Gravierende Unterschiede zwischen den Vierteln

Neuer Wohnatlas für München: Zahlen, die den Wahnsinn erklären

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Der Münchner Wohnatlas gibt Aufschluss über Mieterschutz, Wohnungsgrößen und Kaufkraft.

Wohnen bleibt eines der zentralen Themen in München. Die Stadt hat jetzt erstmals eine Übersicht über kleinräumige Strukturdaten für die Viertel herausgegeben. 

München - Wie wichtig das Thema Wohnen in München ist, hat erst dieser Tage wieder eine Pressekonferenz gezeigt. Die SPD-Stadtspitze hatte extra eingeladen und mittels Forderungskatalog die Koalitionsverhandler in Berlin zu den für München dringend benötigten Reformen aufgefordert. Mietspiegel, Mietpreisbremse, Bodenreform – die Stadt lässt nichts unversucht, die Preisspirale zu durchbrechen. Die Verwaltung behält zudem den Münchner Wohnungsmarkt permanent im Auge.

Am kommenden Mittwoch wird das Planungsreferat die „Wohnungsmarktbeobachtung München – Kleinräumige Strukturdaten 2016 für die Stadtbezirke“ dem Stadtrat präsentieren. Darin sind viele Details über die Viertel enthalten, unter anderem Informationen über den Wohnungsbestand, Haushaltsstrukturen und Mieten. Auch ist zu erfahren, welches Viertel am besten vor sogenannter Luxussanierung geschützt wird.

Mieterschutz

Dies geschieht etwa mit Erhaltungssatzungen. Die gibt es in 21 Gebieten (146.000 Wohnungen, 260.000 Mieter). Mit weitem Abstand Spitzenreiter ist die Schwanthalerhöhe, ganze 86,8 Prozent des Viertels sind durch eine Erhaltungssatzung geschützt. 11,3 Prozent der Wohnungen sind zudem Sozialwohnungen. „Grundsätzlich hat sich hier wenig verändert“, sagt Einwohner Gerhard Mayer, der auf der Schwanthalerhöhe lebt und für die SPD im Stadtrat sitzt. „Wir haben noch einen guten Grundstock an Genossenschaftswohnungen. Das hält das Viertel stabiler.“ 

SPD-Stadtratmitglied Gerhard Mayer lebt auf der Schwanthalerhöhe.

Die Erhaltungssatzung sei zwar ein unscharfes Instrument, aber zumindest eines, das die Gentrifizierung verlangsamt. Denn in diesen Gebieten dürfen Eigentümer Häuser nicht über Gebühr sanieren oder die Miete erhöhen. Die Stadt will damit erreichen, dass weiterhin Münchner aus jeder Einkommensschicht in den Vierteln leben können. Und seit 2014 muss zudem beim Sozialreferat angemeldet werden, wenn eine Miet- in eine Eigentumswohnung umgewandelt werden soll. In Au-Haidhausen sind 59,8 Prozent der Wohnungen durch eine Erhaltungssatzung geschützt, in Sendling sind es 53,6 Prozent. Es gibt in München aber auch Viertel, die über gar keine Erhaltungssatzung verfügen, Pasing-Obermenzing, Hadern und Bogenhausen zum Beispiel.

In München könnten die Mieten schon bald noch teurer werden - die Grundsteuer-Regelung wird wohl kippen.

Wohnungsgrößen

Veronika von Quast (71), Schauspielerin aus der Altstadt, wohnt seit 1972 an der Burgstraße – auf 150 Quadratmetern. „Allerdings wohne ich fast nie allein, sondern habe stets Mitbewohner: Meine Enkel oder Kollegen, die vorübergehend in München arbeiten“, sagt sie. „Ich fände es asozial, eine so große Wohnung alleine zu nutzen.“ Gesegnet ist Quast dennoch, denn im Durchschnitt lebt ein Münchner auf 33,4 Quadratmetern. 

Veronika von Quast „fände es asozial“, ihre Wohnung alleine zu nutzen.

Die Unterschiede zwischen den Stadtvierteln sind frappant. Das eher von kinderlosen Haushalten geprägte Altstadt-Lehel ist mit Abstand Spitzenreiter. Ein Bewohner kann sich durchschnittlich auf 44,8 Quadratmetern ausbreiten. Bogenhausen steht auf Platz zwei mit 39,3 Quadratmetern, gefolgt von Au-Haidhausen mit 36,2 Quadratmetern. Im unteren Drittel rangieren Feldmoching-Hasenbergl und Obergiesing-Fasangarten, jeweils mit 29,2 Quadratmetern. Schlusslicht ist Milbertshofen-Am Hart mit 26,6 Quadratmetern.

Kaufkraft

Wer in einem schicken Innenstadt-Viertel wohnt, zahlt in der Regel mehr Miete – und kann sich mehr leisten. Die Kaufkraft, also der Betrag, den eine Person für ihre Konsumausgaben zur Verfügung hat, ist in Altstadt-Lehel am höchsten: 36.000 Euro gibt dort ein Bewohner durchschnittlich pro Jahr aus. Es folgen die Maxvorstadt (32.858 Euro), Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (32.636 Euro) und Bogenhausen (32.573 Euro). Am geringsten ist die Kaufkraft in Milbertshofen-Am Hart (24.423 Euro).

Freiraum

In kaum einem anderen Viertel geht es so eng zu wie in Schwabing-West. Auf einem Hektar (ungefähr ein Fußballfeld) leben 164 Menschen. Ebenfalls dicht besiedelt ist Au-Haidhausen mit 151 Bewohnern pro Hektar. In den Randgebieten sieht das ganz anders aus. In Aubing-Lochhausen-Langwied etwa wohnen 13 Münchner auf einem Hektar und in Allach-Untermenzing 21. Heike Kainz, Vorsitzende im Bezirksausschuss Allach-Untermenzing und CSU-Stadträtin, lebt seit 1994 in Allach. „Wir haben viel Freiraum und die Nähe zur Natur mit den Seen. In manchen Teilen haben wir aber auch einen hohen Anteil an Gewerbe, das erklärt natürlich dann auch solche Zahlen, da das Gewerbe große Flächen braucht.“

Ihren Freiraum wollen sich auch einige Anwohner in Berg am Laim bewahren. Sie befürchten von einem Neubau-Projekt vor ihrer Haustüre  eingeengt zu werden.

Verweildauer

Die Vize-Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Habenschaden, wohnt seit elf Jahren in Aubing und liegt damit fast im Trend: 12,8 Jahre leben die Bewohner durchschnittlich in dem Bezirk sowie in Feldmoching-Hasenbergl und in Allach-Untermenzing. 

Karin Habenschaden ist seit elf Jahren in Aubing zuhause.

„In Aubing gibt es eine gesunde Mischung aus der wohltuenden Entfernung zur Stadt und der ländlichen Struktur mit jeder Menge Grün. Und wie wir ja wissen, machen Bäume und Grün glücklich“, sagt Habenschaden. Die höchste Fluktuation herrscht in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt: Nur rund acht Jahre bleibt der durchschnittliche Bewohner hier, bevor er weiterzieht.

Der Wohnatlas für München liefert interessante Einblicke.

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