"Schuss löste sich aus Versehen"

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Der Angeklagte Dieter S. am Montag vor dem Schwurgericht

München - Im Prozess um einen rund 17 Jahre zurückliegendne Taxi-Raub behauptet der Angeklagte Dieter S., der Schuss habe sich aus Versehen gelöst.

Am Dienstag sagt Taxifahrer Zdenek S. (66) als Zeuge vor dem Schwurgericht aus. Zdenek S.: der Mann, der einen brutalen Überfall nur mit knapper Not überlebt hat. Der Mann, der sich jetzt auch noch anhören muss, er trage selbst Mitschuld daran, dass er überhaupt verletzt wurde. Das behauptete am Montag der Angeklagte Dieter S. (46). Er sagt im Hinblick auf Zdenek S.: „Ich wollte ihn nicht ­verletzen.“ Und: „Der Schuss hat sich aus Versehen gelöst.“

Stirnrunzeln auf der Richterbank, als der Angeklagte seinem Opfer eine Mitschuld gibt: „Er hat nach der Waffe gegriffen.“ Auf alle Fälle gibt Dieter S. zu, er habe den Taxifahrer ausrauben wollen. An jenem 12. Juni 1995 sei er völlig abgebrannt gewesen, so der damalige Versicherungsvertreter. Er habe vor einem Schuldenberg gestanden.

Er sei von Nürnberg nach München gefahren, um seine Frau Olga, mit der er damals eine Scheinehe führte, anzupumpen. Doch diese habe er nicht angetroffen. „Ich habe überlegt, wie ich das Geld für die Rückfahrt auftreibe“, so der Angeklagte. Da sei er auf die Idee gekommen, einen Taxifahrer auszurauben.

Die Tatwaffe, eine Dreyse-Pistole Modell 1907, habe er immer bei sich gehabt. Warum? „Damit sie keiner findet.“ Er habe damit den Taxifahrer lediglich bedrohen wollen. Staatsanwältin Elisabeth Ehrl sieht die Sache anders: „Der Angeklagte drückte sofort ab, um den Taxifahrer zu töten.“

Eberhard Unfried

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