Ideenbörse der Stadt

„Schwimmnudel“ & Co.: Das sind Münchens Daniel Düsentriebs

+
400 Euro Prämie hat Matthias Kallix gewonnen. Der Feuerwehr hat die „Schwimmnudel“ konzipiert.

Wie lässt sich das Leben vereinfachen – und wie kann die Stadt München dadurch auch noch Geld sparen? Bastler und Tüftler wurden nun von Bürgermeister Josef Schmid (CSU) geehrt.

376 Verbesserungsvorschläge hatten städtische Angestellte eingereicht. „Damit spart die Stadt allein im ersten Jahr 75 000 Euro“, freute sich Personal- und Organisationsreferent Alexander Dietrich. Die kreativen Köpfe werden auch belohnt: Insgesamt 41.300 Euro Prämien gab es für sie. „Hervorragend angelegtes Geld“, lobte Josef Schmid.

400 Euro Prämie hat zum Beispiel Matthias Kallix gewonnen. Der Münchner, der seit 33 Jahren bei der Berufsfeuerwehr tätig ist, hatte schon lange über ein Problem nachgedacht: Wie kann man verhindern, dass sich Rettungskräfte, die Menschen aus einem Fluss retten müssen, selbst in Gefahr bringen? Im Gespräch mit Kollegen kam er auf die Idee: „Man bräuchte eigentlich eine riesige Schwimmnudel.“ Matthias Kallix’ Team kam auf die Idee, einen Feuerwehrschlauch mit Druckluft aufzublasen und mit Blindkupplungen zu verschließen. Übungen ergaben: „Es funktioniert perfekt.“ Nun werden immer mehr Feuerwehr-Fahrzeuge mit dem Zubehör für die Rettungsschläuche ausgerüstet.

Auch Georg Baak wurde für eine Idee ausgezeichnet. Der Verwalter vom Waldfriedhof hatte die Tendenz erkannt, dass es immer mehr Urnen-Bestattungen in München gibt und sich Hinterbliebene feierlich vor einer Urne vom Verstorbenen verabschieden wollen. Baak und sein Kollege recherchierten im Internet. „Stelen, auf denen Urnen präsentiert werden, sind teuer, kosten zwischen 800 und 900 Euro“, sagt Baak. Er kam auf eine simple, aber effektive Idee: Warum statt einer teuren Stele nicht einen abgesägten Baumstamm nehmen? „Durch Stürme sind in den letzten Jahren sowieso viele Bäume am Waldfriedhof umgeknickt.“ Geschnitzt schaut Baaks Erfindung richtig edel aus. „Die Leute nehmen es an, es kostet fast nichts, wir sparen der Stadt einen Haufen Geld.“

Bogenhausener Hausmeister sorgt für Sicherheit von Schulkindern

Das gilt auch für die Erfindung von Gerold Hölber: Der gelernte Maschinenschlosser ist bei der Münchner Stadtentwässerung für den Fuhrpark und die Maschinentechnik zuständig, in seiner Freizeit restauriert er Oldtimer. Natürlich juckte es den 55-Jährigen da in den Fingern, als eine Propellerdüse, die eigentlich die Münchner Abwasserkanäle reinigen sollte, ständig kaputt war.

Gerold Hölber griff kurzerhand selbst zu Schraubenzieher und Schweißgerät: „Ich habe bei der Düse das Getriebe ausgebaut, das dauernd defekt war, und neue Gleitlager eingebaut.“ Seitdem bewegt sich die Düse nur durch den Wasserdruck auf einer Schiene durch den Kanal vorwärts. „Das Teil ist jetzt unkaputtbar“, sagt Hölber stolz.

Hausmeister Harald Löffler aus Bogenhausen erfand einen Hebel, mit dem sich Fenster nur noch ein bisschen öffnen lassen.

Nicht nur Geld sparen die Erfindungen der „Ideenbörse“ sie können auch vor Gefahren schützen. Wie die Idee von Harald Löffler. Der 49-Jährige ist Hausmeister an der Grundschule an der Ostpreußenstraße in Bogenhausen. Schon lange hatte er sich Sorgen gemacht, dass an der Schule einmal ein Unglück passieren könnte. Denn die Fenster der Schule ließen sich viel zu weit öffnen, fand er. Oft kletterten Kinder auf Garderobenschränke, öffneten Fenster, um hinauszuschauen. Eine kleine Rangelei, einmal kurz nicht aufgepasst – die Gefahr, dass ein Kind hinausfallen könnte, war groß, fürchtete Harald Löffler.

Er erfand einen Hebel mit Scharnier, mit dem sich die Fenster nur noch einen Spalt breit öffnen lassen. Der Aufwand, die Schule umzurüsten, ist gering, sagt Löffler: „Zehn Minuten Arbeit an jedem Fenster.“ Die simple Idee wurde jetzt nicht nur bei der städtischen Ideenbörse honoriert – auch Nachbarschulen haben die Fenstersperren übernommen.

Übrigens: Die Zahl der Erfindungen nimmt stetig zu und setzt das Deutsche Patentamt unter Druck. 2017 wurden vermutlich etwa 68.000 neue Patente angemeldet - so viele wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Andrea Stinglwagner

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Bettler auf Mitleidstour in München: Marta aus Ungarn packt aus
Bettler auf Mitleidstour in München: Marta aus Ungarn packt aus
Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn
Nachbarn klagen über unangenehmen Mieter - doch immer, wenn es in seiner Wohnung brennt, retten sie ihn

Kommentare