Reservierte, leere Tische

Trend Online-Buchungen: Darum sind Münchens Wirte und Gäste verärgert

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Online-Reservierungen sind in Mode. Doch viele potenziellen Gäste erscheinen einfach nicht.

Die Unverbindlichkeit im Internet hat sich in Zeiten von Smartphone und Tablet in den Köpfen manifestiert. Das bekommen jetzt auch die Wirte Münchner Restaurants zu spüren, die Online-Reservierungen anbieten.

München - Ein paar Klicks – und schon ist der Tisch reserviert. In Hotels sind Online-Buchungen längst gang und gäbe, in Restaurants ist der Trend nun auch angekommen. Das hat aber nicht nur Vorteile. Viele Gäste nehmen eine Reservierung im Netz offenbar nicht so ernst – und kommen einfach nicht. „Das gibt es leider immer wieder, dass Online-Reservierungen als nicht verbindlich angesehen werden“, sagt Frank-Ulrich John, Geschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. „Bei einem persönlichen Anruf ist die Hemmschwelle höher.“ Im Internet würden oft mehrere Tische reserviert und kurzfristig entschieden, wo man am Abend wirklich hingeht, sagt John. „Das ärgert den Wirt, der den Tisch frei hält, und den spontanen Gast, der schwer Platz findet.“ Gerade in Großstädten wie München sei die Online-Mentalität höher ausgeprägt, sagt John. „Am Land kennt der Gast oft noch den Wirt und sieht sich deshalb mehr in der Verantwortung.“

Online-Reservierungen werden bei Gästen oft als nicht verbindlich gesehen 

Was aber tun gegen die Unverbindlichkeit? „Wir rufen den Gast auch mal an, wenn er nicht erscheint, und geben den Tisch spätestens nach 45 Minuten weiter“, sagt Christine da Silva von der Münchner Kuffler-Gruppe. Im Spatenhaus mit dem eher traditionellen Publikum machten Online-Reservierungen nur zehn Prozent aus, im Restaurant Kuffler an der Oper ein Drittel.

Viele Gäste nehmen eine Reservierung im Netz offenbar nicht so ernst – und kommen einfach nicht.

Nicht-Erscheinen trotz Reservierung? So reagiert die Gastro-Szene

„Wir haben wenig Möglichkeiten. Wir notieren uns aber die Namen der Gäste, die nicht erscheinen. In den USA, in denen alles mit Kreditkarte gebucht wird, läuft das verbindlicher“, sagt Ricky Steinberg vom Hofbräukeller und vom Jagdschlössl. Früher hätten sie auch für die Fondue-Hütte Online-Reservierungen gelten lassen. „Mittlerweile nicht mehr. Da kamen dann einfach auch mal 20 Leute nicht – und Laufkundschaft gibt es da ja nicht.“ Das „Occam Deli“ hat in seinem Reservierungssystem eine Funktion, die den sogenannten „No-Shows“, also dem Nichterscheinen trotz Tischbuchung, ein wenig entgegenwirken kann. „Beim dritten No Show kann der Gast unter dieser Mailadresse nicht mehr bei uns buchen.“ Aber natürlich unter einer anderen. So scheint es, als müssten Wirte und Gäste dieses Ärgernis in Kauf nehmen. „Zumal solche Systeme einfach praktischer sind, da ich im Gegensatz zum alten Reservierungsbuch von überall auf die Reservierungen zugreifen kann“, sagt Hofbräukeller-Wirt Ricky Steinberg.

Die einschlägigen Portale profitieren von diesem Trend. „Opentable“ zum Beispiel verzeichnete im zweiten Quartal 2018 30 Millionen Gäste in Deutschland, die seit 2007 einen Tisch gebucht haben. Bis zum dritten Quartal 2015 waren es 13 Millionen, die Zahl der Gäste hat sich also in knapp drei Jahren mehr als verdoppelt. „Bookatable by Michelin“ vermittelte allein im ersten Halbjahr 2018 4,4 Millionen Gäste, ein Wachstum von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bei Bühnen sind Kartenreservierungen ohne sofortige Bezahlung oft gar nicht mehr möglich – an der Bayerischen Staatsoper etwa war dies schon immer so. Einige Kneipen nehmen’s gelassen. Sie bieten entweder gar keine Reservierung an, wie die Szenelokale Trachtenvogl und Cooperativa. Oder sie bleiben einfach bei der Telefonreservierung. „Es muss nicht immer alles übers Internet gehen“, sagt Alexandra Baumann vom Café Marais im Westend. „Mir ist der persönliche Kontakt lieber.“

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Nina Bautz

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