass seine Frau verschwunden war. Gemeinsam mit der Schiffs-Crew suchte der Münchner die Fähre ab. Irmi B. blieb aber mysteriöserweise verschwunden. Niemand wusste, was ihr zugestoßen sein könnte. Die Bild zitiert Ernst B.: „Der Kapitän sagte, sie sei nicht mehr an Bord, müsse ins Wasser gefallen sein.“ B. musste ohne seine Frau nach München zurück. 

Staatsanwaltschaft Genua ermittelt gegen Kapitän

Zwei Wochen nach dem Vorfall wird die Leiche von Irmi B. in einem Wartungsschacht entdeckt, tief im Bug des Schiffes bei den Turbinen. Im jetzt bekanntgewordenen Gutachten heißt es, dass die Frau in den Schacht gestürzt sei und einen Herzinfarkt erlitten habe. Dass die Münchnerin überhaupt in diese Bereiche gelangen konnte, kann Ernst B. nicht verstehen. Es schmerze, das zu wissen, sagt er. Gegen den Kapitän der „Sharden“ und zwei Crew-Mitglieder ermittelt die Staatsanwaltschaft Genua wegen fahrlässiger Tötung. Ernst B. sagt der Bild, dass seine Frau manchmal ein wenig orientierungslos gewesen sei. Dennoch frage er sich, ob sie wohl noch leben würde, wenn sich die Besatzung anders verhalten und besser gesucht hätte. B. will die Reederei auf Schadensersatz verklagen. 

ch

Rubriklistenbild: © dpa

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