Zum 5. Todestag von Feinkost-König Gerd Käfer

Wiesnwirt Michael Käfer über seinen Vater: „Service-Patzer machten ihn fuchsteufelswild“

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Wiesnwirt Michael Käfer (hier mit Ehefrau Clarissa) erinnert sich im Interview an seinen Vater Gerd. (Archivbild)

Gerd Käfer hat den Party-Service neu erfunden und dafür sogar den Bayerischen Verdienstorden erhalten: der Gourmet-Papst starb vor genau fünf Jahren. Sein Sohn Michael erinnert sich.

  • Gerd Käfer hat das Party-Catering in Deutschland revolutioniert.
  • Er baute sich ein Feinkostimperium auf, das auf der Welt seinesgleichen sucht.
  • Käfer starb vor genau fünf Jahren. Sein Sohn Michael erinnert sich in der tz*.

München - Sein Leben war eine einzige Sause, die heute auf den Tag genau vor fünf Jahren endete: Deutschlands Gourmet-Papst Gerd Käfer erlag am 23.05.2015 im Alter von 82 Jahren seinem Krebsleiden.

Er, der den Party-Service neu erfunden hatte, indem er Feste für die Reichen, Schönen und Mächtigen als Gesamtkunstwerke inszenierte und mit kulinarischer Spitzenqualität Gaumenfeuerwerke auslöste, baute mit Kreativität, Leidenschaft und Perfektionismus ein Feinkostimperium auf, das bis heute auf der ganzen Welt seinesgleichen sucht. 

Gourmet-Papst Gerd Käfer: Bayerischer Verdienstorden 1988 von Franz Josef Strauß

Eine Leistung, für die Gerd Käfer1988 von Franz-Josef Strauß mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde. Sein Erfolgsgeheimnis führte der gebürtige Münchner, der sich selbst schlicht als bayerischer Tafeldecker bezeichnete, auf seine uneitle Bereitschaft zum Dienen zurück und sah sich selbst nicht als Bestandteil der High Society, die er verwöhnte.

Seit 20 Jahren ist sein Sohn ­Michael Käfer (62) der führende Kopf des Unternehmens. Im Interview mit der tz spricht er über das Vermächtnis seines Vaters, mit dem er über viele Jahre im harten Wettbewerb stand und sich kurz vor dessen Tod doch noch versöhnte.

Michael Käfer im Interview über seinen Vater: „Service-Patzer machten ihn fuchsteufelswild“

Welche fünf Adjektive beschreiben die Persönlichkeit ihres Vaters Gerd Käfer am besten?

Michael Käfer: Fleißig, kreativ, weitblickend, detailbesessen und auch ein wenig stur. Hatte er für sich einmal eine klare Meinung zu einem Thema gefasst, war er von dieser nur schwer wieder abzubringen.

Womit konnte man ihrem Vater eine Freude bereiten?

Käfer: Kleine Dinge, die ihn positive überrascht haben. Ich erinnere mich, dass er sich über Geschenke mit bayerischer Note gefreut hat, wie ein Anhänger für sein Charivari, oder auch Mitbringsel, die in ihrer Gestalt Bezug auf den Namen Käfer nahmen. Doch die größte Freude bereitete ihm die Zufriedenheit seiner Kunden. Deren zahlreiche Dankesschreiben hat er sich in seinem Büro sogar an die Wände gehängt.

Was brachte ihren Vater auf die Palme?

Käfer: Unzureichende Qualität und Service-Patzer machte ihn fuchsteufelswild. Ich werde nie vergessen, wie ich als Jugendlicher von etwa 14 Jahren bei einer Veranstaltung im Service aushalf und zum ersten Mal in meinem Leben Gästen Weißbier einschenkte. Es war alles übergelaufen. Sie können sich nicht vorstellen, was für einen Anpfiff ich dafür kassierte – doch seitdem klappt es.

Welche Interessen hatte Ihr Vater außerhalb des Geschäfts noch?

Käfer: Keine! Das Geschäft war sein Leben. Er hat immer wieder unterschiedliche Dinge gesammelt wie  Spazierstöcke oder Nymphenburger Porzellan, aber die Firma stand immer an erste Stelle.

Michael Käfer über seinen Vater Gerd: “Leer gegessene Teller waren sein Lebenselixier“

Es heißt, ihr Vater, hatte keinen ausgeprägten Sinn für das Ökonomische. Ihm sei der Glamour-Faktor einer Party immer wichtiger gewesen, als der daraus resultierende Gewinn. Stimmt das?

Käfer: Jein! Der Applaus seiner Kunden, den er direkt auf der Party einsammeln konnte, war sein Lebenselixier. Kein Beifallklatschen, sondern  leer gegessene Teller und fröhliche Menschen. Er hat mit vollen Händen in die Realisierung seiner Ideen investiert, auch aus der unternehmerischen Erfahrung heraus, dass ein erfolgreiches abgeschlossenes Projekt zu einem neuen erfolgreichen Projekt führt.

Wie wichtig war ihrem Vater Geld?

Käfer: Mein Vater hat gut gelebt, sich aber außer seinem Haus in Kitzbühel keine großen Extravaganzen geleistet. Geld wurde immer wieder in das Unternehmen reinvestiert. Er war sehr großzügig seinem Mitmenschen und Mitarbeitern gegenüber, machte ihnen oft Geschenke, die er persönlich für sie ausgewählt hatte. Geiz ist eine Eigenschaft, die im zutiefst zuwider war.

Herr Käfer, bitte kommentieren oder revidieren Sie folgende Aussagen:

Gerd Käfer war... ein Perfektionist

Käfer: Absolut, und zwar in allem was er getan hat.

... ein Familienmensch

Käfer: Nein, mein Vater hat für sein Unternehmen gelebt. Familie war ihm nicht wichtig. Er gehörte einer Generation an, die „Familie“ nie gelernt hat, wo andere Themen Priorität hatten und über Gefühle nicht gesprochen wurde.

... ein Playboy

Käfer: Er hatte durch seinen Erfolg natürlich Chancen bei den Damen gehabt und aufgrund seiner entbehrungsreichen Jugend sicherlich Nachholbedarf in Bezug auf Frauengeschichten. Bei seiner Beerdigung sind mir schon ein paar Damen aufgefallen, die um ihn geweint haben. Zudem glaube ich auch, dass ihm sein Freund Gunther Sachs, mit dem er auf Sylt Tür an Tür wohnte, imponierte und dazu motivierte, ihm ein bisschen nachzueifern.

... ein Choleriker

Käfer: Cholerisch ist ein böses Wort. Gerd konnte sehr laut werden und brüllte seine Mitarbeiter auch schon mal an. Solche Wutanfälle waren aber nach fünf Minuten schon wieder vorbei, nie böse und persönlich gemeint, sondern bezogen sich immer auf Fehler und Schwächen in puncto Qualität und Service. Die duldete er einfach nicht. Mit dieser Haltung hatte er die Marke Käfer jedoch immer weiter nach vorne gebracht.

... ein Künstler

Käfer: Oft war Gerd mit seien Ideen seiner Zeit weit voraus: So konzipierte er für einen Auftraggeber, der es nicht so dekadent haben wollte, ein Brot-Buffet: 20 verschiedene Sorten Brot bester Qualität mit Aufstrichen aus regionalen Zutaten oder er tischte den sogenannten „Kartoffelacker“ auf, bestehend aus Speisen aus verschieden Kartoffelsorten, dazu Quark und Speck. Einfach, aber gut, was in den Kaviar-gefluteten 1980er Jahren revolutionär war und von der High-Society bestens angenommen wurde.

Interview: Michael Käfer erinnert sich an Vater - „Gerd hat seine Ziele oft gewechselt“

Worin unterscheiden Sie sich von ihrem Vater am meisten?

Käfer: Dadurch dass ich als Kind nie eine richtige Familie gehabt habe, weil sich meine Eltern scheiden ließen und Gerd nie Zeit für mich hatte, bin ich ein absoluter Familienmensch. Ich bin auch ein ruhigerer Typ als mein Vater und kann das Daheim-sein und Ruhe genießen. Das war bei Gerd überhaupt nicht der Fall. Zudem glaube ich, dass ich fokussierter und hartnäckiger bin. Gerd hat seine Ziele oft gewechselt, ich bleibe an meinen länger dran.

Zur Beerdigung kamen viele von Münchens prominentesten Köpfen, doch wer waren die wahre Freunde ihres Vaters?

Käfer: Bernhard Paul, der Direktor des Zirkus Roncalli und Unternehmer Erwin Müller aus Ulm, standen meinem Vater sehr nahe.

Wie oft besuchen Sie das Grab ihres Vaters?

Käfer: Etwa dreimal im Jahr gehe ich zum Grab meines Vaters. An seinem Geburtstag, seinem Todestag und ein weiteres Mal spontan, wenn ich zufällig am Ostfriedhof vorbeikomme. Doch wichtiger als die Häufigkeit der Grabbesuche, ist, dass ich ihn in meinem Herzen trage. Ich denke heute öfters an ihn als noch zu Lebzeiten.

Wenn Sie die Uhr noch einmal zurück drehen könnten, was würden Sie im Umgang mit ihrem Vater anders machen?

Käfer: Wir könnten nur beide etwas anders machen. Mein Vater war eine starke Persönlichkeit und ich denke, es war richtig von mir, mich ihm gegenüber zu behaupten. Andernfalls wäre ich neben ihm untergegangen und vermutlich für immer frustriert gewesen. Rückblickend betrachtet, hätten wir stärker zusammenhalten und zusammenarbeiten sollen.

Emotionaler Moment: „Es war das erste Mal, dass ich ihm helfen durfte“

Wie haben Sie voneinander Abschied genommen?

Käfer: Wir haben uns Danke gesagt, einander die Hände geschüttelt und sind übereinkommen, dass wir eigentlich alles ganz gut gemacht haben.

Wenige Tage vor seinem Tod ereignete sich dann noch etwas, womit ich nie gerechnet hätte. Mein Vater konnte nicht mehr aufstehen, weil er schon so krank war, also habe ich ihm aus dem Stuhl hochgeholfen und ins Bett getragen. Das er dies zugelassen hat, ist einer der wichtigsten Momente meines Lebens, denn es war das erste Mal, dass ich ihm helfen durfte.

Was ist die wichtigste Lektion, die sie von ihrem Vater gelernt haben?

Käfer: Dass Erfolg nur mit Fleiß geht, dass man aber nur fleißig sei kann, wenn man Spaß einer Sache hat.

Das Interview führte Sven Barthel

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