Tödlicher Unfall mit Betonmischer

Nicki (†31): Überfahren auf dem Weg zur Tochter

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Baustelle am Luise-Kiesselbach-Platz: Hier wurde Nicki vom Laster überfahren

München - Nicki (†31) war auf dem Weg zu ihrer kleinen Tochter, als es am Luise-Kiesselbach-Platz zum tödlichen Unfall mit einem Betonmischer gekommen ist. Das Umfeld der Alleinerziehenden ist geschockt.

In Gedanken war sie schon bei ihrer geliebten Leoni (3), die sie abholen wollte. Trotzdem wartete Nicole M. (31), bis die Ampel an der gefährlichen Baustelle am Luise-Kiesselbach-Platz auf Grün umschaltete – so hatte es die Alleinerziehende immer ihrer Tochter gepredigt. Plötzlich donnerte ein Betonmischer um die Ecke! Nicki, wie sie ihre Freunde nennen, hatte keine Chance. Sie war sofort tot.

„Warum unsere Nicki?“ , fragen sich am Tag nach dem schrecklichen Unfall Freunde, Nachbarn und Bekannte. Sie haben sich an der Kreuzung Garmischer/Waldfriedhofstraße versammelt. Eine Freundin weint bitterlich. Sie legt Blumen auf den Sockel einer provisorischen Ampel und zündet eine Kerze an, dahinter hat jemand eine Engelsfigur abgestellt. Drei Meter entfernt ist Nicki am Montag gegen 15 Uhr zu Fuß über die Waldfriedhofstraße gelaufen. Auch der Lkw, der rechts abbog, hatte Grün. Aber der 60-jährige Fahrer hat die Mutter übersehen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Sie sei wohl auf dem Weg von ihrer Arbeit als Arzthelferin in einer Thalkirchner Praxis auf dem Nachhauseweg gewesen, erzählt der Hausmeister und Freund Herbert Hofmann (62) der tz. „Meist ist sie dann kurz nach Hause gegangen, bis sie ihre Tochter im Kindergarten in der Nähe abgeholt hat.“ Nicki war nur 50 Meter von ihrer Drei-Zimmer-Wohnung entfernt, als sie der Betonmischer erfasste. „Wir haben die Sirenen gehört und die Einsatzfahrzeuge gesehen – haben uns aber nichts gedacht. Hier passieren ja ständig Unfälle“, erinnert sich die Nachbarin Bina L. (18). „Diese bescheuerte Baustelle …“

Bilder: Fußgängerin stirbt am Luise-Kiesselbach-Platz

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In Windeseile spricht sich das Unglück herum. Nicki kannte in der Wohnanlage am Mittleren Ring fast jeder. Sie sei „eine Seele von Mensch“ gewesen und „eine herzensgute Mama“, sagen die Trauernden an der Kreuzung.

Hausmeister Hofmann sagt: „Sie wohnt seit 15 Jahren hier und hat im Hof oft Grillfeste initiiert. Sie hat sich immer erkundigt, wie es den Nachbarn geht, hat andere eingeladen oder sprang auch mal als Babysitter ein – obwohl sie selbst so viel zu tun hatte.“

Nicki hatte sich kurz nach Leonis Geburt von ihrem Freund getrennt. Er sei „schwierig“ gewesen, sagen Bekannte. „Zuletzt lief es bei Nicki aber wieder gut“, sagt Hofmann nachdenklich. „Sie hatte gerade einen Kindergartenplatz bekommen, war wieder bereit für eine neue Beziehung – und dann das …“

Freunde vermuten, dass Leoni nun bei Nickis Eltern, die auch in München leben, untergebracht ist. Diese hatte die Polizei sofort nach dem Unfall benachrichtigt. Nickis Freundin Alexandra S. (25) erzählt: „Leoni und ihre Mutter waren ein Herz und eine Seele. Aber die Großeltern haben sich auch schon immer viel und rührend um ihr Enkelkind gekümmert. Bei ihnen ist die Kleine gut aufgehoben.“

N. Bautz/ S. Arbinger

Die Baustelle

Der Luise-Kiesselbach-Platz ist eine der größten Baustellen Münchens – und wird es noch ein paar Jahre lang bleiben. Die neuen Tunnels werden ab Ende 2015 eröffnet, die Oberflächengestaltung dauert bis 2017. Die Arbeiten an Untertunnelung der Garmischer sowie der Heckenstallerstraße waren im Jahr 1996 durch den Bürgerentscheid „Drei Tunnel braucht der Mittlere Ring“ beschlossen worden. Das Projekt besteht aus einer Röhre zwischen A 95 und Luise-Kiesselbach-Platz, einer tiefergelegten Heckenstallerstraße zwischen Luise-Kiesselbach-Platz und Höglwörther Straße sowie einem Tunnel zwischen Höglwörther und Passauerstraße. Kosten: 373 Millionen Euro. Die Bauarbeiten begannen 2009.

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