Eon verlässt München - 400 Jobs weg!

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Eon verlässt München

München - Wut, Zorn, Angst: Die Münchner Mitarbeiter des Stromriesens Eon bangen um ihre Jobs. Die gierigen Manager mit Vorstandsboss Johannes Teyssen drehen München den Saft ab!

Am Mittwochabend packten die Konzernbosse bei einer Betriebsversammlung die Keule aus: Der Standort in der Brienner Straße, Zentrale für die Konzern-Tochter Eon Engergie, wird aufgelöst. Die gierigen Manager mit Vorstandsboss Johannes Teyssen drehen München den Saft ab!

„Meine Kollegen, die bis zu diesem Abend Eon im Herzen getragen haben, wissen nicht mehr weiter“, beschreibt Martin Cegla die Situation. „Das war ein Schlag, auf den keiner vorbereitet war.“ Vorstandsmitglied Dr. Bernhard Reutersberg verbreitete die Hiobsbotschaft und argumentierte wie sein Chef Teyssen: Wegen des Atomausstiegs seien die Ergebnisse drastisch eingebrochen. Weltweit stünden 11 000 Jobs auf der Kippe. Die Münchner Tochter Eon Energie, Steuerzentrale für die Bereiche Netz, Vertrieb und Service mit deutschlandweit 30 000 Angestellten, wird künftig vom Stammsitz Düsseldorf aus gemacht.

„Viele Mitarbeiter hier in München müssten dann nach umziehen und ihren Lebensmittelpunkt aufgeben“, befürchtet Cegla. Doch Eon schließt auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Cegla: „Umzug oder arbeitslos – sie können sich vorstellen, was in den Köpfen meiner Kollegen vorgeht.“ Trotz des Schocks gibt er sich kämpferisch. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen“, kündigt er Arbeitskampfmaßnahmen an. „Wenn es dem Konzern wirklich schlecht gehen würde, könnte man es ja verstehen, aber die machen ja nach wie vor Riesengewinne!“

Tatsächlich ist im ersten Halbjahr der Konzernüberschuss – trotz abgeschalteter Kernkraftwerke – im Vergleich zum Vorjahr zwar um 71 Prozent eingebrochen. Dennoch machte Eon einen Gewinn von 933 Millionen Euro! Das stößt auch bei den Gewerkschaften auf Unverständnis. „Ein Kahlschlag beim Personal kann nie eine erfolgversprechende Strategie sein“, wetterte Jürgen Feuchtmann von verdi.

Der Atom-Ausstieg als Alibi für die massiven Stellenstreichungen: Neben den Millionen-Gewinnen entlarvt auch eine andere Zahl die Raffgier der Bosse: 11 000 Stellen sollen wegen der wegfallenden Kernkraft wegfallen. Tatsächlich waren und sind in diesem Bereich aber nur rund 2500 Menschen beschäftigt.

Harsche SPD-Kritik an den „Totengräbern von der CSU“

Es waren die goldenen Jahre der Privatisierung, in denen Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) Milliarden in die Kassen des Freistaats spülte. 1994 entschloss sich die Staatsregierung, die Bayernwerk AG, damals viertgrößter Engergieversorger der Republik, zu versilbern. Die Opposition aus der SPD sieht darin den Sündenfall. Jetzt, da die Bayernwerk-Nachfolgerin Eon Energie vor dem Ende steht.

„Die CSU ist die Totengräberin des einst so stolzen bayerischen Energieversorgers“, wetterte SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher. OB Christian Ude legte nach: „Der Freistaat hat die Bayernwerke geerbt – und verscherbelt“, zürnte er im Münchner Merkur. „Jetzt hat er keinen Einfluss mehr.“

Die Bayernwerk AG wurde 1994 von der VIAG übernommen und fusionierte 2000 mit PreußenElektra zu Eon Energie , die jetzt dicht gemacht werden soll.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will dies noch nicht wahrhaben: „Die Staatsregierung wird darauf dringen, dass allen Beschäftigten von Eon Energie akzeptable Zukunftsperspektiven am Standort Bayern aufgezeigt werden.“

Eon reagierte nach der knallharten Betriebsversammlung mit einer windelweichen Erklärung: Es gebe „erste Vorüberlegungen zu möglichen Strukturmaßnahmen“. Und weiter: „Dies kann gegebenenfalls auch zu einer räumlichen Verlagerung führen und würde den Standort München in Frage stellen.“

Das Ende scheint nicht mehr abzuwenden.

Die Bilanz eines nimmersatten Energie-Riesens

Die Bilanz-Zahlen sind so gigantisch, dass es einem schwindlig wird: 2009 erzielte die Eon AG mit Stammsitz in Düsseldorf einen Konzernüberschuss von 8,67 Milliarden Euro. 2010 waren es ebenfalls satte 6,28. Nach dem Super-GAU in Japan beschloss Deutschland, aus der Kernenergie vorzeitig auszusteigen. Das macht sich auch in den Bilanzen der Energie-Riesen bemerkbar. Dennoch verbuchte Eon im ersten Halbjahr 2011 einen Gewinn von 933 Millionen Euro, die Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr lassen einen 2-Milliarden-Überschuss erwarten! Doch das ist den mächtigen Bossen nicht genug: Sie wollen 11 000 Mitarbeiter vor die Tür setzen. Es ist das Kalkül knallharter Manager, die selbst Millionen-Gehälter einkassieren. Teyssens Jahresgehalt im Jahr 2010 lag laut Konzernbericht bei 4 238 738 Euro.

Im Jahr 2010 verkaufte Eon 1030 Milliarden Kilowattstunden auf dem Strommarkt. Der Gasabsatz lag bei 1,342 Milliarden Kilowattstunden.Der Umsatz des global agierenden Unternehmens lag 2010 bei fast 93 Milliarden Euro. Zum 30. Juni arbeiteten bei Eon weltweit 79 158 Mitarbeiter. Fast jeder Zehnte von ihnen muss jetzt Angst um den Job haben. Weil die Bosse den Hals nicht vollkriegen!

Stefan Dorner

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