Marienhof: Siedlung vor Stadtgründung

Sensationelle Funde: Ist München noch viel älter als gedacht?

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Neuere Funde: Dr. Christian Behrer und Jonas Friedrich mit alten Flaschen und Säulenresten.

München könnte tatsächlich noch viel älter sein als zunächst gedacht. Das belegen jetzt Funde unter dem Marienhof.

München - Als in Deutschland noch Ritter kämpften, Könige herrschten und Fürsten regierten, wurde München das erste Mal urkundlich erwähnt: 1158 – die Geburtsstunde der Stadt. Aber was war davor? Ist München älter, als man denkt? Offenbar! Fundstücke belegen eine Siedlung vor 1158. Das haben Archäologen jetzt herausgefunden. Und zwar dort, wo derzeit die zweite Stammstrecke entsteht: im Marienhof.

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„Das ist alles andere als alltäglich“, sagt Hubert Fehr vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Was so besonders ist, wirkt zuerst ganz unscheinbar: graue, abgebrochene Keramikscheiben aus alten Kochtöpfen, kaum ein paar Zentimeter groß – dafür aber mit großer Bedeutung: Diese Fundstücke sind älter als München. Es ist eine Sternstunde der Stadtarchäologie – aber warum ausgerechnet jetzt?

Unter dem Marienhof soll die zweite Stammstrecke verlaufen

Der Marienhof ist ein Bodendenkmal. Und Fehr gesteht: „Am liebsten wäre es uns gewesen, wenn es hier gar keine Bauarbeiten gegeben hätte.“ Aber das geht freilich nicht wegen des neuen Tunnels. Kompromiss: „Wir graben zumindest alles für die Denkmalpflege ordentlich aus.“

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Eine der gefundenen Keramikscherben: Vor Jahren nur Teile von klassischen Kochtöpfen, heute ein Beleg für eine ganze Siedlung vor der urkundlichen Erwähnung.

Das hat die Grabungsfirma Reve aus Bamberg getan – neben den Scherben gibt es auch Funde aus dem vergangenen Jahrhundert vom alten Wirtschaftsamt, dessen Mauern aus der Baustelle ragen. Entdeckt wurden Dinge wie Essensmarken und Zimmerschilder. Und dazwischen die besonderen Scherben. Solche wurden zwar bereits bei Grabungen 2011 und 2012 entdeckt – allerdings nur vereinzelt. Der Fund jetzt ist deutlich größer! 

Dazu waren daneben Bodenverfärbungen von Häusern zu sehen, die ebenfalls vor 1158 gebaut wurden. Archäologe und Fachbauleiter Christian Behrer sagt: „Wir wissen, dass München 1158 nicht aus dem Boden gestampft wurde – aber jetzt können wir von einer ganzen Siedlung sprechen.“ Er und Grabungsleiter Jonas Friedrich können sich auf noch mehr einstellen: Unter den Resten des alten Wirtschafts­amtes wird noch vieles erwartet, das mehr über die Vorgeschichte Münchens verraten soll.

Kathrin Braun

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