Neue Zahlen zur Stickoxid-Belastung

Schlimmer als Stuttgart: München ist jetzt die Stinker-Hauptstadt

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Die A96 bei Pasing in der Früh. Autos gehören zu den Hauptquellen von Feinstaub und Stickoxiden.

München hat Stuttgart als Stadt mit der höchsten Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) in Deutschland abgelöst. Das hat das Umweltbundesamt mitgeteilt. Doch es gibt auch eine positive Nachricht.

München - Ausschlaggebend für den unschönen Spitzenplatz ist die Landshuter Allee. Dort wurde an der Messstelle mit einem Jahresmittel von 78 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft die höchste Belastung in ganz Deutschland festgestellt. Der Grenzwert liegt seit 2010 bei 40 Mikrogramm. Gegenüber 2016 stellt der Wert zwar einen geringfügigen Rückgang dar – damals wurde ein Jahresmittel von 80 Mikrogramm gemessen. Doch der bisherige negative Spitzenreiter, die Messstelle Stuttgart Am Neckartor, hat einen Rückgang von 82 auf 73 Mikrogramm zu verzeichnen.

In München hat das Umweltbundesamt fünf Messstellen eingerichtet. Außer an der Landshuter Allee werden Daten am Stachus, an der Lothstraße, in Johanneskirchen und in Allach ermittelt. Überall ergibt sich ein ähnliches Bild: Die Luftbelastung ist im Vergleich zu 2016 leicht gesunken. Am Stachus von 56 auf 53 Mikrogramm, was aber immer noch klar über dem Grenzwert liegt, an der Lothstraße von 33 auf 32, in Allach von 26 auf 25 und in Johanneskirchen von 22 auf 21 Mikrogramm.

Die Landshuter Allee ist mit 130.000 Fahrzeugen täglich eine der meistbefahrenen innerstädtischen Straßen Europas. 2010 wurden hier noch 99 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter gemessen. 2014 reagierte die Stadt mit einem Tempolimit von 50 Stundenkilometern auf dem Mittleren Ring. Ende 2015 wurde die Untertunnelung der Landshuter Allee zwischen Arnulf- und Dachauer Straße beschlossen. Der Baubeginn ist aber völlig offen.

Luftverschmutzung: Maßnahmen von Bund und Industrie reichen nicht aus

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, kommentierte die aktuelle Statistik so: „Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Wir sind aber noch längst nicht am Ziel.“ Viele Einwohner seien weiter zu viel gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid ausgesetzt. Schuld seien vor allem die Diesel-Autos mit hohen Realemissionen, „die oftmals erst in den vergangenen Jahren zugelassen wurden“. Aus Sicht des Amtes reichen die von Bund und Industrie vereinbarten Maßnahmen wie neue Abgas-Software und Prämien für sauberere Neuwagen nicht aus. Gebraucht würden Umbauten an Motoren, um Stickoxide dauerhaft zu senken.

Während das Feinstaubproblem weitgehend im Griff ist – München macht hierfür vor allem die Umweltzone verantwortlich –, werden die Stickoxid-Grenzwerte an 25 Prozent der Hauptverkehrsstraßen überschritten. Dies geht aus einer Mitte 2017 veröffentlichten Studie des Freistaats hervor. Der war nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe von der Justiz zu dieser Auflistung aufgefordert worden. Außerdem hätte bis Ende 2017 ein vollzugsfähiges Konzept für bessere Luft – auch mit Diesel-Fahrverboten – vorgelegt werden sollen. Darauf ließ sich der Freistaat allerdings nicht ein, was zu Beginn dieser Woche vom Verwaltungsgericht heftig gerügt wurde. Der Freistaat tue zu wenig, um für bessere Luft in München zu sorgen, so die Richterin. „Mit allgemeinem Blabla und einer halben Larifari-Seite“ im Luftreinhalteplan sei es nicht getan. Zum zweiten Mal wurde der Freistaat zu einem, eher symbolischen, Zwangsgeld von 4000 Euro verurteilt. Binnen vier Monaten muss nun nachgebessert werden.

Die CSU-Staatsregierung hat bereits angekündigt, dass sie Diesel-Fahrverbote weiter für nicht zielführend hält. Ende Februar soll das Bundesverwaltungsgericht Klarheit schaffen, ob die Anordnung von Fahrverboten nach jetziger Gesetzeslage schon möglich wäre. Unter anderem hofft die Stadt auf die Einführung einer blauen Plakette, um die Umweltzone erweitern zu können.

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