Raubkunst-Streit um Klees „Sumpflegende“ kommt vor Gericht

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Museumsdirektor Prof. Christoph Stölzel und Chef-Restauratorin Ursula Führer verhinderten im März 1992 dass das Bild "Sumpflegende" von Paul Klee beschlagnahmt wird. Der jahrelange Raubkunst-Streit um Paul Klees Gemälde "Sumpflegende" kocht wieder hoch - und beschäftigt erneut die Justiz.

München - Der jahrelange Streit um Paul Klees „Sumpflegende“ geht in eine neue Runde: Die Erben einer Kunstsammlerin und die Stadt München treffen sich jetzt wohl vor Gericht.

Der jahrelange Raubkunst-Streit um Paul Klees Gemälde „Sumpflegende“ kocht wieder hoch - und beschäftigt erneut die Justiz. Die Erben der Kunstsammlerin Sophie Lissitzky-Küppers fordern das Bild von der Stadt München zurück und haben beim Landgericht eine Klage auf Herausgabe eingereicht, wie ihr Anwalt Christoph von Berg am Dienstag mitteilte. Das Landgericht konnte den Eingang der Klage zunächst noch nicht bestätigen. Die Stadt und die Gabriele Münter- und Johannes Eicher-Stiftung hatten das Bild 1982 für die Galerie im Lenbachhaus gekauft.

Im Jahr 1927 hatte Lissitzky-Küppers das Gemälde - zusammen mit weiteren Werken - als Dauerleihgabe an das Provinzialmuseum in Hannover gegeben, um ihrem Ehemann nach Russland zu folgen. Dort wurde das Bild 1937 von den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt, später in der Münchner Propaganda-Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und 1941 an einen Nazi-Kunsthändler verkauft.

„Fest steht, dass das Bild von den Nazis widerrechtlich beschlagnahmt wurde“, hieß es in von Bergs Mitteilung. 1962 wurde das Gemälde von einem Kölner Auktionshaus versteigert, 1982 wurde es für das Lenbachhaus gekauft.

Bislang scheiterten alle Einigungsversuche

Der Streit schwelt schon seit Jahrzehnten, alle Einigungsversuche scheiterten bislang. Die Erben kritisieren, dass die Stadt die für derartige Streitfragen eingerichtete Limbach-Kommission nicht habe einschalten wollen. Deutschland hat sich gemeinsam mit anderen Staaten im Jahr 1998 auf die „Washingtoner Prinzipien“ geeinigt, die es sich zum Ziel gesetzt haben, von den Nazis entwendete Kunst an die rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Die Limbach-Kommission soll zwischen den unterschiedlichen Interessenten vermitteln.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) wies die Forderung der Erben am Dienstag erneut zurück und betonte: „Die Stadt München kann in keiner Weise mit der nationalsozialistischen Einziehung der "Sumpflegende" in Verbindung gebracht werden, sie hat auch keinen Vorteil aus der NS-Beschlagnahmeaktion gezogen.“ Er begrüße es aber sehr, dass es - „nach Jahren der außergerichtlichen Kampagne“ - nun zu einer gerichtlichen Klärung komme.

Schon im Jahr 1993 hatte das Landgericht München eine Herausgabeklage von Lissitzky-Küppers' Sohn Jens Lissitzky abgewiesen. Im neuen Rechtsstreit wollen die Erben nun neue Dokumente vorlegen. „Wir haben heute völlig andere Voraussetzungen. Die Stadt wusste, welche Geschichte dieses Bild hatte“, sagte Anwalt von Berg.

Nicht nur um "Sumpflegende“ wird gestritten

Klees „Sumpflegende“ ist nicht das einzige Bild aus der früheren Leihgabe, das die Erben heute zurückfordern. Im Dezember 2011 platzte in letzter Minute die Versteigerung des Bildes „Zwei schwarze Flecke“ von Wassily Kandinsky. Mit dem Eigentümer stehe man derzeit in Verhandlungen, sagte von Berg. Ein weiteres Klee-Bild hätten die Erben bereits aus Japan zurückbekommen.

Die „Sumpflegende“ ist eines von zwei sehr umstrittenen Bildern in Münchner Galerien. Das zweite ist Picassos „Madame Soler“ in der Pinakothek der Moderne, das von Donnerstag an auch in der großen „Frauen“-Ausstellung zu sehen sein wird. Die Erben des jüdischen Kunstsammlers Paul von Mendelssohn-Bartholdy fordern das Gemälde von dem Museum zurück. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen lehnen das ab.

dpa

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