29 neue Häuserl in der Stadt

München komplett aus dem Häuschen: Wunder-WC-Offensive von OB Reiter nimmt Formen an

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Die Hightech-Toilette am Partnachplatz dient als Vorlage für die neuen WCs.

Im Mai hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter seine WC-Offensive gestartet. Damals beschloss der Stadtrat eine „signifikante Erhöhung der Anzahl der öffentlichen Toiletten“. Nun konkretisieren sich die Pläne.

  • Erleichterung für Münchens Bürger: Die Stadt erhält bis 2026 neue öffentliche Toiletten.
  • Als Vorbild fungiert ein Hightech-Häuschen am Partnachplatz.
  • 29 neue stille Örtchen sind geplant. Hier lesen Sie, an welchen Plätzen der Stadt.

München - Oberbürgermeister Dieter Reiter (61, SPD) hat es eilig, damit es den Münchnern weniger pressiert. Denn viele stille Örtchen in der Landeshauptstadt sind gesperrt oder in einem so desolaten Zustand, dass der Busch daneben beinah schon einladender wirkt. Im Mai hatte Reiter seine WC-Offensive durch den Stadtrat gebracht – am Mittwoch präsentierte er mit Baureferentin Rosemarie Hingerl jetzt die konkreten Pläne.

Öffentliche Toiletten in München: Hightech-Häuschen kein günstiges Unterfangen

29 neue öffentliche Toiletten in München sollen demnach bis zum Jahr 2026 gebaut werden – und an den U-Bahnhöfen sind Nachbesserungen angedacht. Kein günstiges Unterfangen: Allein die Erschließung von Strom, Wasser und Abwasser kostet pro neuer Anlage 600.000 Euro! Für den Unterhalt der Toiletten durch externe Betreiber kommen nochmal etwa 100.000 Euro pro Jahr und Häusl obendrauf. Insgesamt soll das Baureferat jährlich fünf Millionen Euro für die WC-Offensive bekommen. Dafür gibt’s aber auch Hochglanz-Klos: Die sind nämlich nicht nur kostenlos, sondern auch barrierefrei und angeblich permanent sauber. Denn nach jedem Besucher reinigen sich die Schüssel und der Boden automatisch von selber. Wer sich so ein Wunder-WC mal anschauen mag: Eines gibt’s bereits am Partnachplatz.

Vor diesem Hightech-Häuschen sprach nun auch OB Reiter: „Wir leisten uns so viel in dieser Stadt, da müssen Toiletten noch drin sein.“ Reiter, der sich auch dem Mietpreisirrsinn in der Stadt widmet, wäre sogar bereit, noch mehr Geld in das Projekt Toilette zu spülen, damit der Ausbau schneller vorangeht. Doch zunächst müssen die 29 Standorte und die Ausstattungsstandards für die öffentlichen WC-Anlagen durch den Stadtrat. Das Baureferat legt seine Vorlage im Bauausschuss am 3. Dezember zur Entscheidung vor.

Neue Hightech-Toiletten in München: Drei Anlagen bereits für 2020 geplant

„Ich bin zuversichtlich, dass der Stadtrat das absegnet“, sagte Dieter Reiter. Wenn er Recht behält, dann könnten bereits 2020 drei neue Anlagen öffentlicher Toiletten stehen: am Hirschgarten, im Sendlinger Wald/ Südpark sowie in den Isaranlagen – Höhe Eduard-Schmid-Straße 36. Insgesamt 25 der 29 neuen Toiletten sollen in Parks stehen – das ist dann etwa eine Verdoppelung (aktuell gibt’s 22 öffentliche Toiletten in Grünanlagen). Der neue, höhere Bedarf entsteht, weil das Baureferat Kriterien und Schwellenwerte für den Neubau von Toiletten in Parks in seiner Vorlage herabsetzt. Ein Beispiel: Bisher mussten im Einzugsbereich eines großen Parks mindestens 7500 Kinder und Jugendliche wohnen, damit ein Toiletten-Häuschen nötig war, nach der neuen Vorlage reichen 3750 aus.

Vier weitere WC-Anlagen sind für Berg am Laim, Aubing, Schwabing-West und Neuhausen geplant. In diesen Bereichen gibt es laut Vorlage kein öffentlich zugängliches Klo im Umkreis von 500 Metern. Und auch geschlossene U-Bahn-Toiletten möchte Reiter, soweit es wirtschaftlich vertretbar ist, teilweise wiedereröffnen. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft wurde beauftragt, sich mit der Sanierung der U-Bahn-Toiletten zu beschäftigen.

Das wurde aus den alten WCs in München

Brausen, Baden, Bieseln - das war einmal. Bayerisches Essen und schäumendes Bier, das finden die Münchner jetzt im ehemaligen Klohäusl an der Theresienwiese. Das denkmalgeschütze Bauwerk am Bavariaring 5 hat vergangenen Winter als modernes Wirtshaus „Das Bad“ neueröffnet. Bei seiner Errichtung 1894 von Prinzregent Luitpold diente es als öffentliches Brause- und Wannenbad für die Bewohner der Schwanthalerhöhe. Nun prickelt es nur noch im Bauch - wenn man ein kühles Augustiner oder vielleicht auch mal ein Mineralwasser trinkt. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11-22 Uhr, Samstag und Sonntag 9-22 Uhr. 

Das Crönlein war einst eine Toilette.

Ähnliches Konzept, anderer Ort: Das Café Crönlein - das Platz im ehemalige Klohäusl am Nockherberg gefunden hat. Florian Falterer, der auch das RiffRaff in Obergiesing betreibt, und sein Freund Timothy Hanghofer machten aus der Toilette am Kronepark ein stattliches Kaffee. Das Besondere daran: Im Winter kann die Location gemietet werden und Sonntags kann man zwischen 15-20 Uhr einen Kaffee schlürfen und die Seele baumeln lassen „Maßnahmen zur Beseelung des Klohäuschens”, nennt die Sendlingerin Anja Uhlig ihr Projekt an der Thalkirchner Straße 81. In dem ehemaligen Stillen Örtchen finden seit dem Jahr 2009 wechselnde Kunst-Ausstellungen und auch spannende Vorträge statt. Zuletzt stellte der Münchner Autor und Künstler Günter Nosch in dem ehemaligen Klohäusl aus.

Lesen Sie auch: Einige Grundschulen im Landkreis München erwägten, WCs fürs dritte Geschlecht einzurichten. Das Medienecho auf einen Bericht im Münchner Merkur* war gewaltig...

Während es bei der Toiletten-Offensive vorangeht, ärgert sich ein Apotheker über die seit Jahren andauernden Bauarbeiten am Sendlinger Tor - durch einen Bauzaun sind seine Kunden ausgesperrt.

*tz.de und Merkur.de sind Angebote des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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