NS-Widerstandskämpfer heilig gesprochen

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NeumärtyrerRussisch-orthodoxe Priester tragen in der Kathedrale der Heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands eine Ikone für den Widerstandskämpfer Alexander Schmorell.

München - Alexander Schmorell war mutig. Als Mitglied der Weißen Rose wagte er es, in Flugblättern 1942 und 1943 Adolf Hitler und das Nazi-Regime anzuprangern. Seinen Mut bezahlte er mit dem Leben.

Mit Lobeshymnen und Gebeten ist der NS-Widerstandskämpfer Alexander Schmorell von der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland in den Kreis der Heiligen aufgenommen worden. Schmorell sei sowohl ein Feind des Bolschewismus, als auch des Nationalsozialismus gewesen, sagte Erzpriester Nikolai Artemoff am Sonntag bei einem feierlichen Pontifikalamt in München. Er sei gegen diese Ungerechtigkeiten aufgestanden und habe seine Freunde in der “Weißen Rose“ mitgerissen. Einer der Gründe für diesen Mut sei auch sein tiefer orthodoxer Glaube gewesen. Schmorells Gedenktag ist künftig der 13. Juli. An diesem Tag war der gebürtige Russe 1943 in seiner Heimatstadt München von den Nazis hingerichtet worden.

Am Ende des mehr als drei Stunden langen Gottesdienstes erwiesen die Gläubigen der kostbar mit Gold verzierten Ikone des Neumärtyrers die Ehre, die mitten in der Kirche aufgestellt war. Schmorell, der vor seinem Tod Medizin studiert hatte, ist darauf als Arzt mit einem roten Kreuz am Arm dargestellt. In der rechten Hand hält er ein Kreuz und eine weiße Rose, das Sinnbild der Münchner Widerstandsgruppe, in der neben den Geschwistern Hans und Sophie Scholl auch die Freunde Christoph Probst und Willi Graf sowie der Philosophieprofessor Kurt Huber waren. Ab 1942 hatten sie in insgesamt sechs Flugblättern die menschenverachtende Politik Adolf Hitlers angeprangert und zum Protest gegen sein Terror-Regime aufgerufen. Ihre Schriften wurden in Deutschland und auch im Ausland tausendfach verbreitet. 1943 wurden sie alle verhaftet und in München hingerichtet.

Bislang gilt die Heiligsprechung nur in der deutschen Diözese der russischen Auslandskirche. Doch auch im sonstigen Europa, in Russland und in den USA könnte der russisch-orthodox getaufte Schmorell bald heiliggesprochen werden, sagte Erzpriester Artemoff von der Kathedrale der Heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands.

dpa

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