Pfeifen aus dem letzten Loch

Bald Ausgezwitschert? Münchens Spatzen sterben aus

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Ein vergnügliches Leben ist Spatzen in München selten vergönnt: Der Vogel findet in der Stadt kaum noch einen Lebensraum.

Das von der SPD vorgeschlagene Rettungsprogramm lehnt die Verwaltung trotzdem ab – die bestehenden Maßnahmen seien ausreichend. Ist das so?

München - Münchens Spatzen pfeifen aus dem letzten Loch, doch Stadtbaurätin Elisabeth Merk hält die bestehenden Rettungsmaßnahmen für ausreichend. Die SPD-Fraktion im Stadtrat hatte vergangenes Jahr das Programm „München rettet seine Spatzen“ angeregt – und nun im Grunde eine Absage kassiert. Merk beruft sich dabei auf Stellungnahmen von Bau-, Kommunal- und Umweltreferat.

Demnach stehe der Spatz zwar auf der sogenannten Vorwarnliste, das bedeutet, dass eine Gefährdung zu erwarten sei. Aber er zähle noch immer zu jenen Vögeln, die am häufigsten in Bayerns Gärten anzutreffen seien. Meldungen aus 675 Gärten im Winter beziehungsweise 497 Gärten im Sommer zeigten, dass er in 28 Prozent beziehungsweise 25 Prozent der Gärten heimisch sei. Damit stehe der Spatz auf Platz 4 im Winter und auf Platz 5 im Sommer. Erheblich seltener seien dagegen Rotkehlchen (Platz 12 im Winter, Platz 13 im Sommer), Kleiber (Platz 13 und 17), Stieglitz (Platz 15 und 20) sowie die nur im Sommer in Bayern lebenden Zugvögel Gartenrotschwanz (Platz 34) und Gartengrasmücke (Platz 44).

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Sylvia Weber, Expertin für Gebäudebrüter beim Landesbund für Vogelschutz, rückt diese Zahlen zurecht. Man könne die Zahlen für Bayern nicht mit jenen für München vergleichen. In der Großstadt mit reger Bautätigkeit sei die Zahl der Spatzen deutlich geringer. Demnach sei der Vogel in München nur noch in 15,5 Prozent der Gärten daheim. Auch der Vergleich mit Rotkehlchen und Kleiber hinke. „Das sind Vögel, die ein Revier verteidigen. Sie kommen deshalb naturgemäß in geringerer Zahl auf einer Fläche vor als der Spatz, der ein Kolonievogel ist. Ein Spatz ist keinSpatz.“ Einer Studie des Landesbunds für Vogelschutz zufolge ist die Zahl der Spatzen innerhalb des Mittleren Rings vom Jahr 2005 bis 2014 um mehr als 50 Prozent zurückgegangen.

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Auch wenn Weber die bestehenden Rettungsmaßnahmen der Stadt begrüßt – der Vorschlag der SPD wäre ein wichtiger Zusatz. Vor allem die Idee, an gefährdeten Hotspots wie Marienhof einen Spatzenturm zu errichten, sei unbedingt notwendig, um die Spatzenkolonie dort zu erhalten. Derzeit leben die Spatzen am Marienhof in einer mobilen Hecke, die während des Baus des S-Bahn-Tunnels dort steht. Fraglich ist aber, ob der Marienhof nach Fertigstellung des Tunnels spatzenfreundlich gestaltet ist. Das Umweltreferat scheint am Marienhof keinen Spatzenturm aufstellen zu wollen. Aus Aufwandsgründen – ein Spatzenturm kostet 12 000 Euro – komme er vor allem dort infrage, wo er auch umweltpädagogischen Zwecken diene, etwa an Schulen.

Die SPD hatte unter anderem vorgeschlagen, in Parks und auf Plätzen heimische Hecken anzupflanzen, insektenfreundlich zu begrünen, Staub- und Wasserbäder anzubieten. 

Bettina Stuhlweissenburg

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