Neuer Rekord! München ist Einwanderungsstadt

München - Die Stadt München wächst und wächst und wächst – immer schneller! Wir zeigen, woher die Zuagroasten kommen und welche Stadtteile am schnellsten wachsen.

Die 1,4-Millionen-Einwohner-Marke hat die Stadt im September geknackt, drei Monate später waren es schon über 10 000 Münchner mehr. Jetzt wird auch klar, warum: Nach vorläufigen Zahlen des Statistik-Amts verzeichnete die Stadt einen ­Zuagroasten-Rekord!

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Genau 112 947 Menschen siedelten 2011 an die Isar über – das
sind so viele wie seit mindestens 20 Jahren nicht mehr. Vergleiche mit der davor sind schwer möglich, weil die Statistik damals noch die Nebenwohnsitze mitrechnete. Doch selbst wenn man die berücksichtigt, türmten sich Einwanderungswellen nur in den Jahren 1969 und 1992 höher auf als im vergangenen Jahr. „Gerade 2011 konnten wir eine große Steigerung der Zuzüge feststellen“, sagt Sibel Aydemir-Kengerolu, Chefin der Kommunalen Statistik beim Amt. Getragen werde der Rekord von Menschen ohne deutschen Pass. „Lange war es so, dass mehr Deutsche als Ausländer kamen. Jetzt zogen erstmals seit 2004 mehr Ausländer nach München.“ Aber auch unter den Deutschen gab es so viele Zuzügler wie lange nicht.
Woher die Neu-Münchner kamen, ist für 2011 noch nicht genau ausgewertet. Eine langfristige Analyse des Statistik-Amtes bis Mitte des Jahres zeigt aber, dass sich die Anteile der Einwohner aus Rumänien und Bulgarien seit der EU-Aufnahme 2007 mehr als verdoppelt haben. Die mit Abstand größte einzelne Gruppe an Zuzüglern stammt selbstverständlich seit jeher aus dem übrigen Freistaat – wohin sich seit Jahren aber noch mehr Bürger wieder verabschieden.

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Die Studenten kommen zum Lernen und bekommen gute Jobs, die Älteren zieht es der Arbeit wegen an die Isar. Die Rechnung geht auf: Nur 4,3 Prozent der Münchner haben keine Stelle – die Zahl sank im Februar trotz des strengen Winters auf den geringsten Wert seit 19 Jahren. Kein Wunder, dass die Mieten immer weiter steigen.
Und es hält die Leute in München: Nur 84 206 Menschen zogen 2011 wieder weg. Das ist zwar kein Minus-Rekord, aber ein sehr niedriger Wert und deswegen beachtlich, weil mit hohen Zuzügen in der Vergangenheit hohe Wegzüge einhergingen – derzeit nicht. Wir leben im Ausnahmezustand.
Folge: München hechelt Monat für Monat von einem Einwohnerrekord zum nächsten – und zwar in allen Stadtteilen. Das Statistik-Amt zeigt in einer Analyse, wie sich die Einwohnerschaft durch die Zuzügler verändert: Im Schnitt altert die Bevölkerung anders als im Rest der Republik kaum. Der Anteil der Ledigen wächst. Die Anteile der Protestanten und Katholiken schrumpfen deutlich. Das Statistik-Amt hat errechnet: Geht das so weiter, gibt es Ende 2016 mehr als 1,5 Millionen Münchner.

Was die neuen Promis hier lieben

Seine Münchner Freundin erleichterte den Umzug

Von Gelsenkirchen an die Isar: FC-Bayern-Spieler Manuel Neuer zog zum Bundesliga-Saisonstart 2011 in die bayerische Landeshauptstadt. Seine Freundin Kathrin ist Münchnerin und half ihm bei der Wohnungssuche – die Wahl fiel auf eine Villa in Bogenhausen. Die Umstellung war nicht schwer: „Ich kenne ja München, ich habe Verwandtschaft im Süden. Die Sprache verstehe ich also und mich müsste man in Bayern auch verstehen können.“

Die Kunst lockte ihn aus New York

Der Nigerianer Okwui Enwezor wechselte aus Liebe zur Kunst von New York nach München: Seit Herbst 2011 leitet er das Haus der Kunst. Den Sommer genießt der 48-Jährige mit seiner Tochter im Englischen Garten. Wie steht Enwezor zu Hopfen und Malz? „Ich trinke im Jahr etwa viermal Bier, aber wer weiß, vielleicht ändert sich das auf dem Oktoberfest?“

München macht es einem leicht

Seit Oktober 2009 wohnt Zoodirektor Andreas Knieriem in München – zuvor war er leitender Tierarzt im Zoo Hannover. Knieriem liebt die Münchner Innenstadt und unternimmt gerne Ausflüge an den Tergernsee. „Mittlerweile fühle ich mich als richtiger Münchner. Ich schätze die Traditionen und die Stadt macht es einem leicht, sich wohl zu fühlen!“

Das sagen Neu-Münchner

Im Norden gibt’s keine Berge

Ich bin im Oktober nach München gezogen, um an der Elite-Universität Maschinenbau zu studieren. In München fühle ich mich sehr wohl – die Stadt ist ein totaler Kontrast zu meiner Heimat Hamburg. Ausflüge in die Berge und zu den schönen Seen sind im Norden nicht möglich. Außerdem gefällt mir die offene, freundliche Art der Münchner und das mediterrane Flair.

Philipp S. (23)

München – der Liebe wegen

Ich bin im April 2011 aus NRW hergezogen – der Arbeit und der Liebe wegen. Mit meiner Freundin lebe ich in Schwabing und arbeite als Online-Redakteur. Eigentlich bin ich kein Großstadtmensch, aber an München begeistern mich die Freizeitmöglichkeiten: Skifahren, Wandern, Biergärten – wo gibt es das sonst?

Joachim R. (30)

Freund ist nachgereist

Ich bin Ende März 2010 nach München gezogen, um meine Diplom-Arbeit hier zu schreiben. Die Entscheidung habe ich keine Sekunde bereut: Ich liebe das Stadtleben – hier ist immer was los. An den Wochenenden schalte ich gerne in der Natur ab und fahre in die Berge. Mittlerweile bin ich fertig mit dem Studium – und mein Freund ist mir nachgereist.

Carmen T. (27)

Andreas Thieme, David Costanzo

Rubriklistenbild: © dpa

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