Zehn Ertrunkene

Unfallserie: Hat der Riemer See tödliche Planungsfehler?

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Idylle mit dunklen Schatten: Zehn Menschen starben bereits im Riemer See. 

München -  Hat der Riemer See Planungsfehler mit tödlichen Auswirkungen? Seit seiner Eröffnung zur Bundesgartenschau 2005 gab es dort bereits zehn Badetote. 

Seit Wochen herrscht bestes Badewetter, und in einer Woche beginnen auch noch die Sommerferien. „Jetzt ist unkonventionelles und schnelles Handeln angesagt“, meint CSU-Sprecherin Magdalena Miehle. Gefordert wird eine Verlegung der Wasserwacht-Station. Derzeit liegt sie an der ungünstigsten Stelle am äußersten östlichen See-Ende. Durch den Uferknick kann von dort aus zwar der flache Kies-Badestrand gut beobachtet werden, der Hauptteil des bis zu 18 Meter tiefen Hauptsees liegt jedoch verborgen. Die beiden jüngsten Unfälle fanden in der Nähe der Seebrücke statt. „Dieser Bereich ist für die Wasserwacht überhaupt nicht einsehbar“, bestätigt Wasserwachtler Michael Stadler. Von der Gronsdorfer Seite oder einer Hochstandhütte aus könnte man Probleme leichter entdecken.

Möglich wäre auch eine Verlagerung vor den Uferknick. Ein weiteres Problem des Riemer Sees: Es gibt ein Steilufer unter Wasser. Zunächst geht es mehrere Meter relativ flach ins Gewässer rein, dann wird es abrupt deutlich tiefer. Wer bei 1,50 Meter noch schultertief steht, sinkt bei jedem weiteren Schritt um jeweils 30 Zentimeter ab. Für ungeübte und Nicht-Schwimmer ist der plötzliche Wechsel lebensgefährlich. Denn der Übergang ist nicht markiert. Das müsse rasch nachgeholt werden, fordern die Stadtteilpolitiker. Außerdem sollen Infotafeln zur Unterwasser-Topographie und Warntafeln in mehreren Sprachen aufgestellt werden. Kurzfristig sei auch ein Rettungswacht-Hochstuhl samt Schwimmbrett in der Mitte des Nordufers eine Idee, die Leben retten könnte. Weitere Vorschläge: Überwachungskameras für die Wasserwacht, beleuchtete Rettungsringe, Rettungsstangen und –bälle, Bojen im See, Ufer-Duschen zum Abkühlen sowie Fahrräder für die Wasserwachtler, mit denen sie an der Uferzone schneller zum Einsatzort gelangen können als mit dem Boot.

Zudem sollen neue Notrufsäulen errichtet werden. Es gibt zwar schon Notrufeinrichtungen, sie sind aber sehr niedrig und daher kaum erkennbar. Überdies werden die Notrufsäulen und Rettungsringe laut Stadler dauernd beschädigt und seien nicht funktionstüchtig. Neben einem besseren Standort für die Wasserwacht-Station sollte nach Dafürhalten von Grünen-Stadtrat Herbert Danner auch darüber nachgedacht werden, die Steilstelle mit Kies aufzuschütten. Fest geplant sind Danner zufolge mehr Schattenplätze am See. Der Pariser Architekt Gilles Vexlard, der den Riemer Park entworfen hat, habe zugestimmt, dass etwa 450 neue Bäume im Park gepflanzt werden. Neben Ersatzpflanzungen für abgestorbene Bäume seien auch zahlreiche Schattenspender für die Seeufer vorgesehen.

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