Bahn versus Stadt: Zoff um neuen Hauptbahnhof

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Die Grafik zeigt den Entwurf für die erneuerte Fassade des Hauptbahnhofs München

München - In München gibt es Zoff um den neuen Hauptbahnhof: Die Bahn will einen Zweckbau, die Stadt ein repräsentatives Gebäude. Bekommt München am Mittwoch den Zuschlag für Olympia, steigen jedoch die Chancen für den schöneren Bau.

Die riesige Uhr sieht jeder, der am Münchner Hauptbahnhof ankommt. Sie zeigt gleich in zweifacher Hinsicht einen Countdown an: An diesem Mittwoch entscheidet sich, ob die bayerische Landeshauptstadt die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichten darf. Außerdem entscheidet sich dann auch, was mit dem Bahnhof selbst geschieht. “Wie und wann der Bahnhof umgebaut wird, hat viel damit zu tun, ob wir Olympia 2018 bekommen“, sagt Katja Strohäcker vom Planungsbüro der Stadt München. Doch der neue Hauptbahnhof sorgt für Streit: Die Bahn will beim Umbau möglichst wenig Geld ausgeben, die Stadt dagegen einen Vorzeigebau wie in Berlin.

Bereits seit 2003 plant die Deutsche Bahn gemeinsam mit der Stadt den Umbau des Hauptbahnhofs. Es wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Ziel war, das Bahnhofsviertel zu verschönern. Der großzügige Entwurf des Münchner Büros Auer und Weber sollte schließlich das alte, 1960 fertiggestellte Bahnhofsgebäude ersetzen. Doch vier Jahre später erklärte die Bahn, für das 350 Millionen Euro teure Konzept sei kein Geld da. Das Projekt lag auf Eis. In diesem Jahr wurden die Pläne wieder aktuell. Der Bau der zweiten Stammstrecke wurde beschlossen und die Olympia-Entscheidung steht bevor.

Zweckbau versus Vorzeigebahnhof

Doch über das künftige Aussehen des Bahnhofs ist jetzt eine Diskussion entbrannt: Die Bahn plant einen funktionalen Zweckbau. Das Untergeschoss soll umgebaut werden, um die Übergänge zur zweiten Stammstrecke zu schaffen. Außerdem soll die Empfangshalle verändert werden. Der Starnberger Flügelbahnhof und die rosafarbenen Altbauten hingegen sollen bleiben, genauso wie der Bahnhofsvorplatz.

Hauptbahnhof München: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

bilder

Die Stadt hingegen hat eine andere Vorstellung. “Das Gebäude soll nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch sein“, sagt Stadtplanerin Strohäcker. “Es wird schließlich die nächsten 50 bis 80 Jahre bestehen.“ Das Planungsreferat kritisiert außerdem, es gebe beim Plan der Bahn nicht genügend Durchgänge zur U- und S-Bahn. Als eine Bahn-Sprecherin Mitte Mai das neue Konzept der Deutschen Bahn im Stadtrat vorstellte, buhten die Politiker es aus.

"Entwurf der Bahn ist banal"

Einig sind sich Stadt und Bahn allein darin, dass der Umbau in Etappen geschehen muss. Wenn München den Zuschlag für Olympia erhalten sollte, muss Ende 2017 eine Bauphase abgeschlossen sein. “Der Entwurf der Bahn ist banal, er wird der Stadt nicht ansatzweise gerecht“, kritisiert Stadtrat Robert Brannekaemper (CSU). “Wenn schon neu gebaut wird, dann sollte es auch ein architektonisches Highlight sein“, findet auch Paul Bickelbacher von den Grünen. Johann Altmann (Freie Wähler) sagt, der Münchner Hauptbahnhofs müsse richtig zur Geltung kommen. Schließlich sei er nicht nur der zentrale Münchner Verkehrsknotenpunkt, sondern auch Aushängeschild und touristischer Anlaufpunkt. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) schrieb Bahnchef Rüdiger Grube nach der Sitzung im Mai im Namen des gesamten Stadtrats einen Brief und bat, den Auer-und-Weber-Entwurf zu berücksichtigen.

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Das Architektenbüro, das 2003 als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen war, hat auch schon eine günstigere Variante des Entwurfs entwickelt. Rund 250 Millionen Euro kostet sie - fast genauso viel wie der ungeliebte Vorschlag der Bahn. Gemäß dem Entwurf soll die Empfangshalle größer und luftiger sein, der Bahnhofsplatz weitläufiger. “Es ist keine Frage der Finanzierung, sondern eine Frage des Maßstabs“, sagt Ferdinand Stracke, Professor für Stadtplanung an der Technischen Universität München. “Die Halle muss ein sehr großer Raum sein, der den Reisenden empfängt und ihn gleichzeitig in die Stadt bringt. Teure Materialien sind nicht notwendig.“ Der Bahnhof müsse mehr als ein reines Zweckgebäude sein - er sei ein Symbol für die Stadt. Der Entwurf von Auer und Weber gefällt Stracke deshalb gut. “Er ist außerdem auf die Stadt abgestimmt. Eine solche Architektur gibt es noch nicht.“

Bürger sollen für schönen Bahnhof protestieren

Wie der Hauptbahnhof aussehen wird, entscheidet am Ende die Deutsche Bahn. Sie hat die Planungshoheit über die Bahnhöfe. Der Stadtrat will deshalb nun die Bürger mobilisieren. “Der Entwurf muss mit der Öffentlichkeit diskutiert werden“, fordert Stadtrat Robert Brannekaemper. Sollte die Bahn auf ihrem Vorschlag bestehen, fordert Stadtplaner Ferdinand Stracke die Bürger auf, für einen Bahnhof zu protestieren, der der Stadt angemessen ist: “Es muss ja nicht gleich wie in Stuttgart ablaufen. Aber ein bisschen Widerstand ist notwendig.“

dpa

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