Klage am Oberlandesgericht

Mann warf sich vor seine S-Bahn: Bekommt der Lokführer nun Schmerzensgeld?

Weil er seit dem Vorfall arbeitsunfähig ist, klagt ein Lokführer nach einem Suizidversuch vor seinen Augen auf Schmerzensgeld. Das Landgericht hat ihm 14.400 Euro zugesprochen. Doch er wird das Geld wohl nie sehen.

München – Hat ein Lokführer Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld, wenn jemand vor seinen Zug springt? Das Landgericht München II hatte einen Mann nach einem gescheiterten Suizidversuch zur Zahlung von rund 14.400 Euro verurteilt.

Doch das Oberlandesgericht München bewertet den Fall jetzt neu. Im Berufungsverfahren machte die Vorsitzende Richterin am Mittwoch (4. Juli) deutlich, „dass man als Zugführer speziell diesem Berufsrisiko ausgesetzt ist“.

Doch kein Schmerzensgeld? Angeklagter „nicht zurechnungsfähig“

Einem Gutachten zufolge hat der Bahnmitarbeiter seit dem Vorfall psychische Probleme und kann seinen Beruf nicht mehr ausüben. „Das ist ein riesiges gesellschaftliches Problem, das leider zulasten Ihres Mandanten ausgehen wird“, wandte sich einer der Richter an den Anwalt des Klägers. Am 8. August will das Gericht seine Entscheidung verkünden.

Obwohl das Landgericht den Beklagten zum Tatzeitpunkt im Oktober 2011 für nicht zurechnungsfähig befand, hatte es ihn beziehungsweise seine Haftpflichtversicherung zur Zahlung verpflichtet. Der OLG-Senat betonte dagegen, dass wegen der Schuldunfähigkeit darauf allgemein kein Anspruch bestehe.

Berichterstattung bei Selbstmord 

Generell berichten wir nicht über (versuchte) Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0180-6553000.Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de/

dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Naupold

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