Neues Sicherheitskonzept

Neuer Masterplan: München verstärkt den Terrorschutz

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Ein Foto vom Streetlife Festival 2015.

Die Stadt tüftelt an einem Masterplan, um viel besuchte Plätze oder Veranstaltungen besser gegen Terroranschläge mit Fahrzeugen zu schützen.

München - Im Fachjargon heißt es abstrakte Gefahrenlage. Das heißt: Konkrete Hinweise auf Terroranschläge haben die Sicherheitsbehörden zwar nicht. Aber weil es theoretisch immer möglich sein wird, dass Terroristen, Extremisten oder Amoktäter mit einem Lkw in eine Menschenmenge rasen, will die Stadt dieses Risiko weitgehend minimieren.

Besonders im Fokus liegen dabei die Fußgängerzone, der Viktualienmarkt oder die Christkindlmärkte, aber auch der Königs- und der Max-Joseph-Platz, sobald dort Großveranstaltungen mit zigtausend Besuchern stattfinden. Erst am vergangenen Sonntag waren zum Beispiel mehr als 30 000 Menschen bei einer Großdemo am Königsplatz. Auch der Odeonsplatz soll künftig permanent mit Betonkübeln geschützt werden. Im Mai 2018 wurden etwa bereits beim Streetlife Festival auf der Leopoldstraße 25 bepflanzte Betongefäße und 16 Betonbauringe aufgestellt.

Betongefäße gegen den Terror

Das Baureferat verfügt aktuell über 54 bepflanzte Betongefäße. Diese werden für mobiles Grün im Stadtgebiet als Reserve vorgehalten. Weitere 120 bepflanzte Betongefäße werden ausschließlich beim Oktoberfest verwendet und können aufgrund der aufwändigen Instandsetzung während des restlichen Jahres nicht eingesetzt werden. Außerdem verfügt das Baureferat über 56 Betonringe, die als provisorische Sicherungen für die Hochsicherheitspoller auf der Wiesn benötigt werden. Dies alles geht aus einer nicht öffentlichen Vorlage für den Stadtrat hervor. Heute in der Vollversammlung ist ein Beschluss geplant.

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25 der 54 zur Verfügung stehenden Betongefäße werden demnach bereits dauerhaft an zentralen Orten wie dem Marienplatz oder dem Viktualienmarkt verwendet. Anhand dieser Zahlen lasse sich unschwer ableiten, dass eine komplette Absicherung von Großveranstaltungen wie auf dem Königsplatz oder der Ludwig-/Leopoldstraße derzeit nicht gewährleistet werden könne, so die Verwaltung. Bei einem Ereignis wie dem Streetlife Festival/Corso Leopold gehen Sicherheitsbehörden und Veranstalter von einem Bedarf von 50 bepflanzten Betongefäßen aus.

Die Stadt wird jedenfalls nun weitere 80 temporär einsetzbare Betongefäße anschaffen. Pro Jahr rechnet die Verwaltung mit einem zusätzlichen Kostenaufwand von etwa einer Million Euro für Sicherheitsmaßnahmen. Ungeklärt ist allerdings noch, ob nicht der Bund diese Kosten übernehmen müsste.

Komplettes Absperren nicht möglich

Überdies soll ein externes Büro ein Feinkonzept erarbeiten. Darin wird untersucht, welche Durchfahrtsperren an den jeweiligen Plätzen realisierbar sind und den größten Nutzen bringen – zum Beispiel feste oder versenkbare Poller, Fahrbahnverschwenkungen, Bäume, Schranken oder eben mobile Sperren. Laut Baureferat ist im innerstädtischen Bereich die Installation dynamischer Poller schwierig, weil dort die Dichte unterirdischer Bauwerke hoch sei. Eines ist ohnehin klar: „Ein komplettes Unterbinden der Zufahrt mit Absperrungen ist nicht möglich, da dann auch Einsatzfahrzeuge ausgesperrt werden würden“, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung.

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Außerhalb des näheren Innenstadtbereichs halten die Sicherheitsbehörden noch eine Absicherung an folgenden Orten für sinnvoll: der Schützenstraße am Hauptbahnhof, dem Grünwalder Stadion an Spieltagen, dem Mariahilfplatz während der Auer Dult, dem Rotkreuzplatz und dem Wiener Platz. Für den Bereich Ludwigstraße/Leopoldstraße und den Königsplatz strebt die Stadt ein dauerhaftes Sicherungssystem an, das jedoch nur zeitlich begrenzt zum Einsatz kommen soll.

Klaus Vick

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