S-Bahn: Ungewöhnliche Maßnahme wegen Kälte

München - Bis zum Samstag hatte die S-Bahn der Kälte getrotzt. Dann häuften sich bis Montagfrüh die Schäden. Jetzt hat die Bahn mit einer ungewöhnlichen Maßnahme begonnen.

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Bibbernd und frierend standen am Montag Hunderttausende S-Bahnpendler an den Stationen und warteten bis zu 40 Minuten, bis ihre S-Bahn kam. Nur wenige fanden in geheizten Warteräumen wie in Grafrath Schutz vor der Kälte. Grund: Kältehoch „Dieter“ zwang am Wochenende die S-Bahn in die Knie. Von 238 Fahrzeugen waren wegen Kälteschäden am Montag  nur 201 einsetzbar (213 werden für die Planumläufe benötigt). S-Bahn-Chef Bernhard Weisser hat sofort reagiert. Er lässt die Züge jetzt warmlaufen. Weisser zur tz: „Die Züge werden in den Abstellanlagen nachts bewegt, um das Einfrieren von Bauteilen zu verhindern. Außerdem werden sie über Nacht vollaufgerüstet und mit normalen Innentemperaturen abgestellt.“

So sieht's im Stellwerk Ost aus

So sieht's im Stellwerk Ost aus

Bis zum Samstag hatte die S-Bahn der Kälte getrotzt. Dann häuften sich bis Montagfrüh die Schäden: Eine Reihe von Fahrzeugen, die übers Wochenende im Außenbereich der S-Bahn geparkt waren, ließen sich nicht mehr voll in Betrieb nehmen. Weisser: „Wir hatten dort Temperaturen von minus 20 Grad, sowas habe ich noch nicht erlebt.“ Weil es nie Probleme gegeben hatte, waren die Fahrzeuge auch an diesem Wochenende teilabgerüstete geparkt worden. Weisser: „Es laufen dann nur die wichtigsten Systeme, außerdem wird die Innentemperatur von 22 Grad auf unter zehn Grad abgesenkt. Wir sparen so Energie und ersparen den Anwohner Klimaanlagen-Geräusche.“ Bei diesen Außentemperaturen traten erstmals eine Reihe von Störungen auf: Weil die Regelventile der Luftfederung durch Kondenswasser festsaßen, erhielt die Federung keine Luft, Türantriebe streikten, auch Teile, die Bremsen und Türen mit Luft versorgten, streikten. Die automatischen Kupplungen, die früher bei Kälte Probleme bereiteten, funktionieren seit dem Einbau von Heizmanschetten einwandfrei. Zusätzlich sorgten am Montag aber auch noch Schienenbrüche wie bei Grafing, Bahnübergangsstörungen, angefrorene Weichen (deutlich weniger als früher, das DB-Netz-Nachrüstprogramm im Vorjahr zeigt offenbar Wirkung) und ein Notarzt-Einsatz auf der Stammstrecke für Verspätungen. DB-Chef Weisser rechnet damit, dass auch noch heute, Dienstag, Verstärkerzüge ausfallen und Züge mit zwei statt drei Zugteilen unterwegs sind. Weisser: „Die S-Bahn bittet ihre Fahrgäste um Entschuldigung für Zugausfälle und Verspätungen.“

Karl-Heinz Dix

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Rubriklistenbild: © Kruse

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