Wie sicher sind Münchens Jobcenter-Mitarbeiter?

Martina Musati

München - Nach dem Mord in einem Neusser Jobcenter sprach die tz mit Martina Musati über Sicherheit. Sie leitet seit 1. Januar 2011 das Jobcenter München.

Martina Musati leitet seit 1. Januar 2011 das Jobcenter München. Dort betreuen 940 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit rund 75 000 Hartz-IV-Empfänger. Wir haben nach dem Mord in einem Neusser Jobcenter mit der Geschäftsführerin über die Situation in den Münchner Sozialbürgerhäusern gesprochen.

Frau Musati, wie sicher sind die Mitarbeiter in den Münchner Jobcentern?

Martina Musati: Wir haben in München ein dreistufiges Sicherheitskonzept. In jedem unserer Sozialbürgerhäuser sind mindestens zwei Sicherheitsleute tätig, die bereits im Eingangsbereich für die Kunden wahrnehmbar sind. Fällt ein Besucher auf, reagiert das Sicherheitspersonal schon bevor es zu einem Kontakt zwischen Berater und Kunde kommt. Zum anderen ist jeder Beratungstisch mit einem Alarmknopf ausgestattet. Kommt es zu einer Gefahrensituation, informieren unsere Mitarbeiter direkt über den Alarmkopf die Leitung des Sozialbürgerhauses und den Sicherheitsdienst. Über eine kurze Tastenkombination auf der Tastatur kann ein weiteres Signal abgesetzt werden, das alle Kollegen auf demselben Flur erreicht. Die sind manchmal schneller da als der Sicherheitsdienst. Jedes Zimmer, in dem Publikumsverkehr stattfindet, hat außerdem eine Fluchttür.

Halten Sie diese Maßnahmen für ausreichend oder sind für Sie auch Arbeitsplätze mit besonderen Ausstattungen wie Glasscheiben denkbar?

Martina Musati: Nein, wir arbeiten hier mit und für Menschen. Natürlich ist es ein Spagat, Bürgernähe und Sicherheit der Mitarbeiter zu vereinen. Mir ist es aber wichtig, dass weiterhin eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre besteht. Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter die Sicherheitsmaßnahmen kennen. Ich setze hier stark auf Prävention. Der Schutz der Mitarbeiter steht für mich an erster Stelle.

Wie sieht diese in München konkret aus?

Martina Musati: Wir werden noch mal auf alle unsere Sicherheitsmaßnahmen aufmerksam machen und vor allem für Risiken sensibilisieren, zum Beispiel in Deeskalationsschulungen. Wir bieten unter anderem an, Problemgespräche immer zu zweit zu führen. Ist ein Kunde schon mal auffällig geworden, bekommt er Hausverbot, und die nächste Betreuung findet nur noch auf Termin in Anwesenheit des Sicherheitsdienstes statt.

Wie häufig kommt es in ihren Jobcentern zu Angriffen auf Mitarbeiter?

Martina Musati: Natürlich gibt es auch bei uns aggressive Menschen. Das sind aber nicht mehr als früher. Es gibt sie einfach, weil die Problemlagen oft existentiell sind. Das letzte Mal ist es heuer im Sommer zu einer ernsten Bedrohung gekommen. Da hat ein Bürger Morddrohungen ausgerufen und randaliert. Die Situation konnte aber geklärt werden. Gott sei Dank.

Interview: Dorit Caspary

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