tz listet auf: Unheimliche Todesserie in München

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„Darling, ich liebe dich.“ Diese bewegenden Worte hat ein Mädchen auf das Foto ihre toten Freundes geschrieben. Joshi (14) war vor dem PEP vor ein Auto gelaufen (kleines Foto rechts oben)

München - Freunde trauern am PEP in Neuperlach um Joshi. Der 14-Jährige kam bei einem Unfall am 4. Januar ums Leben. Sein Tod ist der traurige Höhepunkt einer ganzen Reihe tödlicher Unfälle in den vergangenen Wochen.

Es ist eine erschütternde Bilanz: Allein in den vergangenen gut vier Wochen haben in München sechs Menschen auf Straße und Schiene ihr Leben gelassen. Insgesamt gab es im Jahr 2011 fast 1000 Unfälle alleine mit Fußgängern. „In 51 Prozent dieser Fälle haben die Fußgänger etwas falsch gemacht“, sagt Polizeioberrat Siegfried Benker, Vizechef der Verkehrspolizei. Nahezu 800 Fußgänger verletzten sich, sieben starben im Straßenverkehr. Sechs dieser Opfer waren über 65 Jahre alt. Auch die Radlfahrer gehören zur gefährdeten Gruppe der Verkehrsteilnehmer, drei von ihnen verloren 2010 auf Münchens Straßen ihr Leben.

„Insgesamt 21 Mal mussten Verkehrspolizisten bei Familien klingeln und sagen, dass der Vater, die Mutter, die Tochter oder der Sohn nicht wiederkommen“, sagt Benker. Sein Rat: „Gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit ist es wichtig, erkennbar zu sein.“ Wer eine Straße überquert, sollte immer Blickkontakt zu den Autofahrern suchen. Man solle die Straße nur an sicheren Stellen überqueren, nicht zwischen parkenden Autos hervortreten und bei Lastwagen an den toten Winkel denken.

Obwohl die Verkehrsstatistik für 2011 noch nicht vorliegt: Der Trend geht zu einer Zunahme von verletzten Fußgängern und Radlfahrern. Die Ursachen sieht Polizeioberrat Benker unter anderem in einer Steigerung des Fahrradverkehrs. Am Ende stehen dramatische Schicksale, wie die Ereignisse der vergangenen Wochen zeigen:

Sechs Menschen sterben in nur vier Wochen

Joshi träg ein großkariertes Hemd. Mit offenem Blick schaut er in die Kamera. Auf dem oberen Rand des Fotos steht „Darling“. Darunter hat seine Freundin geschrieben: „Ich liebe dich.“ Das Foto von Joshi liegt auf einem Grünstreifen vor dem PEP in Neuperlach. Auf einem Berg von Rosen, umrahmt von dutzenden Kerzen. Es sind Joshis Freunde, die hier um den Schüler aus Brunnthal trauern. Der 14-Jährige war am 4. Januar zusammen mit einem Freund über die Thomas-Dehler-Straße gerannt. Bei rot. Die Burschen liefen vor ein Auto. Joshi überlebte den Unfall nicht. Joshis früher Tod ist der traurige Höhepunkt einer ganzen Reihe tödlicher Unfälle im Stadtgebiet von München in den vergangenen Wochen:

Am 5. Dezember radelt eine 23-jährige Münchnerin gegen 9.15 Uhr zu ihrer Arbeit. Auf der Rosenheimer Straße, kurz nach der Einmündung zur Balanstraße, endet der Radlweg. Nina H. muss in den fließenden Autoverkehr einfädeln. Dabei gerät die junge Systembetreuerin unter einen neben ihr fahrenden Lastwagen. Sie ist sofort tot.

Nur zehn Tage später stirbt eine 36-jährige Mutter auf der Friedenspromenade in Trudering. Sie überquert die Fahrbahn. Sie war auf dem Weg nach Hause und achtete offenbar nicht auf den Verkehr. Sie wird von einem Auto erfasst. Auch sie stirbt noch an der Unfallstelle.

Dramatisch endet für Lukas (20) aus Aying eine Weihnachtsfeier am Vorabend des 17. Dezember mit Kollegen. Am frühen Morgen stürzt der junge Mann am S-Bahnhof Isartor auf die Gleise, eine S-Bahn trennt ihm beide Beine ab, verletzt ihn schwer am Kopf. Tagelang kämpfen die Ärzte um sein Leben. Doch sie kämpfen umsonst. Drei Tage nach dem Unfall stirbt Lukas an seinen Verletzungen.

Am 19. Dezember stirbt eine Rentnerin (75), als sie mit ihrer Tochter (57) über die Brunhamstraße gehen will. Von einer Verkehrsinsel treten beide Frauen auf die Straße, wollen sie zwischen zwei Sattelzügen schnell überqueren. In diesem Augenblick fährt einer der tonnenschweren Lastwagen los. Die Rentnerin gerät unter die Räder, wird überrollt. Auch sie stirbt noch an der Unfallstelle. Ihre Tochter wird ebenfalls erfasst, sie überlebt und kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

Der bislang letzte tragische Unfall eines Fußgängers ereignet sich am frühen Samstagmorgen gegen 6 Uhr in Trudering. Aus unerfindlichen Gründen läuft Mauro (21) auf den S-Bahngleisen zwischen den Haltestellen Berg am Laim und Trudering. Dabei wird der Sportpädagogik-Student von einer S4 erfasst und getötet. Der Zugführer hatte den Spanier noch gesehen und eine Notbremsung eingeleitet. Doch er kann das Drama nicht mehr verhindern.

Jacob Mell

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