München 2040 - Die Stadt der Zukunft

Unsere Visionen: Was sich acht Münchner wünschen – und was möglich ist

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München - die Weltstadt mit Herz. Wie sieht sie 2040 aus?

Die Weltstadt mit Herz, in der heute schon 1,5 Millionen Menschen leben. Wo steht München im Jahr 2040?

München, unser München! Die Weltstadt mit Herz, in der heute schon 1,5 Millionen Menschen leben – und wo es bis 2030 geschätzt 1,85 Millionen Einwohner ­geben soll. Aber geht das überhaupt? Wo steht München im Jahr 2040? Diese Fragen stellen wir uns in unserer großen Serie Stadt der Zukunft. Heute haben wir Münchner nach ihren Visionen befragt – und wir versuchen zu klären, wie realistisch diese Wünsche sind.

Zwischenüberschrift: München 2040 - Die Stadt der Zukunft: Weitere Teile unserer Serie

Dieter Reiter im Interview über Pendler, Mietpreise und Rentner

Wie die MVG den drohenden Verkehrskollaps verhindern will

München und der Wohnungsbau: Der Kampf gegen die Windmühlen

Günstige Mieten: Was München von Wien lernen kann

Sharing - der neue Trend: Wir teilen alles!

Schnellwege, Transporträder und E-Bikes: So radelt München in die Zukunft

Unser Großstadtleben in München wird ein Erlebnis

Technik-Sensation aus München: Pflegt uns bald dieser Roboter?

Werksviertel und Co.: Wo in unserer Stadt die Zukunft wohnt

Höher, kleiner, günstiger: Unsere Wohn-Zukunft

Unsere Mobilität von morgen: So fährt die Stadt München

Rebecca Juraschitz (8)

Schülerin, München

„Ich wünsche mir, dass es weniger Krieg auf der Welt gibt. Ich wünsche mir mehr Grünflächen zum Spielen mit meinen Freundinnen. Wir spielen da immer gern Pferde oder Elfen. Außerdem soll es schneller Frühling werden, damit es wieder bunter auf den Wiesen wird und es schöne Blumen gibt.“

  • Faktencheck

Mehr Grünflächen zum Spielen für Kinder – Rebeccas Wunsch wird sich wohl nicht ­erfüllen. Schon jetzt ist München die Beton-Hauptstadt unter den deutschen Millionen-Metropolen. Bei uns ist das Verhältnis von Flächen für Bebauung und Verkehr verglichen mit unbebauten 60:40. In Hamburg ­etwa beträgt es 50:50. Und: 46 Prozent der Fläche Münchens sind versiegelt. In den nächsten Jahren wird das wohl nicht besser werden. Die Stadt muss bauen, weil all die Neu-Münchner ja irgendwo wohnen müsen. Um nicht noch mehr Flächen zu verbrauchen, fordert OB Dieter Reiter (59, SPD), verstärkt in die Höhe zu bauen.

Andreas Romanow (49)

Maler aus Gräfelfing und stellvertretender Innungs-Obermeister

„Für meine Berufssparte würde ich mir wünschen, dass es die Stadt vereinfacht, Gerüste für Fassadenarbeiten aufzustellen. Bis wir eine Genehmigung vom KVR dafür bekommen, dauert es meist sehr lang. Nicht, weil die Mitarbeiter nicht helfen wollen, sondern weil sie überlastet sind. Außerdem können wir Handwerker nur für bestimmte Fahrzeuge einen Handwerkerparkausweis beantragen.“

  • Faktencheck

Hier passiert was! Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats (KVR) verweist auf das Servicebüro Bau und Straßennutzung mit acht neuen Stellen. Diese Mitarbeiter sind seit März 2017 im Dienst und kümmern sich um Anliegen wie Andreas Romanows Baustellen-Thema. Die neuen Leute müssen noch eingearbeitet werden, damit soll am Ende alles schneller gehen. Grundsätzlich sagt Mayer aber auch: „Wir bewegen uns hier in einem Spannungsfeld.“ Nämlich: Schnell sein für Bauherren und Handwerker, gleichzeitig aber die Sicherheit aller garantieren.

Claudia Künzel

Polizeioberkommissarin

München auch in Zukunft die sicherste Großstadt in Deutschland bleibt. Es ist mir einfach wichtig, dass sich die Bürger und auch die Besucher von außerhalb bei uns in München gut und sicher fühlen. Gerade als gebürtige Münchnerin ist mir das eine absolute Herzensangelegenheit.“

  • Faktencheck

2017 wurde München zum 41. Mal in Folge zur sichersten Millionenstadt in Deutschland gekürt. Für die Zukunft gilt es, herauszufinden, ob etwas dran ist an der Aussage, dass München immer sicherer wird – und die Menschen gleichzeitig

Anke Pöhlmann (29)

Alleinerziehende und FDP-Landtagskandidatin aus Thalkirchen mit Toni (7 Monate)

„München als Weltstadt mit Herz ist leider immer noch nicht so kinder- und familienfreundlich, wie das nach außen gern dargestellt wird. Ich wünsche mir für unsere Stadt ein ­Betreuungsangebot von Kita bis Ganztagsschule beziehungsweise Hort, das sich an den Bedürfnissen der Familien orientiert und an der Arbeitswirklichkeit der Eltern. Die Platz­vergabe muss transparenter werden. Und man muss Eltern bei der Suche nach einer optimalen, flexiblen Lösung für ihr Leben mit Kind(ern) unterstützen. Können wir die Bürokratie in dieser Stadt mal bitte runterfahren? So viel Energie bleibt auf der Strecke, weil alles bis ins letzte Detail reglementiert und damit erschwert wird. Das nervt. Lasst uns doch zum Beispiel Milch, Windeln und Brot auch um 21.30 Uhr einkaufen, wenn der Ladenbesitzer länger öffnen möchte.“

  • Faktencheck

Schwierig, sich vorzustellen, dass sich beim Thema Kinderbetreuung schnell alles zum Guten wendet. So sehr der Wille vonseiten der Stadt da ist: Fakt ist, dass Flächen für neue Kitas fehlen und der Erzieherberuf nicht attraktiv genug ist, um genügend Nachwuchs anzulocken. Über Jahrzehnte schien das bayerische Ladenschlussgesetz ein eisernes zu sein. ­Zuletzt aber kam Bewegung in die Debatte. Möglich, dass viele Läden 2040 unter der Woche auch nach 20 Uhr öffnen dürfen. Der Sonntag aber wird in Bayern wohl noch lang heilig bleiben – und die Geschäfte damit geschlossen.

Dieter Reiter (59)

Oberbürgermeister (SPD)

„Ich stelle mir mein München der Zukunft als weiterhin lebenswerte, offene, lebendige Stadt mit einer starken Stadtgesellschaft vor. Die Mieten sind bezahlbar. Neue Wohnungen entstehen dort, wo auch gearbeitet wird, mit grünen Fassaden, Balkonen und Plätzen, die zum täglichen Treffpunkt der Menschen im Viertel werden. Die Zweite Stammstrecke ist fertig, und neue U- und Tram-Bahnlinien sind in Betrieb. Die wenigsten besitzen ein eigenes Auto, ganz nach dem Motto: teilen statt ­besitzen. Elektroautos fahren leise durch die Straßen. München hat sich den Titel Radlhauptstadt zurückerobert und lädt eine Delegation aus Kopenhagen zur Besichtigung ein. Die Luft ist richtig sauber. Und die Biergärten sind immer noch genauso gemütlich wie heute.“

  • Faktencheck

Beim Nahverkehr wird sich in den kommenden Jahren einiges tun. Ein paar neue U- und Trambahnlinien ­werden sicher bis 2040 in Betrieb sein. 2026 soll die Zweite Stammstrecke fertig sein. Ergo: Selbst wenn es beim Bau zu Verzögerungen kommen sollte: 2040 wird München zwei unterirdische Tunnel haben. Dass die Mieten 2040 bezahlbar sind, ist dagegen nicht in Sicht. Die kommunale Mietpreisbremse, die Reiter anstrebt, ist nur ein Mini-Schritt zu bezahlbarem Wohnraum.

Das Grundproblem – nämlich dass München die ­Flächen für Neubauten ausgehen – bleibt.

Rainer Maria Schießler (57)

Pfarrer von Sankt Maximilian/Heilig Geist

„Ich habe heute eine Baby-Trinkflasche dabei. In solchen Flaschen wird in Florida Geld für junge Eltern in der Kirche gesammelt. So weit darf es in München nicht kommen! Es muss für alle Menschen weiter möglich sein, in unserer Stadt zu leben. Auch für die, die nicht so viel Geld haben. Dafür kann nie genug getan werden.“

  • Faktencheck

Kinder, die in Armut leben, gibt es auch im reichen München. Dem Sozialreferat zufolge sind 22 000 Kinder in der Landeshauptstadt arm, also zwölf Prozent aller Münchner Kindl. Diese Zahl ist seit dem Jahr 2011 ­vergleichsweise konstant. In München gilt ­eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren dann als arm, wenn sie weniger als 2835 Euro netto im Monat zur Verfügung hat. Die Armutsschwelle für ­einen Einpersonenhaushalt liegt in München bei 1350 Euro netto. Bedenkliche 43 Prozent der jungen Münchner von 18 bis 24 Jahre ­leben unter dieser Armutsschwelle.

Wiggerl Hagn (78)

Wirt des Löwenbräuzelts auf der Wiesn

„Mein Wunsch ist, dass in München wieder mehr Bier getrunken wird. Deswegen habe ich heute den großen Löwenbräu-Krug mitgebracht. Für meinen Wunsch brauchen wir heuer ein tolles Biergartenwetter. In dieser Angelegenheit muss ich mich wahrscheinlich aber nicht an OB Dieter Reiter wenden, sondern eher an Herrn Pfarrer Schießler.“ (lacht)

  • Faktencheck

In ganz Deutschland wird immer weniger Bier getrunken. ­Mitte der 70er Jahre erreichte der deutsche Bierkonsum laut dem Bayerischen Brauerbund seinen Nachkriegs-Höhepunkt mit 151 Litern pro Kopf und Jahr. Noch zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung habe der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum in Gesamtdeutschland 141,9 Liter betragen – heute sind das nur noch 105,9 Liter. Belastbare Zahlen, wie hoch der Pro-Kopf-Konsum in Bayern ist, gibt es nicht. Laut Brauerbund gehen seriöse Schätzungen von 135 bis 140 Litern aus. Die vermuteten Gründe für diesen Rückgang: Die Bevölkerung wird immer älter, und ältere Menschen trinken weniger Bier. Außerdem werden das Rauchverbot in öffentlichen Lokalen, Werbebeschränkungen und Trinkverbote an öffentlichen Plätzen angeführt. Den rückläufigen Bierkonsum wollen viele Brauereien mit neuen Produkten wieder ankurbeln. Nach Einschätzung des Deutschen Brauer-Bundes werden in Deutschland mittlerweile bereits über 6000 verschiedene Biermarken angeboten. Das seien 1000 mehr als noch vor zehn Jahren. Und dieser Trend hält an.

Michaela May (66)

Schauspielerin

„München soll in der Zukunft radlfreundlicher werden – das wäre mir sehr wichtig. Ich benutze in der Stadt nur mein Fahrrad, um mich fortzubewegen. Doch gerade bei neuen Projekten werden Radler oft nicht mitgedacht. Etwa bei der Neugestaltung des Tals. Mehr Mülleimer in der Stadt würden zu mehr Sauberkeit beitragen. Außerdem wünsche ich mir, dass München weiterhin offen ist für alles Neue – und trotzdem gemütlich bleibt.“

  • Faktencheck

Der Radverkehr wird weiter an ­Bedeutung gewinnen. Möglicherweise gibt es 2040 schon den einen oder ­anderen Radschnellweg in der Stadt – und dazu viele neue hochwertige Leihräder. Bis München Münster den Rang als Hauptstadt des Radverkehrs abläuft, wird aber noch viel Wasser die Isar hinunterfließen müssen.

Ramona Weise

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