Mord an Natallia

Jurij Sch. gefasst: "Gott sei Dank"

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Offenbar aus verschmähter Liebe stach Jurij Sch. auf Natallia ein.

München - Jurij Sch. wurde am Freitag gefasst und hat den Mord an Natallia im Striplokal Kapitol gestanden. Die gesamte Rotlichtszene ist erleichtert - das sagen Natallias Familie und ihr Chef:

Die Trauer sitzt tief. „Natürlich sind wir erleichtert, dass er gefasst wurde“, sagte Natallias Schwester Olga am Sonntag zur tz. „Aber ein Trost ist es nicht. Das macht unsere geliebte Natallia auch nicht mehr lebendig.“ Olga (41) und ihr Mann Kurt P. (70) waren von Anfang an überzeugt, dass Jurij Sch. der Mörder von Natallia ist.

Sch. wurde am Freitag in Dresden gefasst (tz berichtete). Der 44-jährige Russe hat mittlerweile gestanden, am vergangenen Dienstagmorgen mit dem Messer auf die schöne Natallia, Geschäftsführerin des Striplokals Kapitol, eingestochen zu haben. Die 35-Jährige war im Krankenhaus ihren inneren Verletzungen erlegen.

„Wir werden Natallia am Montag holen“, erklärte Olga – „und sie dann in ihre Heimat zurückbringen.“ Nach Soligorsk, einer Stadt in Weißrussland mit über 100 000 Einwohnern, in der Natallia geboren wurde.

Beziehungsstreit als Tatmotiv

Erleichtert über die Festnahme von Sch. zeigte sich am Sonntag die gesamte Rotlichtszene in München. Jurij musste aufgrund seiner Aggressivität als hochgefährlich eingestuft werden. Nach tz-Informationen soll er am vergangenen Montag im Kapitol vor Gästen mit seiner kriminellen Vergangenheit geprahlt und lautstark getönt haben, dass er gerade aus dem Knast entlassen wurde. Zuletzt war Jurij in der Psychiatrie gewesen – nach vier Jahren Gefängnis. Ursprünglich war er wegen eines versuchten Messer-Mordes zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. In der Psychiatrie macht er unter anderem einen Alkoholentzug, kam am Ende dank eines psychologischen Gutachtens frei.

Jetzt im Kapitol sei Jurij sei stark angetrunken gewesen und habe mit Natallia gestritten, bestätigten Natallias Kolleginnen. Er soll sogar mit Gläsern und Flaschen um sich geworfen haben. Der Grund, weshalb Natallia sich ungewöhnlich spät um 23.03 Uhr bei ihrer Schwester telefonisch meldete. Olga empfahl ihr, sofort die Polizei zu rufen. Jurij muss das mitbekommen haben, denn er verließ daraufhin fluchtartig die Bar.

Bei der Auseinandersetzung soll es sich um ihre Beziehung gehandelt haben. Der Täter muss Natallia wohl als „seine feste Freundin“ bezeichnet haben, so teilte er es jedenfalls den Gutachtern mit, die für seine vorzeitige Haftentlassung zuständig waren. Ob diese Behauptung überprüft wurde, ist noch unklar.

Warum wurde Jurij Sch. überhaupt freigelassen?

Natallia wollte jedenfalls nur eine Freundschaft. Sie erklärte Jurij, bald zu ihrer Tochter und ihrem Mann nach Weißrussland heimkehren zu wollen.

Tatsächlich sollen Jurij und Natallia seit zwei Jahren in Kontakt gestanden haben. Während seiner Freigänge haben sie gemeinsam Kino- und Zirkusbesuche unternommen. Das erklärt auch, weshalb sich Natallia mit Jurij sicher fühlte und alleine mit ihm zurückblieb. Seine Neigung zu extremer Gewalt hatte sie offensichtlich unterschätzt.

Große Erleichterung über seine Festnahme herrschte Sonntag bei Natallias Kapitol-Kolleginnen und bei Chef Tobias W. „Gott sei Dank, sie haben ihn!“, sagte W. der tz. „Ich hoffe sehr, dass sich unsere Situation dadurch etwas beruhigt.“

Jetzt muss noch eine große Hürde überwunden werden: Wenn die Mädchen zum ersten Mal wieder den Laden betreten und zu arbeiten anfangen. „Ich werde sie auf jeden Fall begleiten. Das Leben muss ja weitergehen“, sagt W. Er fragt sich immer wieder: „Warum wurde dieser Mann, der so viele Haftstrafen, Körperverletzungen und sogar einen versuchten Messermord auf dem Kerbholz hat – warum wurde der von den Gutachtern als nicht mehr gefährlich eingestuft und freigelassen?“

Tina Layes

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