Unternehmen gefordert

So will OB Reiter Wohnungsnot in München bekämpfen

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Um die wachsende Wohnungsnot in München zu bekämpfen fordert OB Reiter Firmen zum Bau von Werkswohnungen auf.

München - München und die Mega-Mieten - Dauerthema seit Jahrzehnten. Die Stadt wächst, die Wirtschaft brummt: Oberbürgermeister Reiter sieht eine Verantwortung auch bei gut verdienenden Unternehmen.

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will angesichts der Wohnungsnot die Konzerne verstärkt in die Pflicht nehmen. „Milliarden verdienenden Dax-Unternehmen kann man schon zumuten, Wohnungen für ihre Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Das ist nicht unbotmäßig“, sagte Reiter im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Viele tausend Werkswohnungen seien verkauft worden. Unternehmen verlangten jetzt von der Stadt die Schaffung von Wohnraum, nach dem Motto: „Gewinne optimieren, Belastungen sozialisieren.“

Dabei hätten Unternehmen offenbar teilweise nicht im Blick, dass neben guten Gehältern auch soziale Bedingungen und bezahlbarer Wohnraum ein Kriterium für die Wahl des Arbeitsplatzes seien. München ist die Stadt mit den meisten DAX-Konzernen Deutschlands. Unter anderem haben BMW, Allianz, der Rückversicherer Munich Re und Siemens ihren Firmensitz in der bayerischen Landeshauptstadt. Reiter ist seit einem Jahr Rathauschef.

Verkauf von GBW-Wohnungen ein "Rückschlag"

Ein Rückschlag für den Wohnungsmarkt der bayerischen Landeshauptstadt war nach Reiters Einschätzung der Verkauf von rund 8500 GBW-Wohnungen in München. Um so viele günstige Wohnungen neu zu schaffen, „arbeiten wir Jahre hin“. Die BayernLB hatte die Wohnungsgesellschaft 2013 an ein Konsortium um den Augsburger Immobilienkonzern Patrizia verkauft, um die Sanierungsauflagen der EU-Kommission zu erfüllen. Die Stadt kam in dem milliardenschweren Bieterwettstreit nicht zum Zug.

OB Dieter Reiter.

Voranbringen will Reiter den Tausch von Mietwohnungen. Ältere Menschen lebten oft in großen, günstigen Wohnungen, während Familien verzweifelt mehr Raum suchten. Wohnungsbaugesellschaften könnten da mit Tauschbörsen Abhilfe schaffen. Allerdings: „Das kostet Geld.“ Schließlich dürfe eine kleinere Wohnung, die Senioren angeboten werde, am Ende nicht teurer sein als die bisherige größere Wohnung.

Reiter räumte ein, dass die hohen Mieten es Start-up-Unternehmen in München schwerer machten als beispielsweise in Berlin. Dennoch mache er sich hier keine allzu großen Sorgen. „Zum Markt gehört auch Nachfrage.“ Und die sei in München vorhanden.

Ruf nach neuen Vorgaben für Mietspiegel

Um Preissteigerungen zu bremsen, müssten nach Einführung der Mietpreisbremse auch die Vorgaben für die Erstellung von Mietspiegeln geändert werden. Dort fließen nur die Preise von Wohnungen ein, die binnen vier Jahren neu vermietet wurden - und nicht von lange vermieteten, günstigen Wohnungen. „Die Mietpreise können sich derzeit also nur in eine Richtung bewegen, nämlich nach oben.“

Eine Abschaffung der Zweitwohnungssteuer lehnte Reiter ab - „aus politischen Gründen“. Sie bringe unter dem Strich vier bis fünf Millionen Euro. Entscheidend sei aber, dass wohlhabende Besitzer von Zweitwohnungen zur Kasse gebeten würden. Dafür sollten die Freibeträge für Menschen, die aus beruflichen Gründen eine zweite Wohnung in München nehmen müssten, angehoben werden.

Zu den ungebremst steigenden Münchner Wohnungspreisen sagte Reiter: „Ich glaub' nicht, dass das eine Blase ist.“ Das Wachstum im Wirtschaftsraum München gehe unvermindert weiter. Entsprechend müssten Wohnungsprobleme in der Region gelöst werden, nicht in den Stadtgrenzen. „Das Problem muss man für die Ballungsräume gemeinsam einvernehmlich angehen.“

dpa

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