Ein Bollwerk gegen das Vergessen

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Der Entwurf der Architekten: So wird das fertige Dokumentationszentrum aussehen

München - Mehr als 65 Jahre nach Kriegsende bekommt München ein NS-Dokumentationszentrum. Am Freitag wurde der Grundstein gelegt. Es soll die Rolle der ehemaligen Nazi-Hochburg endlich aufarbeiteten. 

Kultusminister Ludwig Spaenle, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und Kulturstaatsminister Bernd Naumann (v. l.) legten am Freitag den Grundstein des NS-Dokumentationszentrums.

Es ist ein Tag für die Geschichte. Ein Tag, der zeigt, dass München nie wieder für Hass und Gewalt stehen will – sondern für Frieden und Versöhnung. Am Freitag legten Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der bayrische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Kultur-Staatsminister Bernd Neumann (CDU) den Grundstein für das NS-Dokumentationszentrum an der Brienner Straße. Ude: „Mit dem Dokumentationszentrum ziehen wir Lehren aus der Vergangenheit und setzen ein Symbol für Toleranz, Weltoffenheit und ein soziales Miteinander.“

Bilder von der Grundsteinlegung

Grundsteinlegung für das NS-Dokumentationszentrum München

Die grundlegenden Ideen für das Dokumentationszentrum sind alt. Bereits 1945 gab es die ersten Vorschläge, auf dem Platz an der Brienner Straße eine Gedenkstätte zu errichten. Trotzdem sind am Ende fast 70 Jahre vergehen, bis der Grundstein gelegt wurde. Für Ude ein „kaum entschuldbarer Zeitraum“. Aber, so Neumann: „Besser spät als nie.“

Das NS-Dokumentationszentrum: Es soll ein weiteres Bollwerk gegen das Vergessen werden. Das Gebäude entsteht auf dem ehemaligen Gelände des „Braunen Hauses“, der NSDAP-Parteizentrale (siehe unten), und in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen bedeutenden Bauten der Nazi-Zeit. Das 28,2 Millionen Euro teure Zentrum solle ein „beeindruckender Kontrapunkt zu den Nazi-Bauten der Nachbarschaft“ werden, so Ude. Im Jahr 2014 soll der Kubus fertig sein. Auf acht Stockwerken wird in Ausstellungen an die dunkle Zeit der Nazis erinnert. Außerdem soll es eine Handbibliothek geben. Die Stadt rechnet mit mehreren hunderttausend Besuchern pro Jahr.

 

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Das braune Haus der Nazis

Der Ort, an dem das NS-Dokumentationszentrum ensteht, ist bewusst gewählt. Von 1930 bis 1945 stand genau dort – an der Ecke Arcisstraße / Brienner Straße – die Parteizentrale der NSDAP, das so genannte braune Haus. Die NSDAP hatte das damalige Palais Barlow für knappe 800 000 Goldmark gekauft. Adolf Hitler fertigte Entwürfe an, nach denen das Haus umgebaut wurde.

Die Reichsleitung zog Anfang 1931 in das Palais um. 1945 wurde das Gebäude von Bomben der Alliierten fast komplett zerstört und 1947 endgültig abgerissen. Lange Zeit blieb das Grundstück unbebaut, bevor das bayerische Kabinett Ende 2005 beschloss, hier ein NS-Dokumentationszentrum zu errichten. Für Kulturstaatsminister Bernd Neumann nimmt das Dokumentationszentrum an genau jenem Ort eine besondere Rolle ein: „Die meisten Gedenkstätten sind an Opferorten wie Konzentrationslagern und nicht an Täterorten.“ Mit dem Platz des ehemaligen Braunen Hauses würden die Fragen nach den Tätern und deren Beweggründen in den Blickpunkt gerückt.

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Wir sprachen mit der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, über das Dokumentationszentrum.

Frau Knobloch, was sollte im NS-Dokumentationszentrum unbedingt ausgestellt werden?

Charlotte Knobloch: Die Nazis haben auch einmal sehr klein angefangen. Deshalb ist es für mich das Wichtigste, die Vorgeschichte der Nazis zu zeigen. Der Nationalsozialismus hat nicht erst 1933, sondern schon in den 20er-Jahren angefangen.

Warum ist das neue Dokumentationszentrum Ihrer Meinung nach besonders für die junge Generation wichtig?

 Knobloch: Junge Menschen sollen das Zentrum nicht nur als Besucher betreten, sondern auch daran mitwirken, konkret mitgestalten. Dann können sie ihr Wissen auch an andere junge Menschen weitergeben – und etwas für das Erinnern tun.

Ein Wort zur Architektur?

Knobloch: Durch den Kubus wird eine angenehme und helle Atmosphäre geschaffen. Das ist ein schöner Kontrast zur dunklen Umgebung und zur Vergangenheit. Ich finde den Entwurf sehr gelungen.

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