Rundgang zu den schönsten Kirchen der Stadt

Pilgern dahoam: Eine Wanderung durch München

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Weithin sichtbar und nur ein kleine Stück vom Isarufer entfernt: Die ­Kirche St. Maximilian. 

München - Im letzten Sommer hat tz-Autorin Johanna Stöckl auf dem Olavsweg das Pilgern für sich entdeckt und kurzerhand als Halbtageswanderung auf München übertragen. Eine Stadtwanderung mit 12 Stationen.

Letzten Sommer lief ich mehrere Etappen auf dem 650 Kilometer langen Olavsweg, einem wunderschönen Pilgerweg in Norwegen, der über Lillehammer von Oslo nach Trondheim führt. Mit Pilgern im klassischen Sinne hatte ich bis dahin nichts am Hut. Mir ging es in erster Linie ums Wandern. Dabei wollte ich auf dem – im Vergleich zum spanischen Jakobsweg – beschaulichen Olavsweg in erster Linie Land und Leute beziehungsweise die Kultur Norwegens besser kennen lernen. Während ich bei Bergtouren Hütten bzw. Gipfelkreuze ansteuere, waren in Norwegen plötzlich Kirchen und einfache Pilgerunterkünfte mein Ziel. Der absolute Höhepunkt: das finale Erreichen des Nidarosdoms in Trondheim.

tz-­Autorin ­Johanna Stöckl beim ­Pilgern am Olavsweg in ­Norwegen.

Beim Wandern hatte ich viel Zeit und konnte mich mit meinen Sorgen, Träumen, Ängsten und Wünschen auseinandersetzen. Das Aufeinandertreffen mit anderen Menschen, die sich ebenfalls auf den Olavsweg gemacht hatten, empfand ich als inspirierend. Für fünf Tage hatte ich nichts weiter als einen kleinen Rucksack dabei. Diese Reduktion hat mir gefallen, und ja, ein paar „religiöse“ Momente gab es durchaus auch. Seither träume ich davon, alle 30 Etappen auf dem Olavsweg am Stück zu meistern. Aber vorher, da wollte ich das Thema einfach mal nach München übertragen.

Vor ein paar Tagen hatte ich die glorreiche Idee, in unserer Stadt eine Art „Pilgertag“ einzulegen. Ich überlegte mir eine Route, die sich an besonders schönen Kirchen orientiert, und machte mich trotz Regens alleine auf den Weg.

Startpunkt: die Pfarrkirche St. Anna (St.-Anna-Str. 21) im Lehel. Ganz weltlich genieße ich im Sommer hier gerne einen Drink. Ich mag das südländische Flair an diesem Platz. In der neoromanischen, wunderschönen Kirche jedoch war ich noch nie. Was für ein Segen: Während ich in Norwegen gelegentlich vor verschlossenen Türen stand, war in München jede Kirche auf meiner Tour geöffnet. Im Wissen, was ich noch vor mir habe, verweile ich nur kurz.

St. Anna, der Startpunkt der Route. 

Über die Isar in die Au

Weiter geht’s also Richtung St.-Lukas-Kirche (Mariannenplatz 3) am Mariannenplatz. Die evangelische-lutherische Pfarrkirche des Historismus zählt zu den wenigen in München, die nahezu vollständig erhalten sind. Wenn ich im Sommer an der Isar beim Baden bin, sehe ich die Kirche ständig im Hintergrund. Imposant von innen! Über den Kabelsteg laufe ich Richtung Corneliusbrücke. Wie passend: Ein buntes Graffito präsentiert mir die Arche Noah in einer Unterführung!

Mein nächster Stopp: die neogotische Mariahilfkirche (Mariahilfplatz 11), die ich von der Auer Dult her natürlich von außen kenne. Heiliger Bimbam: in ihrem Turm hängt eine echte Rarität: Deutschlands zweitgrößtes Glockenspiel! Über die Reichenbachbrücke geht’s weiter Richtung Glockenbach bzw. zur neuromanischen Kirche St. Maximilian (Deutingerstr. 4). Die „Notre-Dame der Isar“ ist eine der wenigen Kirchen, die ich bereits kenne. Ich mag Pfarrer Rainer Maria Schiessler und besuche daher gelegentlich einen seiner Gottesdienste. Weil’s thematisch passt, lege ich später im Cafe „Götterspeise“ (Jahnstraße 30) eine kurze Pause ein.

Das passt ja: Im Café Götterspeise kann sich der ­München-Pilger unterwegs stärken. 

Kurioser Besuch in der St.-Stephans-Kirche

Auf dem Weg zur neuromanischen Basilika der Antoniuskirche (Kapuzinerstr. 36) sehe ich am idyllischen Westermühlbach die ersten Frühlingsboten gelb blühen, ehe ich am anderen Ende des Südfriedhofes das kleinste Gotteshaus auf meiner Tour, die frühbarocke St.-Stephans-Kirche (Stephansplatz 2), betrete. Ach, du lieber Gott: Ein total verängstigtes Eichhörnchen hat sich im Innenraum verirrt. Ich entlasse es in seine Freiheit!

Über die Sendlinger Straße laufe ich weiter zur wohl schönsten Kirche Münchens, der spätbarocken Asamkirche (Sendlinger Str. 32). Während ich sonst in der Sendlinger Straße eher beim Shopping bin, werde ich in der kleinen, aber feinen Kirche ziemlich andächtig. Sieben Beichtstühle gibt es hier! Sollte ich mal wieder? Wobei: Großes hab’ ich mir nicht zuschulden kommen lassen. Langsam, aber sicher werde ich vom Stadtwandern doch etwas müde. Ein Glück, dass ich über die Rosenstraße bald meine Endziele erreiche.

Viele Stationen in der Altstadt

Einen nicht geplanten Abstecher zur 28 Meter hohen Jüdischen Synagoge (Sankt-Jakobs-Platz 18), deren Fassade an die Klagemauer erinnert, muss ich mir erlauben. So viel Glaubensfreiheit und Toleranz muss beim Pilgern schon sein. Mir gefällt das Gebäude samt Museum, das wir seit 2006 auf dem Jakobsplatz besuchen können. Über den Viktualienmarkt erreiche ich die gotische Heilig-Geist-Kirche (Prälat-Miller-Weg 1), eine der ältesten Kirchen in München und zugleich zweite Wirkungsstätte von Pfarrer Schiessler. Hier ist relativ viel los, ich zünde ein paar Kerzen an, ehe es zur ältesten Kirche Münchens, der Peterskirche (Rindermarkt 1) geht. In dieser Kirche war ich noch nie. Auf dem 91 Meter hohen Turm, dem Alten Peter hingegen schon oft. Auch heute lege ich eine Art Bergetappe ein. Halleluja, die schöne Aussicht muss man sich verdienen! 300 Stufen führen nach ganz oben.

Mein finales Ziel, den Dom (Frauenplatz 12) bzw. die Frauenkirche mit ihren zwei Zwiebeltürmen kann ich von oben natürlich gut erkennen. Beinahe drei Stunden war ich schnellen Schrittes unterwegs. Als ich im Dom ankomme, bin ich selig. Zum einen, weil ich (m)ein Ziel erreicht habe. Trotz Wind und Regen. Aber auch, weil die Stimmung in der Frauenkirche, in der sich viele Touristen aufhalten, sehr andächtig ist. 14 Kilometer habe ich schon zurückgelegt. Auf dem Weg zur U-Bahn am Odeonsplatz gelingt es mir nicht, die Theatinerkirche (Salvatorplatz 2 a) links liegen zu lassen. Ich trete ein. 12 Kirchen habe ich heute in München besucht. In Anlehnung an die 12 Apostel gefällt mir diese Zahl besonders.

Pfarrer Rainer Maria Schiessler: Ganz wichtig ist ein Ziel!

Die alte Ausdrucksform bzw. Bezeichnung von Pilgern ist „Wallen“, daher kommt auch das Wort „Wallfahrt“. Der Mensch bekennt sich beim Pilgern im übertragenen Sinn dazu, dass er nur vorübergehend hier, also auf dem Weg ist, von irgendwo her kommt und irgendwo hin geht. Das Unterwegssein soll den Menschen demütig machen. Das Wichtigste am Pilgern sind einzelne Stationen und ein finales Ziel, das vorübergehende Verweilen ­also und ein endgültiges Ankommen. Berühmte Pilgerstätten sind daher immer große Kathedralen, die man schon von ­Weitem sieht. Ihre Idee vom Stadt-Pilgern macht durchaus Sinn. Ich mache regelmäßig ähnliche Wanderungen, Wallfahrten mit meiner Pfarrei. Am Karfreitag z.B. gehen wir in verschiedene Kirchen und schauen uns ­Heilige Gräber an. An Weihnachten etwa ­wandern wir von Kirche zu Kirche und ­bestaunen dabei die schönsten ­Krippen in unserer Stadt.

Rainer Maria Schiessler.

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