Hürde genommen

Zweite Stammstrecke: Tunnel kurz vor dem Durchbruch

Über eine zweite Stammstrecke für die Münchner S-Bahn wird seit Jahren diskutiert.

München - Für die geplante zweite S-Bahn-Stammstrecke in München ist eine wichtige Hürde genommen worden. Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann spricht von einem "Meilenstein".

Paukenschlag aus dem Verkehrsministerium: Bei der geplanten zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München ist eine wichtige Hürde genommen worden. Das Eisenbahnbundesamt hat den Planfeststellungsbeschluss für den westlichen Abschnitt der Strecke (Laim bis Stachus) erlassen. Das hat das bayerische Verkehrsministerium am Mittwoch mitgeteilt. Damit sind zwei Drittel der zweiten Stammstrecke offiziell genehmigt. Lediglich für den östlichen Abschnitt (Isar bis Leuchtenbergring) fehlt noch ein Planfeststellungsbeschluss.

Ressortchef Joachim Herrmann (CSU) sprach am Mittwochmittag von "einem wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Bau der zweiten S-Bahn-Strecke". Nun könne die Bahn erste Ausschreibungen für Baumaßnahmen in Angriff nehmen und eine Kostenermittlung durchführen. Die Schätzung sei eine "wesentliche Grundlage" für die endgültige Realisierung der zweiten Stammstrecke. Herrmann betonte: "Wir wollen die zweite Stammstrecke."

Bahn will die Tunnelstrecke in den nächsten Wochen europaweit ausschreiben

Volker Kefer von der Deutschen Bahn (DB) verkündete am Mittwoch: "Wie mit dem Freistaat verabredet, bringen wir jetzt das erste große Baulos auf den Markt. Dann wird sich zeigen, ob wir mit unseren Kostenermittlungen richtig liegen." Die Bahn will die Tunnelstrecke von der Donnersberger Brücke bis zum Marienhof einschließlich der neuen Station unter dem Hauptbahnhof in den nächsten Wochen europaweit ausschreiben. Die Ergebnisse sollen bis Ende 2015/Anfang 2016 vorliegen, wie es in einer Pressemitteilung der Bahn heißt. "Anschließend wird der Freistaat die Ausschreibungsergebnisse prüfen, um endgültig über die Realisierung der zweiten Stammstrecke entscheiden zu können."

Der Laimer Bahnhof soll um zwei S-Bahnsteige erweitert werden, an denen man jeweils stadteinwärts und stadtauswärts am gleichen Bahnsteig zwischen beiden Stammstrecken umsteigen kann. Zudem will die Stadt München mit der sogenannten "Umweltverbundröhre" eine neue Unterführung bauen für Busse, Radfahrer und Fußgänger. Zwischen den Stationen Laim und Donnersberger Brücke soll eine fünf Meter hohe Lärmschutzwand hochgezogen werden. Laut Plan unterquert die zweite Stammstrecke an der Donnersberger Brücke die bestehende erste Stammstrecke. Die Tunnel führt über den Hauptbahnhof bis zur Station Marienhof.

Die Münchner SPD begrüßt den Planfeststellungsbeschluss

Die ersten Reaktionen aus dem Münchner Rathaus ließen am Mittwoch nicht lange auf sich warten. Die Münchner SPD begrüßte den Planfeststellungsbeschluss für die zweite Stammstrecke. Ingo Mittermaier, Stadtrat und verkehrspolitischer Sprecher der SPD, sagte: "Schön, dass endlich etwas in Sachen zweiter Tunnel vorangeht. Es ist aller höchste Zeit, dieses Mammut-Projekt für Münchens Infrastruktur voranzutreiben." Schließlich wachse die Bevölkerung in der Region stetig. Die zweite Stammstrecke decke die Bedürfnisse der Pendler und löse die Verkehrsprobleme der Region. "Jetzt müssen der Freistaat und der Bund schleunigst ein solides Finanzierungskonzept schustern.“

Zweite Stammstrecke soll Nahverkehr entlasten

Die zweite Stammstrecke soll den öffentlichen Nahverkehr in der Landeshauptstadt entlasten. Es geht um viel Geld: Gut 2,5 Milliarden Euro soll die zweite Röhre nach derzeitigen Schätzungen kosten. Darum, wie diese Last auf Freistaat, Bahn, Bund und Stadt verteilt werden soll, ist lange gerungen worden. Dazu kommt die politische Dimension: Die Landtags-Grünen waren stets Gegner der Milliardenröhre und favorisierten den Südring, gegen den sich wiederum die Bahn wehrt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte derweil kürzlich, dass die Bahn nicht länger auf die Entscheidung über die zweite Stammstrecke warten soll, sondern einzelne Maßnahmen aus dem 2012 vom Kabinett beschlossenen Sofortprogramm zur Ertüchtigung des Nahverkehrs vorziehen solle.

Verkehrsministerium: Bis zum Jahresende soll über den östlichen Abschnitt entschieden werden

Aus dem Verkehrsministerium hieß es bis zuletzt, dass Mitte 2015 über die Realisierung der zweiten S-Bahn-Stammstrecke für München entschieden werden soll. OB Dieter Reiter (SPD) hat sich mehrfach auf diese Aussage bezogen und gefordert, noch vor der Sommerpause müsse der Grundsatzbeschluss fallen.

Mit dem aktuellen Beschluss sind nun zwei Drittel der zweiten Stammstrecke baurechtlich genehmigt. Neben der Strecke zwischen Laim und Stachus besteht seit Ende 2013 Baurecht für den anschließenden Abschnitt bis zur Isar mit Station Marienhof. In einer Pressemitteilung vom Mittwoch verkündet das Verkehrsministerium, dass der Planfeststellungsbeschluss für den letzten Streckenabschnitt (Isar bis Leuchtenbergring) bis Ende 2015 fallen soll. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob mögliche Klagen den Bau verzögern.

Video: Die Stammstrecke aus dem Führerstand einer S-Bahn

Die tz hat kürzlich einen ersten Blick in die Planungen für den neuen S-Bahn-Tunnel werfen dürfen.

dor/rat

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