Vor Champions-League-Spiel: Rolltreppe in U-Bahn-Station eingestürzt - Video zeigt Unfall

Vor Champions-League-Spiel: Rolltreppe in U-Bahn-Station eingestürzt - Video zeigt Unfall

Versorgungslage oftmals drastisch

Supermarkt-Sterben in München: Besorgte Bürger schlagen Alarm

+
Anwohner demonstrieren für den Erhalt des Netto-Markts im Waldfriedhofviertel.

Immer mehr Supermärkte in München machen dicht. Die Versorgungslage in einigen Vierteln hat bereits stark gelitten. Besorgte Bürger schlagen Alarm.

München - Über Wochen haben die Bewohner des Waldfriedhofviertels in Sendling-Westpark gehofft und gebangt. Jetzt ist es offiziell: Der Netto-Markt an der Waldfriedhofstraße 38 macht dicht! „Netto hat den Mietvertrag zum 31. März gekündigt“, bedauert die Vermieterin Lieselotte Stemmer gegenüber der tz. Die Schließung des Markts hat für viele ­Bewohner in dem Viertel unangenehme Folgen.

„Wir haben fußläufig keine Einkaufsmöglichkeit mehr! Vor über anderthalb Jahren hat bereits der Tengelmann an der Fürsten­rieder Straße zugemacht“, sagt Birgitta Merkl, die seit 30 Jahren im Viertel wohnt. Eigentlich sollte dort ein neues Ladenzentrum gebaut werden. „Aber es passiert nichts!“, ärgert sich ein Mann. „Wenn der Netto jetzt auch noch geht, sind wir von der Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs abgeschnitten“, sagt eine junge Mutter. Andere Supermärkte seien mindestens einen Kilometer entfernt – und teurer.

Auch der Netto-Supermarkt an der Fürstenrieder Straße hat kürzlich dicht gemacht.

Nahversorgungs-Entwicklung kann mit dem Zuzug nicht mithalten

Christian Hörmann von Cima, einer Unternehmensberatung für Kommunen, sieht die Versorgungslage in Stadtrand­bezirken kritisch. „Die Nahversorgungs-Entwicklung kann mit dem gewal­tigen Zuzug nach München nicht mithalten“, sagt er. Ob eine Supermarkt-Kette an einem Standort eine ­Filiale eröffne, hänge von vielen Faktoren ab: „Einwohnerzahl, Markt­potenzial, Wettbewerbs­situation und Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln spielen hier eine Rolle.“

Ob in die Waldfriedhofstraße wieder ein Vollsortimenter einzieht, ist fraglich. Die Vermieterin wollte Netto zum Bleiben bewegen – vergeblich. Ein Makler ­wurde bereits mit der Neuvermietung beauftragt. „Mir geht es um die alten Leute“, betont Stemmer. „Ich weiß, wie das ist, wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist“, so die 79-Jährige.

Die Anfrage der tz, warum sich Netto zurückzieht, ließ der Konzern am Montag unbeantwortet. Die Anwohner wollen erfahren ­haben, dass sich der Konzern umstrukturiert: Kleine Filialen würden zugunsten weniger größerer ­geschlossen. Doch die Bürger geben nicht auf: Sie sammlen Unterschriften für den Erhalt ihres Netto.

Harlaching

Für ihren täglichen Einkauf fahren die meisten Alt-­Harlachinger nach Grünwald, sagt Clemens Baumgärtner (CSU). Der Chef des Bezirksausschusses Untergiesing-Harlaching fordet zum einen eine Stärkung des bestehenden Einkaufsszentrums an der St.-Magnus-/Naupliastraße. Zum anderen will er neue Wege gehen. „Bei der Neuplanung des Areals Harlachinger Krankenhaus muss auch das Thema Nahversorgung mit inte­griert werden.“ In Untergiesing sei die Stadt endlich auf dem richtigen Weg. „Wir wünschen uns schon ­lange, dass der Candidplatz bebaut wird. Dort wäre ein Vollsortimenter eine Bereicherung für das ganze ­Gebiet vom Tierpark bis zum Candidplatz.“ 

Lochhausen

Unmut über die Versorgungslage herrscht auch in Münchens flächenmäßig größtem Stadtbezirk, Aubing-Lochhausen-Langwied. „Unsere Dorfbereiche sind stark betroffen“, sagt Sebastian Kriesel (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA) 22. Das Problem: Die Kaufkraft fließe immer in die großen Zentren. Die kleinen Orte dazwischen hätten oft das Nachsehen. So wie Langwied und Lochhausen. „Sie liegen zwischen Pasing und Gröbenzell.“ Die CSU im BA will deshalb ­einen Antrag in den BA einbringen: Die Stadt soll ein Konzept erarbeiten, in dem städtische und private Maßnahmen dargestellt werden, wie die Versorgungssituation in Stadtrandlagen verbessert werden könne.

Fröttmaning

Rund 1500 Leute wohnen im neuen Quartier Haidpark am Admiralbogen – doch einen Supermarkt gibt es dort nicht. „Ursprünglich war vorgesehen, dass am Nordende des U-Bahnhofs ein Supermarkt einziehen soll, aber das hat sich dann nicht gerechnet“, sagt Petra Piloty (SPD) vom Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann. Isolierte Lage und geringe Einwohnerzahl sind oftmals Gründe für schlechte Nah­versorgung. Umso wichtiger ist es laut Piloty, dass im ­geplanten Wohnquartier an der Freisinger Landstraße Flächen für den Einzelhandel vorgesehen sind. Wie berichtet, hat sich der BA für eine Erweiterung des Planungs­gebiets eingesetzt.

Westkreuz

Seit Jahresanfang ist Einkaufen für die älteren Westkreuzler, die rund um das Paul-Ottmann-Zentrum wohnen, eine Strapaze. Weil das Ladenzentrum neu gebaut wird, hat der Penny während der Bauzeit für zwei Jahre geschlossen – die Wiedereröffnung ist frühestens für Ende 2019 geplant. Die Senioren sind nun auf den Bus angewiesen, der sie zum etwa einen Kilometer entfernten Forum Westkreuz bringt. Dass für die Bauzeit kein Provisorium zur Versorgung mit den wichtigsten Dingen des täglichen Bedarfs errichtet wurde, können die Bürger nicht verstehen. Sie fühlen sich „abgehängt“. Laut einer Penny-Sprecherin wurde keine geeignete Interimsfläche gefunden.

Einkaufswüste Westkreuz: Für viele ältere Bewohner ist das Einkaufen eine Strapaze geworden.

Obersendling

Der Real-Markt an der Machtl­finger Straße war ­eines der größten Einkaufszentren im Münchner Süden. Zum Jahresende 2016 machte er wegen Schäden an der Bausubstanz dicht. Bürger und der Bezirksausschuss (BA) Sendling warten seither auf Ersatz. „Die Eigentümerverhältnisse sind schwierig“, sagt BA-Chef Dr. Ludwig Weidinger (CSU). Die Bürger weichen auf den Lidl an der Kistlerhofstraße aus. „Dementsprechend geht es da auch zu.“ Mau sei die Lage auch im Schweizer Viertel in ­Fürstenried rund um die ­Bellinzonastraße – übrigens das Viertel, in dem die Bayerische Versorgungskammer eine Nachverdichtung mit 600 Wohnungen plant…

Erfreulichere Nachrichten gibt es aus einem Supermarkt in Dachau: Die Betreiber haben dort einen ganz besonderen Kühlschrank aufgestellt.

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen. Hier entlang zur Liste.

das

Auch interessant

Meistgelesen

Feuerwehreinsatz in Pasing beendet - Folgeverspätungen im Gesamtnetz - Störung in Unterföhring
Feuerwehreinsatz in Pasing beendet - Folgeverspätungen im Gesamtnetz - Störung in Unterföhring
Edeka macht illegale Aktion in München - die Stadt droht mit Bußgeld
Edeka macht illegale Aktion in München - die Stadt droht mit Bußgeld
Pelikan gibt neue Rätsel auf - jetzt tauchte er im Münchner Umland auf
Pelikan gibt neue Rätsel auf - jetzt tauchte er im Münchner Umland auf
Prostitution und Lärm in Großhadern? Anwohner klagen gegen Arbeiterheim
Prostitution und Lärm in Großhadern? Anwohner klagen gegen Arbeiterheim

Kommentare