Neue Studie

Der neue Kita-Report: So läuft‘s in München

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Der neue Kita-Report: So läuft‘s in München (Symbolbild).

Leichtigkeit, Freude – und Lernen fürs Leben: Die Betreuung in der Kita ist ein wichtiges Thema für Familien. Allerdings ist der Weg zum Kita-Platz in München hart.

München - Was erwarten Eltern von Kindertagesstätten – und wie sieht die Realität in München aus? Was ist Eltern besonders wichtig – und wo hakt es noch gewaltig? Wir haben eine neue Befragung der Stadt ausgewertet und mit Eltern über ihre Probleme beim Thema Kita gesprochen.

Neue Studie im Stadtrat

Was erwarten Münchner Familien von Kitas – und was muss die Stadt planen? Eine neue Studie hält spannende Ergebnisse bereit. Alle fünf Jahre befragt die Stadt alle Münchner Eltern mit Kindern bis vier Jahren. 19 652 Eltern (35 Prozent) haben mitgemacht, befragt wurden sie 2016. Die Stadt braucht dieses „Kita-Barometer“, über das am Dienstag der Stadtrat berät, um bis 2030 planen zu können. Die Erkenntnisse:

Versorgung: 54,7 Prozent der Kinder von null bis zwei Jahre brauchen einen Krippenplatz. Aktuell liegt die Versorgung bei 45 Prozent. Ziel der Stadt: 60 Prozent. 98 % der Kinder von drei bis sechs brauchen einen Kindergartenplatz. Versorgung: 91 Prozent. Ziel: 100 Prozent. Bis 2030 will die Stadt 8500 neue Krippen- und 12 500 neue Kindergartenplätze schaffen – mindestens.

Lage: 85 Prozent der Eltern wünschen sich Kindertagesbetreuung innerhalb ihres Viertels. Für 84 % ist die Nähe zur Wohnung entscheidend.

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Betreuungskosten: Im Schnitt können die Eltern monatlich 350 Euro aufbringen, 75 % zwischen 100 und 500 Euro.

Was Eltern bei der Kita-Wahl am wichtigsten ist – und wie gut ihre Erfahrungen damit sind: Gute Erreichbarkeit (97/80 %), ausreichend pädagogisches Fachpersonal (94/66 %), passende Räume (91/78 %), pädagogisches Konzept (85/79 %), kleine Gruppen (80/64 %), Höhe der Gebühren (75/45 %). Am häufigsten kritisieren Eltern also, dass es nicht genug Erzieher gibt und die Gebühren nicht angemessen sind.

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Zudem wurde bekannt, welche Folgen das Kita-Urteil hat, das die Stadt 2017 vor dem Bundesverwaltungsgericht gewonnen hat: Sie muss keine Differenzkosten bezahlen, wenn Eltern eine Luxuskita wählen – so spart sie jährlich bis zu 66 Millionen Euro. Und: Weil Kita und Tagespflege nun als gleichwertig gelten, spart sie bis zu 400 Millionen jährlich – weil sie keine Doppelstrukturen schaffen muss. 

Probleme bei der Ankeldung

In München wird die Vergabe der Kita-Plätze über ein Online-Anmelde-Formular organisiert: den Kita-Finder. 1402 Einrichtungen sind hier registriert, 80 Prozent der Münchner Plätze werden über das System vermittelt. Der Kita-Finder, vom Bildungsreferat als transparentes System gelobt, soll Eltern die Suche nach einem Betreuungsplatz eigentlich erleichtern. Doch immer wieder üben Eltern Kritik an dem System, beschreiben es als undurchsichtig und haben den Verdacht, dass bei der Platzvergabe etwa durch falsche Angaben getrickst werden kann. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Rufen Sie uns an (089/530 65 22) oder schreiben Sie uns eine Mail an lokales@tz.de.

So schwer ist es bei uns Eltern

Doppeltes Glück – und doppelter Stress bei der Kita-Suche! Monatelang haben die Eltern Tatjana Kröll (35) und Cristian Eigel (40) Betreuungsplätze für die Zwillinge Clara (l.) und Anton (14 Monate) gesucht. „Wir haben uns beim Kita-Finder bei allen Einrichtungen in der Nähe beworben, waren an jedem Infoabend und Tag der Offenen Tür“, sagt die Lektorin. Vergeblich: Die Familie kassierte eine Absage nach der anderen. 

„Wir haben ja gleich für zwei Kinder gesucht – Katastrophe.“ Was ihnen wie dem Großteil der Eltern wichtig ist: Die Einrichtung muss in der Nähe ihrer Giesinger Wohnung liegen. „Wir arbeiten in unterschiedlichen Richtungen, alles andere wäre für uns nicht infrage gekommen, damit wir beide die Kleinen abholen können.“ Mit dem Kita-Finder hatten sie keinen Erfolg. „Wir konnten nicht mal angeben, dass unsere Kinder zusammengehören. Man weiß auch nicht, wo man auf der Warteliste steht und kann auch keine Priorität angeben.“

Über das Sozialbürgerhaus haben sie nun zwei Plätze in einer Großtagespflege bekommen. Tatjana Kröll kehrt im Herbst wieder mit 30 Stunden pro Woche in ihren alten Job zurück. Papa Cristian arbeitet Vollzeit als Software-Ingenieur. 

Etwa 320 Euro kostet ein Ganztags-Betreuungsplatz in einer Großtagespflege in München. Ab Juli sind ihre Kleinen dort nun von 8 bis 16 Uhr untergebracht. Einen Wunsch hätte die Mama: „Etwas längere Öffnungszeiten wären toll, dann wäre ich ein wenig flexibler mit der Arbeit.“

Trotzdem ist die Familie überglücklich, dass ihre beiden Kleinen nun doch noch in einer Einrichtung untergekommen sind. Wobei: „In einer privaten Kita wären sogar noch Plätze frei gewesen. Da hätten wir aber in Summe 1300 Euro bezahlt – das wäre mehr als unsere Miete…“

Christine Ulrich/Christina Meyer

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