Ude trauert um LiMux

Macht sich München vom Microsoft-Konzern abhängig? TV-Doku wirft Fragen auf

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Trauert um LiMux: Münchnes Alt-Oberbürgermeister Christian Ude.

Befürworter offener und geheimer Software stehen sich seit jeher unversöhnlich gegenüber. Auch die Stadt München bleibt von der Technik-Diskussion nicht verschont.

München - Für Christian Ude war es ein absolutes Prestigeprojekt - mit LiMux wollte der ehemalige Oberbürgermeister die Verwaltung in der Landeshauptstadt reformieren. Sein Nachfolger Dieter Reiter geht jedoch andere Wege. Beginnend mit dem Jahr 2020 sollen die städtischen Angestellten in München wieder mit Microsoft Windows arbeiten. 

In der von RBB und WDR produzierten Dokumentation „Das Microsoft-Dilemma - Europa als Software-Kolonie“ wird auf die Gefahren einer Allianz aus Microsoft und Verwaltung aufmerksam gemacht. Hauptkritikpunkt der Macher ist, dass Behörden dem Linux-System oftmals den Zuschlag verweigern, obwohl dieses billiger und sicherer ist.

Windows vs. Linux: Zwei Welten prallen aufeinander

Der Programmcode der Microsoft-Software ist nur den Betreibern selbst bekannt, in der Fachsprache bezeichnet man dies als „proprietär“. Das heißt, dass Wirken und Sicherheit des Programms nicht von unabhängigen Beobachtern überprüft werden kann. In Zeichen von Cyber-Attacken, die in jüngster Zeit renommierte Unternehmen und sogar Geheimdienste in die Knie gezwungen haben, stellt sich die Frage nach dem Sicherheitsfaktor.

Dagegen stellen RBB und WDR das völlig gegensätzliche Linux-Modell. Da dessen Codierung „quelloffen“ ist, können Experten aus der ganzen Welt auf das System zugreifen. Bei entsprechendem Engagement kann der Schutz gegen Hackerangriffe so signifikant erhöht werden.

„Ich bin überrascht, dass die Unabhängigkeit, um die wir von vielen Städten im In- und Ausland beneidet wurden, nichts mehr wert sein soll“, klagt Alt-OB Ude nach dem angekündigten Ende für sein Prestigeprojekt LiMux. Nun werde das Vertrauen „wieder voll einem Konzern geschenkt, der praktisch mit einem Schlitten fahren kann“, hadert der SPD-Mann.

Entscheidung für Microsoft politisch?

Software ist teuer und muss häufig gewartet werden, der Umstieg auf ein anderes System ist zumeist aufwändig und mit hohen Kosten verbunden. Behörden binden sich oftmals langjährig an den Microsoft-Konzern, um den Weg des geringsten Widerstands zu gehen - so vermittelt es die RBB-Dokumentation. Dadurch wachse nicht nur der Umsatz des Unternehmens, der Verwaltungsapparat mache sich so von einem einzelnen Unternehmen abhängig.

Satte 89 Millionen Euro soll die Windows-Rückkehr der Landeshauptstadt München kosten. Nach offizieller Lesart erfolgt diese aufgrund von IT-Problemen, die im Zuge der Linux-Nutzung entstanden seien. Ein anonymer Mitarbeiter der Stadtverwaltung äußert in der RBB-Dokumentation jedoch eine konträre Vermutung: „Es ist kein technischer Grund. Es ist Politik und LiMux war Verhandlungsmasse“. Offenbar wolle die jetzt mitregierende CSU die rot-grüne Herzensangelegenheit in die Tonne treten.

Auf diesen Vorwurf angesprochen, gibt sich Oberbürgermeister Reiter vor laufenden Kameras kurz angebunden. Die Rückkehr zu Microsoft erfolge lediglich, um die Verwaltung der Landeshauptstadt wieder „schlagkräftiger und effektiver“ zu machen, so der SPD-Politiker.

lks

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