Vater und Sohn zocken Omas ab

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Vater und Sohn Josef müssen sich vor Gericht verantworten.

München - Seit Dienstag müssen sich Josef M. (46) und dessen Sohn Michael M. (Name geändert) (23) als Enkeltrick-Betrüger vor dem Münchner Landgericht verantworten. Sie sind die Drahtzieher der gemeinen Enkeltrick-Bande

Die Mitglieder einer Großfamilie gelten als Drahtzieher einer straff organisierten Bande, die sich in „Keiler“, „Logistiker“ und Läufer“ aufteilt. Skandal am Rande: Eine korrupte Polizistin hatte den Verbrechern Informationen geliefert!

Gertrud C. hatte ihr Leben lang gespart. 20 000 Euro hatte die 80-Jährige für den Fall beiseite gelegt. Doch dann meldete sich „Holger“ am Telefon. Sie glaubte, es sei ihr Enkel. In Wahrheit war es Josef M. sen. Dieser jammerte ihr vor, er sei beim Notar und brauche dringend Geld. Die Rentnerin ließ sich erweichen, löste ihre Sparbücher auf! Gertrud C. ist nicht die Einzige, die um ihre Ersparnisse gebracht wurde. Alle Opfer sind über 70 Jahre alt, manche nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte.

Bis vor Kurzem konnten die Ermittler nur die „Läufer“ hinter Schloss und Riegel bringen. Sie holen das Geld bei ihren Opfern ab, haben also den riskantesten Job. Die „Logistiker“ riskieren weniger: Sie bringen die „Läufer“ zum Einsatzort und überweisen die Beute an die „Keiler“. Letztere operieren vom Ausland aus. Die beiden Angeklagten fühlten sich in Polen sicher. Von dort aus riefen sie die Opfer an und dirigierten die anderen Bandenmitglieder in ganz Deutschland herum.

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Anni A. (79) aus München brachte die Fahnder schließlich auf die richtige Spur. Als sich am 12. Januar 2011 ein „Christian“ bei ihr meldete und 35 000 Euro forderte, alarmierte sie die Polizei. Anhand der „TÜ“ (Technischen Überwachung) konnten die Ermittler die Drahtzieher der Bande in Polen ausmachen. Aufgrund der Abhörmaßnahmen stellte sich heraus, dass es eine undichte Stelle bei der Polizei gab: Eine Beamtin aus Hamburg gab die Informationen aus dem Polizeicomputer an die beiden Angeklagten weiter. Sie wurde gefeuert und wartet auf ihren Prozess. Vater und Sohn M. wurden am 11. April in Polen verhaftet. Im Prozess machten sie Dienstag keine Angaben zur Sache. Auch weitere Mittäter sitzen in Haft, ihnen wird in Kürze der Prozess gemacht.

Eberhard Unfried

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