Was steckt hinter diesen Exorzismus-Plakaten?

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„Ein Exorzismus hilft“ steht auf den Zetteln

München - Die Münchner Innenstadt ist mit obskuren Plakaten zugepflastert, auf denen uns Bürgern zu einem Exorzismus geraten wird. Die tz hat nachgeforscht, was dahintersteckt.

Glaubt man diesen dubiosen Plakaten, dann treibt der Teufel höchstpersönlich sein Unwesen in München! Denn: Die Flugblätter, die an Bäumen rund um den Hauptbahnhof hängen, verweisen auf eine katholische Klinik, die „fachgerechte Austreibungen und Exorzierungen“ anbietet – und zwar für Besessene. Angeblich ist die Teufelsaustreibung kostenlos. Und: In ganz akuten Fällen finden Münchner rund um die Uhr Hilfe von Spezialisten, die dem Satan das Handwerk legen. Alles, was man tun muss: Die Internetseite www.teufel­indir.de besuchen.

Die tz machte den Test. Wir landen auf einer dunkelroten Webseite. Sie gehört Schwester Isabella Rondellini und zeigt Bilder, auf dem Heilige gegen Dämonen kämpfen. Eine Bildergalerie entstellt den Papst als Dämon. Im Hintergrund lodern Flammen. Ganz klar: Wir sind der Hölle nah.

Doch das Gruseligste kommt erst noch: Ein Besessenheitstest! Den fordert die Schwester ein, bevor sie hilft. Ohne Ausnahme! Sie will wissen: „Haben Sie den Teufel im Leib?“ Ankreuzen kann man zum Beispiel: „Ich höre Stimmen“ oder „Ich verliere oft die Kontrolle über Körperteile“. Das Ergebnis: Wir sind vom Teufel besessen! Doch dann die Auflösung …

Es handelt sich um eine Internetseite des Filmverleih Paramount Pictures. Sie machen auf diese Weise Werbung für den Kinofilm Devil inside (deutsch: Teufel in dir, Starttermin ist heute in den Münchner Kinos). Aber was ist das nur für eine verteufelte Art Werbung ? „Es ist eine Low-Low-Budget-Produktion. Da gibt es praktisch keinen Etat für Werbung, deshalb benutzen die Macher die sogenannte Guerilla-Strategie“, sagt Ronald Focken, Geschäftsführer der Münchener Agentur Serviceplan. Das heißt: Statt der üblichen Werbemittel setzen Profis darauf, dass sich die Geschichte im Internet verbreitet. Und tatsächlich: Schon mehr als eine halbe Million Fans hat der Film auf Facebook. In den USA lief der Film bereits. Fazit der Fans: Teuflisch gut!

Was halten Geistliche von der Sache? „Absoluter Schwachsinn“, sagt Reiner Maria Schießler, Pfarrer in der Maximilianskirche. Er ist selbst großer Kino-Fan. Aber: „Exorzismus ist keine Sache, mit der man Späße treibt – auch nicht in der Werbung.“ Keinen Spaß versteht auch das Erzbistum München-Freising. „Dieses angebliche Hilfsangebot hat mit der katholischen Kirche nichts zu tun“, sagt Sprecher Christoph Kappes (37). Selbst Werbeprofi Focken ist wenig begeistert. „Die Foto-Galerie mit dem Papst geht deutlich über die Grenzen des guten Geschmacks.“

THI/WdP

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