So soll die Stadt in Zukunft aussehen

Der Kampf ums Grün - so wollen Anwohner und Politiker München verändern

+
Der Bolzplatz bleibt erhalten: Die Milbertshofener haben erfolgreich für ihre Grünfläche gekämpft.

Wie soll München künftig aussehen? Bei dieser Frage gehen die Meinungen von Politikern und Anwohnern auseinander. Wir haben uns umgeschaut.

München - Den Grünen graut es: Baustellen an allen Ecken und Enden der Stadt! Dabei bleibt ein wichtiges Gut auf der Strecke: unser Grün! Das kritisiert die Öko-Partei - die Stadtratsfraktion hat jetzt ein Antragspaket geschnürt. Ziel: Freizeit- und Erholungsflächen bewahren, so viel Grün wie möglich schützen. „Die Stadt soll aufhören, krampfhaft nach irgendwelchen unbebauten Flächen zu suchen, sondern lieber schauen, welche Flächen ineffizient genutzt sind“, sagt Grünen-Fraktionssprecher Markus Viellvoye.

Lesen Sie auch: Gegen Bauprojekt: Anwohner-Protest mit Schummel-Bildern

Die Forderungen im Einzelnen: Die Stadtverwaltung soll so genannte Tabuflächen mit grundsätzlichem Bauverbot ausweisen. Wenn jemand bei einem Bauprojekt nicht für ausreichend Grün sorgt, muss der Bauherr in einen Grünflächenfonds einzahlen. Außerdem setzen die Grünen auf Nachverdichtung, bei der bestehende Freiflächen verschont bleiben. Und: Man solle überdimensionierte Verkehrsflächen wie in Neuperlach auf „ökologische Nutzung“ prüfen.

Interview: Experte erklärt, welche Gefahren bei der Bebauung Münchens drohen

Bei Gewerbebetrieben wie etwa Supermärkten wünschen sich die Grünen: Lieber in die Höhe bauen als in die Breite. Vor allem die Parkplätze der Märkte seien Flächenfresser - hier brauche es neue Konzepte, zum Beispiel am Euro-Industriepark. Besonders wichtig sind aber nicht nur bestehende Objekte, sondern auch die Zukunft. Da denken die Politiker etwa an 600 Hektar unbebauten Landes zwischen Englschalking, Daglfing und Dornach. Die Konzeption des Grün- und Wegenetzes soll da früh in die Planungen einfließen. Für die rund 900 Hektar große Entwicklungsfläche zwischen Ludwigsfeld, Feldmoching und Fasanerie-Nord fordern die Grünen ein Gutachten. Wir zeigen Ihnen, wo Grünflächen in der City bedroht sind, welche Freiflächen erfolgreich verteidigt wurden und was sich Münchner sonst noch für eine gesunde, lebenswerte Stadt wünschen.

Auch Interessant: Anwohner-Aufstand gegen Mega-Baustelle

Teilerfolg für Demonstranten in Milbertshofen

Kleiner Erfolg für engagierte Kicker: In Milbertshofen bleibt wenigstens ein kleiner Teil des Bolzplatzes erhalten. Die städtische ­Wohnungsbaugesellschaft GWG errichtet seit Oktober 2016 ­zwischen der Schmal­kaldener Straße und dem Frankfurter Ring 55 Wohnungen. Wegen der massiven Anwohnerproteste und des ­Einsatzes des Bezirksausschusses hatte man sich um einen ­Kompromiss bemüht: Ein kleiner Platz, 22 mal 34 Meter groß, bleibt den Hobbykickern auch in Zukunft. Die Wohnungen sollen im Februar 2018 fertig werden.

Allach: Der Kampf um die Freizeitfläche

Allach in Aufruhr: Seit bekannt ist, dass die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag auf der Wiese zwischen Franz-Albert- und Naßlstraße ein Wohnen für alle-Projekt mit bis zu 85 Wohnungen plant, kämpfen die Bürger um ihre Freizeitfläche. „Wir haben im Viertel eine massive Nachverdichtung mit einem enormen Zuzug junger Menschen. Wir brauchen diese Grünfläche und wollen sie auch für die nachfolgenden Generationen bewahren“, betont Cornelia Schwarz-Teuber, Mitgebründerin der Bürgerinitiative. Über 1850 Unterschriften wurden gegen das Projekt schon gesammelt.

Für die Fläche gibt es seit 1994 einen gültigen Bebauungsplan. Da die Vorplanungen für den Bauantrag jedoch den Rahmen sprengten, bessert die Gewofag momentan nach. Laut Sprecher Frank de Gasperi werden derzeit „unterschiedliche baurechtliche Sachverhalte nach wie vor geprüft“. Schwarz-Teuber und ihre Mitstreiter warten auf Antworten: „Wir werden unser Recht einfordern, genauere Informationen zu Widersprüchen in Stadtratsbeschlüssen und zu den neuen Plänen der Gewofag zu erhalten und erwarten die Bearbeitung unserer diversen Anträge.“ Eine erneute Informations-­Veranstaltung der Gewofag zum Thema soll es laut de Gasperi voraussichtlich im November/Dezember geben.

Freizeitfläche oder Wohnen für alle-Projekt mit bis zu 85 Wohnungen?

Unnützwiese gerettet

Die Rettung der Unnützwiese können die Bürger als durchschlagenden Erfolg für sich verbuchen. OB Reiter persönlich hatte das stark umkämpfte Bauprojekt gestoppt - offenbar wegen rechtlicher Bedenken. Ursprünglich wollte die Gewofag auf dem Areal Ecke Unnütz-/Bajuwarenstraße etwa 50 Wohnungen bauen. Gegen das Projekt hatte sich eine Bürgerinitiative formiert, die seither weiter für Münchens Grünflächen kämpft.

OB Dieter Reiter hat das Bauprojekt an der Unnützwiese persönlich gestoppt.

Tor für Baumfreunde!

Auch bei der geplanten Neubaumaßnahme der GWG-Siedlung in Ramersdorf zwischen Ständler-, Görzer, Puechberger- und Balanstraße regte sich Widerstand - mit Erfolg: OB Dieter Reiter bat die GWG, das Projekt zu reduzieren. Von den 105 ursprünglich vorgesehenen Wohneinheiten in sechs quadratisch geschnittenen Gebäuden werden nun nur 70 Wohnungen in vier Häusern realisiert, um Grün und Bäume zu retten. Die Arbeiten sollen Ende diesen/Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Grün und Bäume sind gerettet.

Neue Studie: Münchner wollen mehr Platz in ihrem Viertel

Ein Brunnen, Leihsta­tionen für Lastenradl oder Hochbeete? Wie sollen der Kidler- und der Zenettiplatz in Zukunft aussehen? Etwa 60 Untersendlinger und Isarvorstädter haben jetzt ihre Vorschläge bei einer „Quartierswerkstatt“ geliefert.

Veranstaltet wurde sie im Rahmen des Projektes City2Share. Das testet seit Juli in Unter­sendling und Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, wie der Verkehr in den Vierteln für die Zukunft verbessert werden kann. Etwa, indem Paketboten ihre Packerl mit dem Lastenfahrrad ausliefern, es Stationen für Leihräder und Carsharing sowie Ladesäulen für E-Autos gibt.

Immer mehr Grünflächen in Bayern werden versiegelt

Wenn sich mehr Menschen ein Auto teilten, dann brauche es auch weniger Parkplätze, sagt Franziska Bär von Green City. Die Umweltorganisation ist unter anderem neben der Stadt, BMW und der MVG Partnerin des Projekts. Weniger Parkplätze heißt auch: neue Möglichkeiten zur Nutzung.

Etwa beim Kidlerplatz - derzeit der „schönste Parkplatz Münchens“, wie es der stellvertretende Sendlinger Bezirksausschuss-Vorsitzende Ernst Dill (SPD) ironisch ausdrückt. Wünsche der Bürger bei der Ideen-Werkstatt: moderne Sitz­gelegenheiten, eine Grünwand als Abgrenzung zur Straße oder ein für alle nutzbaren Bücherschrank. Ähnliche Ideen gab es für den Zenettiplatz.

Sehen Sie hier: Arabellapark: Das grüne Hochhaus kommt

Dort sei es jedoch derzeit noch zu früh, um über eine endgültige Nutzung zu reden, sagt Alexander Miklosy (Rosa Liste), dortiger Bezirksausschussvorsitzender. Denn gleich hier beim Viehhof soll das neue Volkstheater gebaut werden. Sicher sei aber: „Die Attraktivität des Platzes hält sich derzeit in Grenzen.“ So lange der Autoverkehr reduziert werde, sei er offen für alle möglichen Formen der Nutzung, so Miklosy. Was wünschen sich Anwohner für den Zenetti- und Kidlerplatz? Wir haben uns umgehört:

Ein Treff für Viertelbewohner

Mira Maschirewitsch (37), Personalmanagerin aus München: „Ich würde mir hier eine Art Vierteltreffpunkt wünschen. Keinen Spielplatz, denn wir haben schon einen ganz in der Nähe. Wir brauchen auch keinen Ort, an dem sich Leute zum Alkoholtrinken treffen, sondern einen Treff mit netten Sitzgelegenheiten in einem modernen Design. Der Platz soll zum gemeinsamen Verweilen einladen.“

Eine Sitzecke für die Mittagspause

Christoph Marek (57), Gymnasiallehrer aus München: „Ich wünsche mir mehr Möglichkeiten zum Verweilen. Die Anlage ist sehr schön. Hier am Kidlerplatz fehlt allerdings eine nette Sitzecke. Ein Café für die Mittagspause wäre toll. Ich selbst nutze keine Carsharing-Angebote, auch keine Leihfahrräder, finde die Idee, so etwas hier an dem Platz anzubieten, aber gut – sowas braucht München!“

Eine verkehrsberuhige Zone zum Entspannen

Dieter Seltier (80), Rentner aus München: „Meiner Meinung nach fehlen hier schöne Sitzgelegenheiten. Ein paar Bänke wären doch nett. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn der Bereich um den Platz komplett zur Fußgängerzone werden würde. Und zwar ganz ohne Verkehr, denn davon gibt es mir in München in den verkehrsberuhigten Zonen immer noch zu viel. Carsharing wird ja immer moderner. Gäbe es das hier am Kidlerplatz, dann würde ich es auch nutzen.“

Viel zu wenige Parkplätze um den Zenettiplatz

Franziska Friedrichsen (51), Raumausstatterin aus München: „Ich bin in der Isarvorstadt eigentlich wunschlos glücklich – auch wenn es viel zu wenige Parkplätze gibt. Hier am Zenettiplatz ist es auch grün genug, mehr muss nicht sein. In der Anlage wurden erst kürzlich zwei Bänke aufgestellt – von denen aus blickt man auf eine Metzgerei, das ist nicht so schön. Da hätte man sich bei der Planung mehr Mühe geben können.“

Ich wünsche mir nur einen Zebrastreifen

Ernst Bauer (96), Rentner aus München: „Am Zenettiplatz muss im Wesentlichen nichts verändert werden – nur einen Wunsch hätte ich: Es bräuchte hier einen Zebrastreifen! Denn als Spaziergänger muss man bei dem vielen Verkehr ewig warten, um die Straße überqueren zu können, und überhaupt höllisch auf die Autos aufpassen. Die zwei Bänke, die aufgestellt wurden, sind, naja, ganz nett.“

Daniela Schmitt, R. Weise, S. Hoffmann

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ

Kommentare