Opfer saß selbst jahrelang im Knast

Nach dem tödlichen Wiesn-Streit: Polizei beklagt Fake-News im Netz

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Schreckliches Ende eines Wiesn-Besuchs: Thomas M. verstarb vor dem Augustiner-Zelt. Das Foto entstand bei einem Prozess gegen ihn, nach einer Attacke auf seine damalige Partnerin.

War womöglich eine Frau Auslöser für den tödlichen Streit vor dem Augustinerzelt? Nach dem Wiesn-Drama kommen nun immer mehr Details ans Licht. 

Update 2. Oktober 2018: Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, beklagt die Polizei zahlreiche Falschmeldungen zu der Gewalttat, die im Netz kursierten. Nach dem Bekanntwerden informierte das Münchner Polizeipräsidium die Öffentlichkeit über Twitter mit dem Hashtag #Wiesnwache. Da anfangs keine Täterbeschreibung vorlag - eine Zeugin meldete sich erst am folgenden Tag - gab es gleich wilde Spekulationen im Netz. So wurde behauptet, dass es ein Messerangriff durch einen Asylbewerber gewesen sei. 

"Jeder, der einen Sachverhalt retweetet, sollte sich genau kundig machen, wo das Original ist, wer hat denn eigentlich den Original-Sachverhalt geschrieben. Und er sollte sich auch genau anschauen, wessen Seite er retweetet“, sagte Oliver Timper vom Social Media-Team Polizei München gegenüber dem BR.

Meldung vom 30. September: Brisante Neuigkeiten zum Wiesn-Toten: Auslöser des Streits bekannt

München - Schreckliches Ende eines Wiesnbesuchs: Thomas M. (58) ist nach einem Streit vor dem Augustinerzelt am Freitagabend gestorben. Er war mit einem Gerüstbauer (42) aneinandergeraten, der ihn niedergeschlagen hatte. Grund für die Auseinandersetzung war offenbar eine Frau. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den vorbestraften 42-Jährigen wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Am Sonntag erging Haftbefehl. 

Tödlicher Streit auf dem Oktoberfest: Das soll der Auslöser gewesen sein

Die Auseinandersetzung entwickelte sich kurz nach 22 Uhr im Raucherbereich vor dem Ausgang N1/N2. Der Medienberater Thomas M. aus Fürstenfeldbruck war offenbar alleine auf der Wiesn. Opfer und Angreifer kannten sich wohl nicht. Der Fürstenfeldbrucker soll die Begleiterin des Gerüstbauers angesprochen haben. Das störte den Münchner wohl, so kam es zum Streit. 

Video: So viel Gewalt wie noch nie auf der Wiesn?

Wuchtiger Schlag vor dem Augustiner-Festzelt beendet das Leben von Thomas M.

„Dann plötzlich bekam der Geschädigte einen wuchtigen Schlag gegen den Kopf“, sagte Robert Bastian (45), Erster Kriminalhauptkommissar von der Mordkommission. Nach dem Schlag ging Thomas M. zu Boden. „Er rappelte sich noch mal auf, brach dann aber wieder zusammen und verlor mehr und mehr das Bewusstsein“, berichtet Bastian. 

Zwei Ärzte, die privat auf der Wiesn waren, halfen ihm sofort. Ein Notarzt begann, das Opfer zu reanimieren. Doch jede Hilfe kam zu spät. Thomas M. starb eine Stunde nach dem Streit im Krankenhaus. Die Obduktion am Samstag ergab: Todesursache war eine Hirnblutung - mit großer Wahrscheinlichkeit eine Folge des Schlags am Augustinerzelt. 

Der etwa 1,90 Meter große Gerüstbauer ist wegen Körperverletzung bereits vorbestraft, er war nach dem Streit sofort in der Menschenmenge verschwunden -  ebenso wie eine Zeugin, die alles beobachtet hatte. Nach einem öffentlichen Aufruf der Polizei meldete sich die Frau sowie weitere Zeugen am Samstagmittag im Präsidium. 

Ermittler gehen nicht von vorsätzlicher Tötung aus

Für die Beamten verdichteten sich die Hinweise darauf, um wen es sich bei dem Schläger handelte. „Er kam uns aber zuvor“, sagt Bastian. „Während wir uns darauf vorbereiteten, ihn festzunehmen, erschien er mit seinem Anwalt im Präsidium.“ Und habe dort eingeräumt, an der Auseinandersetzung beteiligt gewesen zu sein. Auf Anraten seines Anwalts machte der mutmaßliche Täter aber keine weiteren Angaben. 

Die Ermittler gehen nun davon aus, dass es sich nicht um ein vorsätzliches Tötungsdelikt handelt. Als der 42-Jährige flüchtete, sei laut Bastian für ihn nicht erkennbar gewesen, dass sein Opfer schwer verletzt war. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge drohen ihm drei bis 15 Jahre Haft. 

Der Tatort auf dem Oktoberfest: Hier vor dem Augustiner-Zelt gab es den Streit, der tödlich endete

Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest.
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest. © Stefanie Wegele
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest.
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest. © Stefanie Wegele
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest.
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest. © Stefanie Wegele
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest.
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest. © Stefanie Wegele
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest.
Der Tatort am Augustiner-Festzelt in der Nacht. Hier starb der 58-Jährige auf dem Oktoberfest. © Stefanie Wegele
Feuerwehr - Gefahrgutunfall
Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
Feuerwehr - Gefahrgutunfall
Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
Feuerwehr - Gefahrgutunfall
Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
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Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
Feuerwehr - Gefahrgutunfall
Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
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Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
Feuerwehr - Gefahrgutunfall
Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
Feuerwehr - Gefahrgutunfall
Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
Feuerwehr - Gefahrgutunfall
Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke
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Tödlicher Streit auf der Wiesn: Bilder aus der Tatnacht © Thomas Gaulke

Opfer saß selbst viele Jahre im Knast

Tiefe Betroffenheit herrschte bei Thomas M.s Freunden. „Ich bin geschockt“, sagte Autor Josef Müller aus Fürstenfeldbruck, der das Opfer seit 30 Jahren kannte. „Vor vier Tagen hat der Thomas mir noch eine Nachricht auf den Anrufbeantworter gesprochen. Wir wollten uns heute treffen.“ Doch dazu kam es nicht mehr. „Der Thomas war so nett und charmant“, im Job sei er als Anzeigen-Verkäufer daher sehr erfolgreich gewesen. „Selbst in Stadelheim sagten sie: So einer gehört nicht hierher.“ 

Von 2009 bis Anfang 2018 hatte Thomas M. im Gefängnis gesessen, weil er seine frühere Lebensgefährtin gewürgt hatte. „Nach seiner Entlassung begann er ein neues Leben“, sagt Müller. 

„Er war ein Typ wie Jürgen Drews, nur mit blonden Haaren.“ Seine Mutter habe ihm viel Halt gegeben, sie wohnt gegenüber, nahe des Bahnhofs. Eine Frau oder Freundin hatte M. nicht. „Sein Verlust schmerzt unendlich.“ 

Lesen Sie auch: Der Tag nach dem tödlichen Wiesn-Streit: Große Trauer beim Augustiner-Wirt, aber Party geht weiter.

Auch auf einem Volksfest in Oldenburg kam es zu einem schlimmen Vorfall: Ein junger Mann ist nach seinem Besuch auf dem Kramermarkt von einer Gruppe überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt worden. Die Tat hatte wohl einen rechten Hintergrund.

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