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Gedenktafeln geplant

Stadtrat lehnt Stolpersteine zum Gedenken an NS-Opfer ab

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In München wird es keine Stolpersteine geben. Das hat der Stadrat beschlossen.

München - Vielerorts wird mit Stolpersteinen der Opfer des NS-Terrors gedacht. München lehnt das auch zukünftig ab. Ein Grund: Respekt vor den Menschen, die ein Gedenken im Straßenschmutz als unwürdig ablehnen. Die Befürworter der Stolpersteine wollen aber nicht aufgeben.

In München wird es auch in Zukunft keine Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors geben. Der Stadtrat der bayerischen Landeshauptstadt sprach sich am Mittwoch in einer emotionalen, aber dennoch angemessenen Debatte mehrheitlich dagegen aus, die mit kleinen goldfarbenen Messingplatten bedeckten quadratischen Pflastersteine auf öffentlichen Straßen und Plätzen zuzulassen.

Stattdessen sollen Stelen und Gedenktafeln an Hauswänden sowie ein zentrales Namensdenkmal auf die Schicksale der Ermordeten aufmerksam machen, darunter Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte oder politisch Verfolgte. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte vor Beginn eine würdige Debatte gefordert. Bei allen unterschiedlichen Meinungen müsse ein respektvolles Gedenken für die Naziopfer der oberste Wunsch bleiben.

Die in die Gehwege eingelassenen Stolpersteine werden von manchen Angehörigen als unwürdige Form des Gedenkens empfunden, da die Opfer ihrer Ansicht nach erneut mit Füßen getreten und erniedrigt werden. So sieht es auch der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern, der Stolpersteine für getötete Juden ablehnt. Es sei für ihn nicht denkbar gewesen, eine Gedenkform zu etablieren, die von der IKG als Vertreterin der mit Abstand größten Opfergruppe abgelehnt werde, erklärte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl seine ablehnende Haltung gegenüber Stolpersteinen.

CSU-Stadtrat Marian Offmann nannte persönliche Gründe, war doch ein Großteil seiner Familie wegen ihres jüdischen Glaubens von den Nazis getötet worden. Die Menschen seien bestialisch ermordet und geschlagen worden. Er wolle nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass diese Demütigung mit ihren Namen in die Straßen eingegraben werde. Dennoch habe er aber auch Verständnis für Menschen, die sich Stolpersteine wünschten.

Weltweit 50.000 Stolpersteine

In vielen Städten sind die Messingplatten selbstverständlich, etwa in Hamburg, Berlin und in Budapest. Weltweit gibt es rund 50.000 Stolpersteine in 1200 Städten in 18 Ländern. Der Streit um ihre Verlegung in München währt schon mehr als zehn Jahre. 2004 hatte der Stadtrat sich schon einmal dagegen ausgesprochen. Bereits verlegte Steine wurden entfernt. Nach jahrelanger Diskussion hatten Bündnis 90/Die Grünen und die Rosa Liste beantragt, nun das Verbot aufzuheben und die Entscheidung den Angehörigen zu überlassen. Das Kulturreferat erarbeitete daraufhin eine Beschlussvorlage zum dezentralen Gedenken an die Opfer des NS-Regimes, die bis auf die Stolpersteine in weiten Teilen vom Stadtrat angenommen wurde.

Begleitend zum Gedenken auf Tafeln, Stelen und dem zentralen Denkmal sollen Historiker die Namen aller Münchner NS-Opfer recherchieren und Schicksale erforschen. In fünf Jahren soll zudem Bilanz gezogen werden.

Befürworter wie Terry Swartzberg von der Initiative Stolpersteine für München waren nach dem Stadtratsvotum enttäuscht. „Unsere Kampagne geht weiter“, sagte der Aktivist und kündigte neben einer Klage auch ein Bürgerbegehren an. Eine Online-Petition hat bereits knapp 100.000 Unterschriften gesammelt. „München soll stolpern!“, findet Swarzberg, der guten Mutes ist und von zahlreichen Opfer-Angehörigen unterstützt wird. Stolpersteine seien weltweit in 1300 Städten möglich. „Warum sollten sie illegal in München sein?“ Denkbar sei auch, die Verlegung der Steine als Kunstaktion zu deklarieren. „Wir werden die Stolpersteine verlegen in München, relativ bald.“

Florian Roth von Bündnis 90/Die Grünen, die mit der Rosa Liste eine Zulassung der Stolpersteine beantragt hatten, forderte Toleranz gegenüber denjenigen, für die diese Steine ein Herzenswunsch seien. „Ich kann doch nicht stellvertretend für Familien sagen, ihr müsst jetzt halt mit Stelen zufrieden sein, wenn ihr eigentlich was anderes wollt; woher habe ich das Recht?“ Ähnlich sah es Thomas Niederbühl von der Rosa Liste, der vor allem an die verfolgten Homosexuellen erinnerte.

dpa

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