"Graf Porno" gibt Lokal auf - und schreibt Memoiren

München - Am Mittwochabend beendete ­Rinaldo Talamonti seine langjährige, erfolgreiche Karriere als Gastronom. Jetzt will der Promi-Wirt, der einst als "Graf Porno" Sexfilme drehte, seine Memoiren schreiben.

Am Mittwochabend gab es den letzten Teller Pasta: Rinaldo Talamonti und Ehefrau Roswitha gehen nach 18 Jahren in ihrem Lokal „Buon gusto“ in Ruhestand

Noch einmal einen Teller Pasta, ein letztes Glas Rotwein – dann war plötzlich Schluss: Am Mittwochabend beendete Promi-Wirt ­Rinaldo ­Talamonti seine langjährige, erfolgreiche Karriere als Gastronom. In seinem Restaurant Buon Gusto in der Hochbrückenstraße bekochte und verwöhnte er 18 Jahre lang seine Gäste, darunter zahlreiche Politiker, Künstler und viel Film- und Fernseh-Prominenz.

Graf-Porno-Filmpaket: Die heißesten Bilder der Kultfilme

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Es waren schöne, aufregende, bisweilen aber auch anstrengende Zeiten: „Ich gehe mit einem lachenenden und einem weinenden Auge“, gesteht der 64-Jährige der tz und erinnert sich an den Anfang seiner Karriere: „Mein Vater war Wirt in San Benedetto del Tronto, einer kleinen Stadt an der Adria, in den Marken. Dort wurde ich auch geboren und habe schon als Kind im väterlichen Lokal mitgearbeitet. 1964, da war ich gerade mal 17 Jahre alt, zogen wir dann an die Isar“, erzählt er.

Rinaldo Talamontis Restaurant "Buon Gusto Talamonti"

In München blieb er hängen – auch als seine Familie drei Jahre später wieder in die Heimat zurückging. Denn Talamonti hatte hier nicht nur sein gastronomisches Talent entdeckt: 1968 bot man ihm seine erste Filmrolle in dem Erotikstreifen Graf Porno und seine Mädchen an. Die lustigen Sexfilmchen machten ihm Spaß, zehn Jahre lang drehte er insgesamt 40 solcher Filme (Liebesgrüße aus der Lederhose oder Laß jucken Kumpel), die teilweise Kultstatus erreicht haben.

Ausgezeichneter Koch: Rinaldo Talamonti vor seinem Promi-Restaurant "Buon Gusto Talamonti" im Münchner Tal (Hochbrückenstraße 3).

„Insgesamt habe ich in 126 Film- und TV-Produktionen mitgewirkt“, erzählt er und scherzt: „Ich war damals praktisch der meistbeschäftigste Italiener in Deutschland.“ 1978 beendete Talamonti seine Schauspielkarriere, er wollte wieder zurück in die Gastronomie. Mit Ehefrau Roswitha baute er neben seinem Restaurant auch eine Vertretung für italienische Schuhe auf. Doch auch das reichte ihm bald nicht mehr. 1995 begann Talamonti seine vierte Karriere: als Lokalpolitiker für die FDP.

Heiße Bilder seiner Erotik-Filme

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„Ich wäre so gerne bereits mit 50 Jahren in Rente gegangen, aber das war nicht möglich. Jetzt ist es endlich so weit. Seit einem Jahr organisiere ich meinen Rückzug“, so das Multitalent aus Italien, das vor fünf Jahren sogar den Ehrentitel „Cavaliere“ vom italienischen Präsidenten verliehen bekam.

Er steht zu seiner Erotik-Vergangenheit: Rinaldo Talamonti im April 2010 bei einer Wiederaufführung zum 40. Jubiläum  des Kultfilms "Dr. Fummel und seine Gespielinnen" im Münchner Gabriel Filmtheater. Mittlerweile ist Talamonti ein Münchner Promi-Wirt. 

Doch Ruhestand heißt für Talamonti nicht unbedingt nichts tun: „Ich habe vor einem Jahr die Weltrechte an einem Anti-Mafia-Film gekauft. Ich will ihn selbst produzieren, bin im Moment aber noch auf der Suche nach einem geeigneten Partner.“ Wenn der Film im Kasten ist, hat er noch weitere Pläne: „Dann möchte ich noch meine Memoiren über 18 Jahre Gastronomieerfahrung schreiben. Außerdem habe ich die Idee, Leute aus Italien, die wenig ­Ahnung von der Gastronomie haben, auszubilden, oder ein Kochbuch mit alten Rezepten zu schreiben.“

 

 

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Das will er hauptsächlich in Italien machen, aber den Kontakt zu München hält er aufrecht. Denn der Stadt hat er viel zu verdanken: „Die Familie Talamonti bedankt sich bei allen Freunden und Kunden, die uns all die Jahre unterstützt haben.“

Linda von Beck

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Rubriklistenbild: © Heinz Weissfuss

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