Stammstrecke: Bahn-Chef will schnellen Ausbau

+
Die zweite Stammstrecke soll etwa 2,2 Milliarden Euro kosten.

München - Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, versprüht Zuversicht: Bis zum Sommer, meint er, könnten zwei Münchner Großprojekte reif für den Baustart sein: die zweite S-Bahn-Stammstrecke und der Hauptbahnhof. Die Zweifel aber bleiben.

Seit Jahren geht kaum etwas voran: weder bei der zweiten S-Bahn-Stammstrecke noch beim geplanten Bau eines neuen Hauptbahnhofs. Denn beide Vorhaben sind teuer, zu teuer. Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, aber hält eisern an seinen Plänen fest, beides zu realisieren. „Es könnte sein, dass wir im Sommer beide Projekte hinbekommen“, sagte Grube gestern bei einem Besuch im Münchner Presseclub. Die Vorbereitungszeit für Bahnhof und Stammstrecke sei mittlerweile nämlich „fast identisch“.

Beide Vorhaben sind eng miteinander verzahnt. Solange nicht geklärt ist, ob die zweite Stammstrecke gebaut wird, wird es auch keinen Neubau des Hauptbahnhofs geben. Denn für den Bau der zweiten Röhre muss ein Teil des Bahnhofs abgerissen werden. „Wir sollten nicht den Fehler machen, den Bahnhof anzupacken, ohne eine Lösung für die zweite Stammstrecke zu haben“, mahnte Grube.

Das aber ist auch das Problem. Die Finanzierung des bis zu 2,2 Milliarden Euro teuren S-Bahn-Tunnels ist keineswegs gesichert. „Die Strecke muss gebaut werden“, erklärte Grube. Das aber sei „Sache der zuständigen Verkehrsminister in Bund und Land“. 133 Millionen Euro will die Bahn selbst beisteuern – mehr nicht.

2. Stammstrecke am Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen

Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen

Positiver scheint es für den Bau des Hauptbahnhofs auszusehen. Die Bahn und das Architekturbüro „Auer+Weber“ sind offenbar auf gutem Weg, ihre Pläne abzustimmen. Die Architekten hatten 2006 einen Gestaltungswettbewerb zum Hauptbahnhof gewonnen. Der Bahn war der Entwurf aber zu teuer. Jetzt soll abgespeckt werden. „München wird einen wunderschönen Bahnhof bekommen“, versprach Grube. Es müsse aber nicht der teuerste sein. Rund 300 Millionen Euro hatte die Bahn für ihren Entwurf kalkuliert, der aber im Stadtrat auf Ablehnung gestoßen war. Mit eine Rolle bei der Annäherung dürfte spielen, dass beim Hauptbahnhof ohnehin ein Sanierungsstau aufgelaufen ist. „In einer Größenordenung, die beachtlich ist“, bestätigte OB Christian Ude (SPD). Nach Informationen unserer Zeitung sind es etwa 100 Millionen Euro.

Doch was passiert mit dem Bahnhof, wenn der zweite S-Bahn-Tunnel nicht gebaut wird? „Das kann ich jetzt nicht beantworten“, räumte Grube ein. Denkbar, sagte Ude, sei ein neuer Bahnhof auch ohne zweite Stammstrecke. „Man müsste aber umplanen.“

Zweifel bleiben auch, was einen Tunnel-Baustart im Sommer angeht, wie ihn Grube anvisiert. „Das würde mich sehr wundern, aber positiv“, sagte der Chef der Rathaus-SPD, Alexander Reissl. Der Bahn-Chef aber bleibt optimistisch und voll von Wünschen. Er will alles: den zweigleisigen Ausbau München-Mühldorf, die Walpertskirchner Spange, die Neufahrner Kurve, den Erdinger Ringschluss. Selbst einen ICE-Anschluss für den Flughafen hält Grube nur für eine Frage der Zeit: „Das muss irgendwann kommen.“

Matthias Kristlbauer und Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht

Kommentare