Milliardenprojekt

Entlastung bis 2037: Neue Linie U9 kommt in München - zur Finanzierung wird geschwiegen

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Durchbruch bei der U9 in München. Die Entlastungsspange soll kommen - sie wird ein Milliardenprojekt.

Durchbruch für die neue U9 in München: Die neue U-Bahn-Linie, die vor allem die überbelastete U6 entlasten soll, wird kommen. Zur Finanzierung aber wird geschwiegen.

München20,4 Prozent weniger Fahrgäste am Odeonsplatz, 29,9 Prozent weniger am Sendlinger Tor. Die Zahl der Umstiege zwischen U4/U5 und U1/U2 am Hauptbahnhof soll um 18,1 Prozent zurückgehen. Die Entlastung allein an den hoch frequentierten Münchner Bahnhöfen könnte nach Kalkulationen der Münchner Verkehrsgesellschaft der Bau der U9 bringen. Und nun ist klar: Die Entlastungsspange U9 durch die Innenstadt wird gebaut, der Bund wird sich finanziell beteiligen. Das haben Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Münchens OB Dieter Reiter (SPD), Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Bahn-Chef Richard Lutz gestern bekannt gegeben.

U9 in München: Fertigstellung der U-Bahn für 2037 geplant

Die U9 wird von sämtlichen Verkehrsplanern als unerlässlich angesehen, um den Zusammenbruch des Nahverkehrsnetzes in der Landeshauptstadt zu verhindern. Es ist der Bypass gegen den Verkehrsinfarkt. Der Bau ist nicht günstig, da ein Tunnel durch die Stadt und unterhalb bestehender Wohnviertel entstehen muss. Die Baukosten werden mittlerweile auf bis zu 3,5 Milliarden Euro geschätzt. Mit der Fertigstellung der Entlastungsspange wird 2037 gerechnet.

Durchbruch bei U-Bahn-Linie U9: neue Bahnhöfe geplant

Die U9 soll dann die Linie U6 ersetzen und von Martinsried bis nach Garching führen. Die neue Trasse entsteht auf einer Länge von 10,5 Kilometern zwischen Impler-/Poccistraße und Münchner Freiheit. Dort sind jeweils neue Bahnhöfe geplant, weitere würden am Esperantoplatz, am Hauptbahnhof, an den Pinakotheken sowie am Elisabethplatz entstehen. Damit wäre die Linienführung der ursprünglichen U6 ab Impler-/Poccistraße losgelöst von der Linie U3. Beide U-Bahnen gelten vor allem im Berufsverkehr als chronisch überlastet.

Markus Söder: „U9-Bauwerk ist jetzt notwendig“

Am Hauptbahnhof ist bereits jetzt eine sogenannte Vorhaltemaßnahme vorgesehen. Ein Trog nebst Zugängen soll im Zuge des Baus der zweiten Stammstrecke entstehen. In dem Trog würde später der Bahnhof für die Entlastungsspange situiert. Durch dieses 400 Millionen Euro teure Projekt verzögert sich jedoch der Bau der lang ersehnten zweiten S-Bahn-Röhre (siehe Text unten). Lamentieren helfe aber nicht. Ministerpräsident Söder sagte gestern: „Das U9-Bauwerk ist jetzt notwendig, damit man sich nichts verbaut.“ Und Bahnchef Lutz ergänzte: „Wir müssen das System so dimensionieren, dass es in 15 oder 20 Jahren trägt.“

Chaos am Marienplatz: 1967 wurde die U-Bahn noch in offener Bauweise verlegt. Heute will man unterirdisch graben. Gut für die Münchner, aber leider auch viel teurer. mzv-Archiv

Finanzierung der U9 in München unklar: Hilft der Bund?

Der Stadtrat hatte bereits im Januar grundsätzlich sein Einverständnis für die Vorhaltemaßnahme signalisiert. Klar war aber damals schon, dass die Stadt die Gesamtkosten für die U9 niemals würde alleine stemmen können. Darum war OB Reiter gestern auch ein wenig Erleichterung anzusehen. „Ich bin froh, dass hier alle an einem Strang ziehen“, sagte Münchens Rathauschef. Laut Reiter habe Minister Scheuer in Aussicht gestellt, dass die U9 vom Bund gefördert werden wird und die derzeit noch geltenden Förderrichtlinien aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz entsprechend angepasst werden sollen. Wie viel Geld genau fließen soll, ist unklar. Mehrere Presseanfragen unserer Zeitung dazu an das Ministerium blieben seit Wochen ohne Antwort.

Ingo Wortmann: „Wegweisender Tag für München und die Region“

Jens Röver, SPD-Verkehrssprecher im Stadtrat, sprach gestern von einem wichtigen Schritt. „Der Bau der U9 ist von zentraler Bedeutung für die Leistungsfähigkeit des Münchner U-Bahnsystems. Wir wollen umweltfreundliche Mobilität in der Stadt ausbauen. Das heutige Bekenntnis und die finanziellen Zusagen sind dabei ein wichtiger Schritt, um die U9 zu realisieren. Ein guter Tag für die Verkehrswende in München!“

Der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft, Ingo Wortmann, unterstrich die Wichtigkeit der Entlastungsspange. „Wir integrieren die U9 am Hauptbahnhof, wodurch sie überhaupt erst möglich wird, und schaffen dadurch einen großartigen zentralen Umsteigepunkt. Ein wegweisender Tag für München und die Region!“

Durchbruch bei der U9: Bürgermeister Reiter spricht von Meilenstein

Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) geißelte die Verfehlungen der rot-grünen Rathauspolitik in der Vergangenheit. „Wir haben den U-Bahn-Ausbau nach 24 Jahren rot-grünem Dornröschenschlaf wieder auf die Agenda der Stadt gesetzt. Uns ist seit Langem klar: München braucht eine massive Stärkung des ÖPNV und insbesondere eine massive Ausweitung des U-Bahn-Netzes.“

Reiter sprach von einem Meilenstein für die Realisierung eines der wichtigsten Nahverkehrsprojekte. „Gerade für diese zentrale U-Bahnlinie halte ich auch die Anbindung an den Münchner Hauptbahnhof für zwingend erforderlich. Nachdem auch die Bahn Umplanungen für die zweite S-Bahn-Stammstrecke angekündigt hatte, war es möglich, nicht an überholten Planungen festzuhalten, sondern das Projekt zukunftsfähig aufzustellen.“

Im Oktober wird sich der Münchner Stadtrat mit dem Beschluss zur konkreten Planung der Entlastungsspange U9 und zum Bau des Vorhaltebahnhofs am Hauptbahnhof befassen.

Bei der zweiten S-Bahn-Stammstrecke gibt es dagegen einen Rückschlag: sie kommt später als geplant.

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