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Diskussion über Forderung

Strafgebühr für Ärzte-Hopping: Das halten Münchner Mediziner von zusätzlichen den Gebühren

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Blutdruck wird gemessen

Kürzlich ist die Forderung bekannt geworden, dass Patienten, die häufig zum Arzt gehen, eine Strafzahlung leisten sollten. Nun haben Münchner Mediziner Stellung bezogen.

München - Gehen die Deutschen zu oft zum Arzt? Der Vorwurf von Kassenarzt-Chef Alexander Gassen hat heftige Kritik geerntet – auch bei den Münchner Hausärzten und Patienten. Pro Jahr geht der Deutsche 14,7 Mal zum Arzt, so die Statistik des Barmer Arztreports (2016). Ist das zu oft? Wie berichtet, sagte Andreas Gassen (57), Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), am Samstag gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung: Einige würden ihre Gesundheitskarte „gnadenlos ausnutzen“. Deshalb fordert er nun Strafzahlungen für diejenigen, die zu oft zum Arzt gehen.

Die Forderung sorgte bundesweit für Empörung – etwa bei den Krankenkassen. Christian Bredl, Leiter der Techniker Krankenkasse in Bayern, stellte auf Anfrage des Münchner Merkur klar: „Wir wollen, dass unsere Versicherten den Arzt frei wählen können.“ Strafen seien hingegen der falsche Weg. „Gerade Zweitmeinungen vor Operationen – beispielsweise an Rücken, Hüft- oder Kniegelenken – verhindern oft unnötige Eingriffe.“ Bredl zufolge schütze und entlaste gerade dies das Gesundheitssystem.

So sieht das auch Dr. Karlheinz Zeilberger, Internist und Sportmediziner aus München. „Es ist sinnvoll, eine zweite Meinung hören zu wollen“, sagt er. Der 58-Jährige fungiert sowohl als Hausarzt als auch Spezialist. „Strafzahlungen für Patienten, die zu oft zu viele Ärzte besuchen, halte ich für Blödsinn – denn wenn dadurch Patienten abgeschreckt werden, die wirklich Hilfe suchen, geht der Schuss nach hinten los.“

Ärzte-Hopping Schuld für überfüllte Wartezimmer beim Hausarzt

Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer, gibt zu Bedenken: Wenn Patienten zum Beispiel eine Zweitmeinung hören wollen, könne das schon höhere Kosten verursachen. Aber er betont: „Die freie Arztwahl in Deutschland wird von den Patienten sehr geschätzt.“ Deshalb könne erst über eine Einschränkung ihrer Wahlfreiheit entschieden werden, „wenn entsprechende Zahlen über das sogenannte ‚Ärzte-Hopping‘ vorliegen“. Der Begriff bezeichnet den Umstand, dass Patienten bei mehreren Ärzten in Behandlung sind, ohne dass diese voneinander wissen.

Vor allem Hausärzte sehen in „Ärzte-Hopping“ das Problem für gnadenlos überfüllte Wartezimmer. Der Münchner Hausarzt Dr. Wolfgang Ritter etwa sagt: „Natürlich gibt es immer wieder Patienten, die wahnsinnig oft kommen – das liegt aber daran, dass die ein Bedürfnis haben.“ Problematisch sei eher, dass die Patientenzuläufe ungesteuert seien. „Viele gehen ohne eine Überweisung vom Hausarzt zum Facharzt – manchmal auch zu mehreren. Und die kommunizieren untereinander nicht.“ Von Strafen hält der 51-Jährige aber ebenfalls nichts. „Am Ende trifft es noch die finanziell Schwachen, die die Strafe nicht zahlen können und deshalb nicht mehr zum Arzt gehen wollen.“

Ärzte-Hopping: Belohnung für seltene Arztgänger besser als Strafzahlungen?

Die Lösung ist für ihn und auch für Dr. Oliver Abbushi, ebenfalls Hausarzt aus München, dass sich Patienten in die hausarztzentrierte Versorgung (HZV) einschreiben. Damit stimmten sie zu, dass der Hausarzt grundsätzlich ihre erste Anlaufstelle ist. Ein neues Gesetz verspricht sogar, dass Patienten wegen der Einsparungen, die die Krankenkassen dadurch erzielten, Boni erhalten sollen. Das sei sinnvoller als die Strafzahlungen, die Gassen fordert, findet Abbushi.

Alexanders Gassens Vorwurf, dass die Deutschen zu oft zum Arzt gingen, sorgt auch bei vielen Patienten für Empörung. Die Rentnerin Heike Drückert (75) sagt: „Dass jemand zum Arzt geht, weil ihm langweilig ist, ist doch absurd.“ Eher gingen die Leute zu selten als zu oft zum Arzt. „Und das ist dann das größere Problem.“

Auch Ilse Schlieder (83) glaubt, dass sich jeder lediglich die „beste Mühe“ gebe, gesund zu bleiben. „Man geht ja schließlich nicht gerne zum Arzt“, findet sie.

„Wenn man zum Arzt gehen muss, dann soll man auch gehen dürfen“, pflichtet Alfred Bäuml (81) bei. „Eine Strafgebühr wäre wirklich Quatsch.“

Über die Forderung der Strafzahlungen hat merkur.de* bereits berichtet. Dass die Deutschen zu häufig medizinischen Rat suchen, belastet auch den Rettungsdienst. Dies hatte merkur.de* im vergangenen Jahr bekannt gemacht.

Video: Kassenärzte-Chef fordert E-Scooter Verbot

*merkur.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentraledaktion.

Kahtrin Braun

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