Andere reden, sie packen an

Die Engel der Münchner Obdachlosen: Alles fing mit Trinkgeld an 

+
Nächstenliebe in kalten Tagen: Ines Hofer (links) und Tatjana Kraft sammeln Sachspenden, aber auch Futter für die Hunde der Obdachlosen. 

Einfach helfen, ohne viel Tamtam, in Eigenregie. Tatjana Kraft und Ines Hofer sammeln Kleidung und vieles mehr für Obdachlose.

Kollbach/München – Der erste Schnee ist schon gefallen, in der Nacht hat es regelmäßig weniger als null Grad. Wie schön, wenn man es sich da in seiner warmen Wohnung gemütlich machen kann. Sofern man eine hat. Die beiden Freundinnen Tatjana Kraft (41) aus Kollbach und Ines Hofer (40) aus Eching versuchen, den kalten Winter für Obdachlose so erträglich wie möglich zu machen.

In ihrer Freizeit ruft die 41-jährige Nagel-Designerin Tatjana Kraft auf Facebook und in E-Bay-Kleinanzeigen dazu auf, Kleidung, Schlafsäcke, Decken und Hundetrockenfutter für Obdachlose und deren vierbeinige Gefährten zu spenden. Das mag für Hilfsorganisationen alltäglich sein, aber Tatjana Kraft und Ines Hofer, die beruflich als zahnmedizinische Fachassistentin arbeitet, organisieren alles komplett in Eigenregie.

Die beiden Helferinnen prüfen und sortieren zunächst die abgegebenen Sachen. Sobald sie Zeit haben, packen sie alles ins Auto und bringen es nach München. Dort haben sie schon ihre festen Anlaufstellen und wissen, wo die Obdachlosen ihre Quartiere haben.

Mit einer vollen Trinkgeldtasse fing es an

Alles fing damit an, dass Tatjana Kraft eine volle Trinkgeldkasse hatte. „Ich habe Ines davon erzählt und dass ich mit dem Geld gerne Menschen helfen würde. Sie war sofort dabei“, sagt Tatjana Kraft. Zunächst kaufte sie Kekse, Duschgel, Zahnbürsten und Zahnpasta. Dazu sammelten sie Mützen und warme Jacken von Bekannten ein, packten alles in Tüten und ab ging es das erste Mal in die Landeshauptstadt. Das war im November vergangenen Jahres.

Seitdem stecken die Freundinnen einen Großteil ihrer Freizeit in ihr Herzensprojekt. Besonders aktiv sind sie im Winter, wenn die Not am größten ist. Ein Ort, zu dem sie oft fahren, ist die Wittelsbacherbrücke in München. Hier haben sie mit dem Betreiber des ältesten Imbisstandes der Stadt, André Löwig, ein Bäumchen aufgestellt, an dem sie regelmäßig Tüten mit Kleidung, Zahnbürsten und Shampoo aufhängen.

Viele Obdachlose sind ganz bescheiden

Wie der Kontakt mit den Obdachlosen sonst abläuft? „Wir fahren herum, und wenn wir jemanden sehen, fragen wir ihn, ob er etwas brauchen kann“, erklärt Kraft. Viele seien zwar erstmal zurückhaltend, aber keiner der Obdachlosen wäre bisher unfreundlich oder gierig gewesen, sagt sie.

Die Bescheidenheit vieler Obdachloser zeigt sich dann, wenn die beiden Freundinnen sie zum Essen einladen, was schon mal vorkommt: „Die meisten wünschen sich ein belegtes Brötchen und einen warmen Kaffee dazu. Damit sind sie glücklich und wollen gar nicht mehr“, sagt die Kollbacherin. Manchmal reichen aber auch ein paar warme Worte: „Die Leute freuen sich schon, wenn man einfach ganz normal mit ihnen spricht.“ Nach München fahren Kraft und Hofer, weil sie im Dachauer Raum zu wenig Obdachlose sehen. „Wenn ich bei uns einen Obdachlosen sehen würde, würde ich dem natürlich auch helfen wollen“, sagt die 41-Jährige.

Lesen Sie hier auf merkur.de, wie die beiden Bettlerbanden erkennen, wie die Zusammenarbeit mit dem Tierheim abläuft und welche Reaktionen sie auf ihre Arbeit bekommen. 

Matthias Schneider

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Warum raste am Montag morgen eine Blaulicht-Kolonne durch München?
Warum raste am Montag morgen eine Blaulicht-Kolonne durch München?
46-Jährige gerät mit Wagen auf Gegenfahrbahn: Frontalzusammenstoß
46-Jährige gerät mit Wagen auf Gegenfahrbahn: Frontalzusammenstoß

Kommentare