S-Bahn-Tunnel beschlossen! Er wird noch länger

München - Gesagt, getan: Der Stadtrat hat am Mittwoch grünes Licht für den S-Bahn-Tunnel zwischen Daglfing und Johanneskirchen gegeben. Die Röhre kann sogar noch länger werden als geplant.

Für den Plan stimmte eine große Mehrheit – nicht nur aus SPD und CSU. Die Grünen kämpften bis zuletzt um ein Gutachten zum oberirdischen Ausbau, verloren die Abstimmung und votierten schließlich doch für den Tunnel. Wenn der Freistaat die Strecke zum Flughafen viergleisig ausbaut, verlegt die Stadt die Trasse auf eigene Rechnung in den Untergrund – und der Tunnel kann sogar noch länger werden als geplant.

„Das ist eine historische Weichenstellung“, sagte OB Christian Ude (SPD) unisono mit der CSU. Es gebe keine Alternative zum drei Kilometer langen Tunnel. „Die Stadtpolitik hat den Bürgern im Osten das Versprechen gegeben.“ Die Idee geht auf das Jahr 1989 zurück. „Ein Ausbau an der Oberfläche wäre eine Fehlentscheidung, die viele Generationen belastet.“ Schließlich plant die Stadt entlang der S8-Trasse zum Flughafen ein neues Viertel für 12 000 Einwohner. Außerdem soll einmal eine Express-Bahn in 23 Minuten zum Flughafen rasen.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk will auch mit dem Flughafen über die Finanzierung verhandeln, nicht nur mit Bund, Bahn und Freistaat. Auch könnte der Tunnel noch länger oder die Einfahrten eingehaust werden. Ausgerechnet an den bisher geplanten Rampen stehen die höchsten Wohnhäuser mit neun und 16 Geschossen. Die sollen besser vom Lärm abgeschirmt werden.

Stadtkämmerer Ernst Wolowicz warnte vor einer Verteuerung: Die Kosten von rund 500 Millionen Euro seien nach heutigen Preisen geschätzt. Der Betrag könnte bis zum möglichen Baubeginn 2018 auf 700 Millionen steigern.

Ein Vertreter des Verkehrsministeriums relativierte einen bisherigen Grundsatz, der da lautete: Erst wenn die (immer noch nicht finanzierte) zweite Stammstrecke gebaut wird, kommt auch der viergleisige Ausbau im Osten durch den Freistaat, dann kann die Stadt den Tunnel bauen. Das Ministerium verfolge ein Gesamtkonzept, weil dieses nur mit Stammstrecke die „volle“ Wirkung entfalte. Ein isolierter Ausbau sei jedoch „nicht völlig ausgeschlossen“.

Der OB weckte andere Hoffnungen nach Gesprächen in Berlin: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier habe verstanden, dass eine nach der Wahl 2013 möglicherweise SPD-geführte Bundesregierung den S-Bahn-Ausbau selber finanzieren werde. Bislang fehlen 350 Millionen Euro aus Berlin.

DAC

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Rubriklistenbild: © Leiprecht

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