Kollaps blieb aus

Streik bei U-Bahn, Bus und Tram: Das sagen die Betroffenen

Viele Beschäftigte der Münchner Verkehrsgesellschaft sind am Donnerstag dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zum Warnstreik gefolgt. Zur Stoßzeit am Morgen ging bei der U-Bahn gar nichts mehr. Auch viele Trambahnen und Busse blieben im Depot. Der befürchtete Kollaps blieb jedoch aus.

Mit Trillerpfeifen und wehenden Fahnen haben sich am Donnerstagmorgen rund 80 Beschäftigte der MVG am Depot an der Einsteinstraße versammelt. Sie verlangen eine bessere Bezahlung und damit eine größere Anerkennung ihrer Arbeit. „Wenn wir schon jeden Tag beleidigt und angespuckt werden, muss uns wenigstens unser Arbeitgeber Wertschätzung entgegenbringen“, sagt Werner Waldhütter, der seit mehr als 25 Jahren im Dienst der Stadt Fahrkarten kontrolliert.

Lula Weldenikule (36), Verkäuferin aus MünchenIch bin heute Morgen aus Neuperlach gekommen und fahre zur Arbeit. Die U 5 kam pünktlich, also kein Problem. Dafür, dass die MVG streikt, habe ich Verständnis. Ich bin auf die U-Bahn angewiesen, wie viele andere auch. Da muss die Stadt ihre Leute schon ordentlich bezahlen. München ist schließlich eine teure Stadt..

Zum Warnstreik aufgerufen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch. Sie steckt gerade in Tarifverhandlungen mit den Verkehrsbetrieben. Teilnehmen sollten alle Mitarbeiter der MVG – also auch jene, deren Tarifvertrag aktuell gar nicht verhandelt wird. „Vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde wollten wir ein deutliches Zeichen setzen“, sagt Heinrich Birner, Geschäftsführer der Münchner Verdi. „Das ist uns gelungen.“

Brigitte Sander (53), Lehrerin aus MünchenHeute Morgen bin ich 20 Minuten früher aus dem Haus gegangen, weil ich gestern schon vom Streik gehört habe. Weil die U-Bahnen unregelmäßig fahren, nehme ich heute eben den Bus. Für den Warnstreik habe ich schon Verständnis. Nur die Uhrzeit ist irgendwie doof. In der ersten Schulstunde wird heute wohl nicht so viel los sein.

Insgesamt beteiligten sich jedoch wesentlich weniger Fahrer am Ausstand als im Vorfeld erwartet. „Viele Beschäftigte werden sich gedacht haben, dass es unverhältnismäßig wäre, den Arbeitskampf auf dem Rücken der Fahrgäste auszutragen“, sagt MVG-Pressesprecher Matthias Korte. Von vier bis acht Uhr morgens sollten eigentlich gar keine U-Bahnen fahren. Der Verkehr rollte aber wegen geringer Streikbeteiligung schon ab sieben Uhr langsam wieder an.

Andrea Scholz (33), Rechtsanwaltsfachangestellte aus AnzingIch muss jeden Morgen aus Anzing Richtung Odeonsplatz. Dann fahre ich mit dem Auto und stelle es am Prinzregentenplatz ab. Auf der A94 war heute Morgen etwas mehr Stau als sonst, aber die Busse fahren anscheinend trotzdem. Mir ist das nicht so wichtig, ob es zehn oder 20 Minuten länger dauert – ich habe Gleitzeit.

Mit der Ankündigung der Gewerkschaft hatte die MVG indes auf allen Kanälen Alarm geschlagen: Fahrgäste sollten während des Streiks auf das Rad oder die S-Bahn ausweichen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Während sowohl Radwege als auch die verbleibenden Busse und Bahnen am Morgen reichlich voll waren, stiegen viele auch auf das Auto um: „Ab 6.15 Uhr haben wir auf den Straßen ein erhöhtes Verkehrsaufkommen festgestellt“, sagt Benjamin Castro von der Münchner Polizei.

Rolf Toppinga (67), Rentner aus MünchenIch habe früher selbst im öffentlichen Dienst gearbeitet. Damals war es noch möglich, davon zu leben. Heute schuftet man zu Niedriglöhnen. Deshalb stehe ich heute hier und unterstütze die Fahrer und Schaffner bei ihrem Streik. Gerade hier in München braucht es bessere Löhne, damit man sich wenigstens auf den Gehaltsscheck freuen kann.

Die Tarifverhandlungen gehen am Freitag in Nürnberg weiter, weil Verdi das Angebot der Arbeitgeber, den Lohn der Beschäftigten um 7,5 Prozent bei einer Laufzeit von 30 Monaten zu erhöhen, nicht ausreicht. Die Gewerkschaft möchte unter anderem höhere Nachtzuschläge und eine Bezahlung betriebsbedingter Pausen durchsetzen.

Severin Heidrich

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