Jan Ullrich erneut ausgerastet? Polizei ermittelt wohl wegen des Verdachts der Körperverletzung

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„Haben doch niemandem was getan“

Roecklplatz-Anwohner sind ratlos: Woher kommt dieser Hass gegen uns?

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Klare Botschaft: Die Schmierereien dürften aus der linken Szene stammen.

Zahlreiche Hassbotschaften werden am Roecklplatz an die Mauern und Wände geschmiert. Die Bewohner überlegen, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen - und sind ratlos.

München - „Gier“, „Yuppies aus dem Viertel mobben!“, „Yuppie verpiss dich!“ – das sind nur einige der Hassbotschaften, die mit dicker Farbe an Hauswände und Mauern geschmiert sind, dazwischen zahlreiche Tags (eine Art Signatur des Sprayers, Anm. d. Redaktion) und wilde Krakeleien. Sogar vor dem Kindergarten des neuen Wohnquartiers „Rodenstock Garten“ im Dreimühlenviertel haben die Randalierer nicht haltgemacht: „Verreck!“, steht in schwarzen Lettern auf der Fensterfront. Die Bewohner überlegen, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Einst hatte der Brillenhersteller Rodenstock hier seinen Sitz. Dann errichtete die Baywobau Immobilien AG an Isartalstraße, Roecklplatz und Auenstraße das Quartier „Rodenstock Garten“. 2015 zogen die ersten Mieter ein. Manchem gilt das Projekt als Luxusquartier, als ein Symbol für Gentrifizierung. Offenbar deswegen ist es Ziel linker Graffiti-Attacken geworden.

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Die bislang massivste Tat: Anfang Februar beschmierten Unbekannte die Fassade an der Isartalstraße bis zum ersten Stock mit öliger Farbe. „Sie haben die Farbe in eine Kinderspritzpistole gefüllt und einfach mal drauflos geballert“, sagt Bewohner Thomas Huber. Den Hass auf den Rodenstock Garten und seine Bewohner kann er nicht verstehen. „Natürlich ist das kein Sozialprojekt. Aber auch keineswegs ein Luxustempel, wie es leider immer wieder dargestellt wurde“, sagt Huber. „Wir haben uns gut ins Viertel integriert und die Anlage besteht auch nicht nur aus Eigentümern – 50 Prozent sind Mieter. Unsere Anlage ist bewusst offen gehalten, jeder kann durchgehen“, sagt der 49-Jährige.

Attacken könnten zu Abschottung führen

Doch das könnte sich jetzt ändern. Denn die Eigentümer überlegen, angesichts der ständigen Schmierereien Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und den Durchgang, der am Westermühlbach entlangführt, zu sperren. „Wir wollen eigentlich keine Abschottung, aber die verstärkten Attacken könnten dazu führen“, so Huber. Auch Kameraüberwachung sei schon diskutiert worden. „Das geht aber rechtlich nicht, weil öffentlicher Grund nicht überwacht werden darf.“

Der Polizei liegen diverse Anzeigen wegen Schmierereien aus dem Viertel vor. Auch die Ölschmiererei an der Isartalstraße sei von der Hausverwaltung zur Anzeige gebracht worden. „Allein diese Wand war schon drei bis vier Mal betroffen. Nimmt man alle Schäden der vergangenen drei Jahre zusammen, liegen wir gut und gerne bei einem Versicherungsschaden von 100 000 Euro“, sagt Huber. Für die Säuberung der Isartal-Fassade rechnet er mit 5000 bis 8000 Euro. Ihr geplantes Gartl-Projekt wollen die Bewohner trotzdem durchziehen. „Wir haben schon lange vor, die Nordseite der Garagen mit Beeren und Pflanzen zu verschönern.“ Am Samstagmorgen war der Startschuss. Die Idee: Kinder im Viertel können die Patenschaft für die angepflanzten Beerensträucher übernehmen und im Sommer selber ernten. „Das lassen wir uns von den Schmierfinken nicht vermiesen!“

„Wir haben doch niemandem etwas getan, wollen einfach nur friedlich hier wohnen“

Auch Christine Hubert wohnt in dem Quartier. Die 72-Jährige ist entsetzt: „Wir lassen die Schmierereien immer wieder entfernen – und kurz darauf sind neue da. Ich kann einfach nicht verstehen, warum Leute das machen. Wir haben doch niemandem etwas getan, wollen einfach nur friedlich hier wohnen.“ Mit Sorge sieht sie der nächsten Nebenkostenabrechnung entgegen. „Wir haben zwar eine Versicherung, aber ich befürchte, dass ein Teil der Reinigungskosten auf die Nebenkosten aufgeschlagen wird.“

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Für Bewohner Thomas Geyer ist die Sache klar. „Ich glaube, es sind immer die Gleichen aus der linken Ecke, die mit den Entwicklungen in der Stadt unzufrieden sind. Meiner Meinung ist das ein grundlegendes Problem, dem sich die Stadt auch annehmen müsste. Es gibt viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum und auch kaum Freiflächen oder Orte, wo sich die Subkultur ausleben kann.“ Das allerdings sei kein Grund, Eigentum zu beschädigen. „Wir Eigentümer sind die Leidtragenden – wir müssen jedes Mal für die Entfernung der Schmierereien aufkommen“, sagt der 49-Jährige.

Laut Polizei werden im Dreimühlenviertel nicht mehr Graffiti-Delikte verübt als in anderen Stadtteilen. Stadtweit ist die Zahl aber angestiegen: 2016 wurden 1701 illegale Graffiti zur Anzeige gebracht, 2017 waren es 2152. Der jährliche Sachschaden beläuft sich auf über zwei Millionen Euro.

Daniela Schmitt

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