Streit in der CSU

Widerstand gegen Garten-Tram bröckelt weiter

Die Akku-Tram soll die derzeit durch den Englischen Garten verkehrenden Busse ersetzen.

Auch Münchens CSU-Chef Spaenle schwächt jetzt sein kategorisches Nein zur Tram durch den Englischen Garten ab. Der Ortstermin von Seehofer und Reiter wurde abgesagt. 

Die Rathaus-CSU gerät mit ihrer ablehnenden Haltung gegen eine Tram durch den Englischen Garten zunehmend unter Druck. Wie berichtet, hat Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) seine Sympathie für das Projekt bekundet. Finanzminister Markus Söder (CSU) hat ebenfalls seinen Widerstand aufgegeben. Und nun hat auch der Münchner CSU-Chef, Kultusminister Ludwig Spaenle, sein bisher kategorisches Nein abgeschwächt.

Spaenle will minimalinvasive Lösung

Ludwig Spaenle, wehrte sich gegen die Darstellung, er habe im Streit um die Tram eingelenkt.

Spaenle wehrte sich zwar gegen die Darstellung, er habe im Streit um die Tram eingelenkt. „Ich bin nach wie vor gegen das Projekt“, sagte er unserer Zeitung am Mittwoch. „Die beste Lösung wäre ein moderner, elektrobetriebener Gelenkbus.“ Aber man müsse auch pragmatisch nach vorne schauen. Eine rein ablehnende Haltung helfe niemandem weiter. „Wenn ich weiß, dass Planungsprozesse im Gange sind, ist es doch vorausschauende Politik, diese kritisch zu begleiten – auch wenn mir die Lösung nicht gefällt.“ Er wolle vor allem auf eine „minimalinvasive Lösung“ drängen. So sei darauf zu achten, dass die Gleise nicht neben, sondern in der Straße verlaufen – und die Fahrbahn so womöglich etwas schmäler werden könne als derzeit. Zudem dürfe es keine Querverbauung durch Absperrgitter geben.

Die Akku-Tram soll die derzeit durch den Englischen Garten verkehrenden Busse ersetzen. Der Streckenabschnitt, der das Gartendenkmal direkt betrifft, ist etwa einen Kilometer lang und befindet sich zwischen Thiemestraße im Westen und Tivolistraße im Osten (Höhe Biergarten Chinesischer Turm). Für die Befürworter der Tram ist aber vor allem wichtig, dass mit dem Projekt der Weg für eine neun Kilometer lange Querverbindung von Neuhausen über Schwabing nach Bogenhausen frei wäre.

OB Dieter Reiter (SPD) wollte sich am Mittwoch zusammen mit Seehofer und Spaenle ein Bild von der bestehenden Bustrasse und einer möglicher Tramstrecke machen. Doch der demonstrative Termin im Englischen Garten wurde aufgrund des Dauerregens abgesagt. Vermutlich dürfte er frühestens Ende August nachgeholt werden, weil Reiter ab Montag drei Wochen im Urlaub weilt.

Die Rathaus-CSU ist verärgert  - und weiterhin dagegen

Josef Schmid ist nicht erfreut. 

Die Rathaus-CSU wollte sich am Mittwoch am Rande der letzten Vollversammlung vor der Sommerpause nicht direkt zu Spaenles modifizierter Position äußern. So viel aber steht fest: Erfreut sind weder die Fraktion noch Bürgermeister Josef Schmid. Der stellvertretende Fraktionschef Michael Kuffer sagte: „Spaenle hat unsere Rückendeckung.“ Wenn überhaupt, dann sei man über Seehofer verärgert. Die Linie der Stadtratsfraktion bei der Garten-Tram sei unverändert. Gleichwohl räumte Kuffer ein: „Nichts ist in Stein gemeißelt.“

Schmid hatte bis Mittwochmittag noch nicht mit Spaenle gesprochen. Der Bürgermeister hält nach wie vor die Elektrobus-Variante für die sinnvollste Lösung. Der Hersteller MAN werde schon 2019 einsatzfähige Busse auf den Markt bringen. Offenbar, so der Bürgermeister, gebe es aber auch einen neuen, filigranen Tramplan der MVG. Die Furche durch den Englischen Garten dürfe jedenfalls nicht tiefer sein als die jetzige Straße. Ähnlich wie Spaenle lehnt er Absperrgitter entlang der Tramgleise ab. Man müsse nun die Detailplanungen abwarten, sagte Schmid, der als Wirtschaftsreferent auch für den öffentlichen Nahverkehr zuständig ist.

Lesen Sie auch: Interview zu umstrittenen Verkehrsprojekten: Seehofer sagt, was er wirklich über dritte Startbahn und Garten-Tram denkt

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