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Diese Münchner beweisen: So sexy kann bio sein

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Die Firmengründer Marcus Faulwasser und Thomas Vatter zeigen das Modell „Classy Claus“ in Navy-blau.

Zwei Münchner kämpfen gegen das „Liebestöter“-Image von nachhaltiger Unterwäsche.

München - Wer zum ersten Mal die Namen „Steady Suzie“, „Little Lucy“, „Loose Larry“ oder auch „Classy Claus“ hört, kann sich wahrscheinlich nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Dabei versteckt sich hinter diesen eingängigen Alliterationen schicke Unterwäsche aus Bio-Baumwolle vom Münchner Unterwäsche-Label „Vatter“. Mit ihren Produkten wollen die zwei Freunde Thomas Vatter und Marcus Faulwasser den Beweis antreten: „Bio“ und „sexy“ – das muss kein Widerspruch sein.

„Mit 16 fand ich Socken superlangweilig“

Die beiden Wahlmünchner sind alte Sandkastenfreunde, haben zusammen in Schongau die Schulbank gedrückt. Ein gemeinsames Modelabel zu gründen, stand jedoch nicht von Anfang an auf dem Zukunftsplan der beiden Männer. Thomas Vatter studierte nach der Schule BWL und machte sich nach einer Anstellung beim Fernsehsender Pro7 mit einem Kumpel selbstständig. Gemeinsam entwickelten sie eine Reihe an Ideen – darunter auch für Boxershorts. „Einfach aus dem Grund, weil ich keine gefunden hab, die gut sitzt“, erzählt Vatter. Ganz von ungefähr kommt der Weg in die Textilbranche bei Vatter nicht. Bereits sein Großvater und sein Vater stellten in der eigenen Firma Socken her. Ein Einsteig in das Familienunternehmen kam für ihn allerdings nicht infrage. „Mit 16 fand ich Socken superlangweilig“, sagt der heute 41-Jährige und lacht.

Sein Schulfreund Marcus Faulwasser (42) absolvierte nach dem Abitur eine Lehre in einer Werbeagentur und machte sich danach mit seiner eigenen Agentur Nakami Lounge selbstständig, die er bis heute betreibt. 2013 fassten die Freunde dann die Entscheidung, gemeinsam in die Textilbranche einzusteigen. Anfang 2015 kam die erste Kollektion auf den Markt. Bei dieser bekamen sie noch Hilfe von einer befreundeten Designerin, inzwischen arbeiten sie mit einer festen Designerin.

Bio-Qualität ist nur logisch

Dass ihre Unterwäsche Bio-Qualität haben soll, ergab sich von selbst. „Das war einfach der logische Schluss“, erzählt Faulwasser. Sie wollten eine sehr gute Qualität für ihre Unterhosen & Co. und entschieden sich für Bio-Baumwolle. Und nicht nur das. Alle Produkte von „Vatter“ haben ein „GOTS“-Siegel. GOTS steht für „Global Organic Textile Standard“, und wurde entwickelt, um einen weltweit einheitlich gültigen Standard für Bio-Textilien zu definieren. Das umfasst nicht nur die Baumwolle, sondern auch Farbe und Herstellung. Produzieren lässt „Vatter“ in Familienbetrieben in der Türkei und in Griechenland, die neuesten Produkte auch in Indien. Doch auch diese Betriebe sind jeweils „GOTS“-zertifziert, sagen die Unternehmer.

Die Tatsache, dass ihre Produkte komplett bio sind, soll jedoch, wenn es nach den Firmengründern geht, nicht im Vordergrund stehen. „In erster Linie sollen die Kunden die Sachen kaufen, weil sie ihnen gefallen“, betont Marcus Faulwasser. „Wir wollen mit dem Produkt überzeugen.“ Doch beim Design setzt ihnen das „GOTS“-Siegel gewisse Grenzen. Denn Rüschen und Spitze, die vor allem bei Damenunterwäsche gerne zum Einsatz kommen, werden meist aus Polyester hergestellt und bekommen daher das Bio-Siegel nicht. Sie finden somit nicht ihren Weg an die „Vatter“-Modelle.

Mit schlichtem Schwarz geben Spanier sich nicht zufrieden

Auch ohne Rüschen hat der Kunde bei „Vatter“ eine große Auswahl. Dass die Geschmäcker von Land zu Land unterschiedlich sein können, merkten Vatter und Faulwasser, als sie ihre Produkte auch im Ausland anboten. Während bei den deutschen Männern der „Thight Tim“ – ein eng anliegendes und kurz geschnittenes Modell – in Schwarz der Verkaufschlager ist, fordern Männer in Spanien beispielsweise etwas mehr Kreativität. „Wenn sie fast 30 Euro für eine Unterhose ausgeben, dann wollen sie mehr als eine Farbe und ein schönes Muster darauf“, erklärt Vatter schmunzelnd. Momentan bringen Vatter und Faulwasser pro Jahr eine Kollektion heraus. Die aktuelle ist seit Anfang Juli auf dem Markt. Neu dabei: T-Shirts, Langarm-Shirts und Tanktops für Damen und Herren sowie neue Farben für die Klassiker. Die neuen Kreationen hören auf Namen wie „Basic Bob“, „Tough Tony“ und „Daily Daisy“.

Sogar in Island gibt es sie

Qualität hat ihren Preis: Zwischen 19 und 27 Euro kosten Damenhöschen, Bustiers und die neuen Shirts gibt es ab 35 Euro, die Männer- Unterhosen ab 29 Euro. Kaufen kann man die Produkte im eigenen Online-Shop und in ausgewählten Läden wie „DearGoods“ und „Phasenreich“ in München. Nicht nur im deutschsprachigen Raum gibt es „Vatter“, mittlerweile auch in Spanien, Frankreich, Italien, Schweden – und sogar Island. Zu jeder Online-Bestellung legen Vatter und Faulwasser übrigens ein handgeschriebenes Kärtchen dazu, für die persönliche Note.

Nach der Kollektion ist vor der Kollektion: Kaum sind die neuen Stücke und Designs auf dem Markt, beginnen die Überlegungen, was im nächsten Jahr dazukommen könnte. Noch haben sich die beiden Männer nicht festgelegt. Nur eines weiß Thomas Vatter sicher. „Wenn ich jetzt auch noch Socken machen würde, flippt mein Vater aus.“

Lisa-Marie Birnbeck

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