Fall geht vor Bundesgerichtshof

OEZ-Amoklauf: Waffenhändler geht in Revision

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Waffenhändler Philipp K. (M.).

Zu sieben Jahren Haft wurde Philipp K. wegen des Verkaufs von Waffen an den Münchner Amokläufer verurteilt. Seine Verteidigung geht in Revision.

München - Ohne Regung hatte Philipp K. (33) das Urteil entgegengenommen, die Opfer-Familien hingegen vergossen bittere Tränen. So endete am Freitag der Prozess gegen den Waffenhändler vom OEZ-Amoklauf. Zu sieben Jahren verurteilte ihn das Landgericht. Doch die Verteidiger kündigen an: „Wir werden in Revision gehen“, sagen Sascha Marks und David Mühlbauer. 

Eineinhalb Jahre lang saß K. in U-Haft. Wann er wieder freikommt, ist nun weiter offen – denn sein Fall wird demnächst noch vor dem Bundesgerichtshof (BGH) landen. Dort werden die höchsten Richter das Urteil des Landgerichts prüfen.

Emotionaler Richterspruch

Mehr als 100 Stunden lang hatte K. seit August vor dem Landgericht ausgeharrt – meist schweigend. Nur am letzten Verhandlungstag entschuldigte er sich bei den Angehörigen – er habe das alles nicht gewollt. Richter Frank Zimmer hingegen brach vor Mitgefühl die Stimme, als er die Namen der Opfer in seiner Urteilsbegründung verlas und den Angehörigen viel Kraft wünschte. 

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„Den Verlust werden wir wohl nie verwinden. Uns bleibt nur die Erinnerung“, sagte Smajl Segashi, der einzige Hinterbliebene, der bereit ist, offen über seine Trauer zu sprechen. Seine Tochter Armela (14) war am 22. Juli 2016 am Olympia-Einkaufszentrum erschossen worden.

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„Brüder im Geiste“ seien Amokläufer S. und Waffenhändler K. gewesen. Beide rechtsradikal und menschenverachtend in ihrer Gesinnung, führte Richter Zimmer aus. Mit dem Urteil sei ein illegaler Waffenverkäufer zum ersten Mal in diesem Maße für eine Tat zu Verantwortung gezogen worden. Für die Angehörigen waren sieben Jahre Haft ein schwacher Trost.

thi

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