Nach Vorbild von Berlin und Paris

Projekt an Münchner Knotenpunkt gestartet: Autos haben jetzt deutlich weniger Platz

Dieser Pop-up-Radweg auf der Zweibrückenstraße, in der vergangenen Woche vom ADFC initiiert, existierte nur für eine Stunde. Die nun beschlossenen Provisorien sollen dagegen mindestens bis Oktober Bestand haben.
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Dieser Pop-up-Radweg auf der Zweibrückenstraße, in der vergangenen Woche vom ADFC initiiert, existierte nur für eine Stunde. Die nun beschlossenen Provisorien sollen dagegen mindestens bis Oktober Bestand haben.

An sechs Straßenabschnitten sollten Autospuren für den Radverkehr weichen. Der erste Pop-up-Radweg wurde nun eröffnet.

  • Nach Berlin bekommt nun auch München sogenannte Pop-up-Radwege - also temporär eingerichtete Spuren für Radler.
  • Der Test ist bis Oktober befristet.
  • Die Entscheidung fiel im Planungsausschuss gegen die Stimmen von CSU und FDP.
  • Eigentlich sollte es bereits am Montag (15. Juni) mit den Pop-up-Radwegen losgehen - doch der Termin wurde verschoben.

Pop-up-Radwege in München: Reiter eröffnet erste Strecke

Update vom 22. Juni: Eine Woche später als geplant ist am heutigen Montag (22. Junj) der erste Pop-up-Radweg in München* eröffnet worden. 

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eröffnete den neuen Radweg an der Elisenstraße. Er führt vom Lenbachplatz bis zur Dachauerstraße. Fahrspuren in beide Richtungen wurden deshalb in Radwege umgewandelt - vorerst bis Oktober. Insgesamt sollen in der Stadt sechs der temporären Pop-up-Radwege entstehen.

Schlechte Nachrichten für Zweirad-Freunde: Pop-up-Radwege in München verschieben sich auf unbestimmte Zeit

Update, 15. Juni: Eigentlich hätte es heute losgehen sollen. Die Stadt wollte ab Montag (15. Juni) die neuen Pop-up-Radwege nach Berliner Vorbild auf mehreren wichtigen Verkehrsadern (Details siehe unten) in der Innenstadt abstecken.

Doch erstmal passiert nichst. Die Verantwortlichen haben allerdings nicht etwa ihre Meinung geändert - es liegt einfach am Wetter. Das teilt die Stadt in einer Meldung mit. Der Regen verhindert den Start der Arbeiten. Und wann es losgehen kann, bleibt unklar - denn das München-Wetter wird wohl noch einige Tage nass-kalt bleiben. Schwacher Trost: Radln bei Regen macht sowieso nur halb soviel Spaß. 

Update, 4. Juni: Die geplanten temporären Radwege in München (siehe unten) sollen nach den Pfingstferien eingerichtet werden. „Die Markierungen der neuen Pop-up-Radfahrstreifen beginnen voraussichtlich am 15. Juni“, teilte der Radverkehrsbeauftragte der Landeshauptstadt, Florian Paul, am Donnerstag auf Anfrage mit. Die Arbeiten sollen etwa fünf Tage dauern - je nach Wetterlage.

München folgt mit den Pop-up-Radwegen dem Vorbild von Städten wie Berlin, Wien und Paris. Ende Mai hatte der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung beschlossen, sie auf fünf Routen einzurichten, um Radlern während der Corona-Pandemie mehr Platz einzuräumen und das Fahren sicherer zu machen. Entlang dieser Strecken dürfen Radfahrer dann vorerst bis Ende Oktober Auto-Fahrspuren benutzen, die als Radwege markiert werden. 

Münchens neue Pop-up-Radwege: Hier müssen Autos Platz machen - FDP-Chef klagt über „Salami-Taktik“

München - Man muss kein Prophet sein, um abzuschätzen, dass es derlei Debatten in den nächsten Jahren öfter geben wird. Auf der einen Seite die Befürworter des Rad- und Fußwegeausbaus. Auf der anderen diejenigen, die sich wehren, dem Auto noch mehr Platz wegzunehmen. In München haben die Fahrrad- und Fußgängerfreunde nach der Kommunalwahl nicht nur im Stadtrat eine Mehrheit. Auch außerparlamentarisch haben sich Bürger mit zwei Unterschriftensammlungen zum Radentscheid mehr als deutlich positioniert. Der Stadtrat hatte sich verpflichtet, die Forderungen des Entscheids umzusetzen: mehr und breitere Radwege. Und just das wird nun umgesetzt: München erhält fünf neue Radwege auf sechs Straßenabschnitten.

Auf der Rosenheimer Straße zwischen Orleansstraße und Rosenheimer Platz sowie zwischen Lilienstraße und Am Lilienberg sind bis Ende Oktober sogenannte Pop-up-Lanes vorgesehen. Ferner ist ein temporärer Radweg auf der Zweibrückenstraße zwischen Erhardt-/Steinsdorfstraße und Rumford-/ Thierschstraße geplant sowie einer auf der Elisenstraße zwischen Lenbachplatz und Dachauer Straße. Auch auf der Theresienstraße zwischen Türken- und Schleißheimer Straße müssen Autos Radfahrern Platz machen. Gleiches gilt für die Gabelsbergerstraße zwischen Arcis- und Türkenstraße.

In der Corona-Krise nutzen mehr Münchner das Fahrrad

„Wir beobachten, dass der Radverkehr zunimmt“, sagte Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher – „trotz Home Office und schulfrei.“ SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl ergänzte, dass der Autoverkehr um 30 Prozent abgenommen habe. Die Menschen nutzten nun viel mehr das Rad. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass Leute sicher mit dem Rad unterwegs sein können. Der Platz ist in München rar, daher müssen wir verantwortungsvoll damit umgehen.“

CSU-Stadträtin Heike Kainz sagte im Ausschuss, die Fraktion könne die Vorlage nicht „positiv bewerten aus grundsätzlichen Erwägungen“. Das Verfahren sei nicht zielführend. „Hier werden Probleme vermeintlich gelöst, dafür entstehen an anderer Stelle neue.“ Es würde zum Beispiel Rettungsfahrzeugen das Vorankommen sichtlich erschwert, wenn Fahrspuren gestrichen würden. Überdies würden Anwohner und Gewerbetreibende nicht in die Entscheidung einbezogen. Man habe schließlich an der Fraunhoferstraße gesehen, wie sich das auswirkt. Allerdings wurden an der Fraunhoferstraße Parkplätze für einen Radweg geopfert. Bei den nun beschlossenen temporären Radwegen müssen Fahrspuren weichen.

FDP-Chef Jörg Hoffmann befürchtet, dass mit den temporären Spuren einfach Tatsachen geschaffen werden sollen. „Mal anders gefragt, was müsste denn passieren, dass die wieder wegkommen? Ich glaube nicht daran, das ist Salami-Taktik.“

Video: Die neuen Popup-Radwege in der Hauptstadt

OB Reiter: Im Oktober neu mit dem Thema befassen

Grünen-Stadträtin Gudrun Lux konnte zumindest die Bedenken der CSU bezüglich der Rettungsfahrzeuge zerstreuen. „Eine Rettungsgasse ist schneller frei geräumt, wenn da Radfahrer statt Autos unterwegs sind. Autos sind nämlich nicht so schnell auf der Seite.“ Und OB Dieter Reiter (SPD) versprach Hoffmann, dass es sich nach wie vor um temporäre Maßnahmen handle. Man werde nach dem Oktober sehen, ob sich das bewährt hat, und sich erneut mit dem Thema befassen.

Gegen die Stimmen von CSU und FDP votierte der Planungsausschuss für die Umsetzung. Die neuen Radwege sollen nach Pfingsten eingerichtet werden.

Der ADFC befürchtet nach den Coronavirus-Lockerungen große Stau-Wellen auf Deutschlands Straßen und fordert einen besseren Ausbau der Radwege.

Pendlern droht in München die nächste Staufalle. Auf der Prinzregentenstraße werden die Grünphasen der Ampeln verkürzt. Doch hat die Stadt einen guten Grund für diese Maßnahme.

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