So ist das Vibrator-Theaterstück

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Die sexuelle Befreiung der Frau kann beginnen: Carolin Conrad (l.) und Hanna Scheibe in einer Szene aus „Nebenan“ im Cuvilliés-Theater

München - Ein neues Stück im Cuvilliés-Theater widmet sich einer ganz besonderen Krankheit und ihrer noch spezielleren Behandlung. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung gab es auch Buh-Rufe.

Hysterie, Vibrationen und Klamauk: Das Theaterstück "Nebenan – The Vibrator Play" widmet sich einer ganz besonderen Krankheit und ihrer noch spezielleren Behandlung.

Bei der deutschsprachigen Erstaufführung des Stücks im Cuvilliés-Theater gab es am Sonntagabend viel Applaus – aber auch deutliche Buh-Rufe für das Regie-Team um Barbara Weber.

Bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts galt die „Hysterie“ als eine von der Gebärmutter ausgehende Frauenkrankheit, die vor allem mit Hilfe eines Vibrators behandelt werden konnte. Ärzte führten dabei den „hysterischen Paroxysmus“ herbei – sprich: den Orgasmus.

Diese Behandlung hat das Bayerische Staatsschauspiel nun auf die Bühne gebracht. Der erfolgreiche Frauenarzt Dr. Givings (Norman Hacker ) hat sich auf die Behandlung „hysterischer“ Frauen spezialisiert. Nur die Bedürfnisse seiner eigenen Frau Catherine (Hanna Scheibe ) lässt er unbefriedigt. Entweder hält er sich bei seinen Patientinnen nebenan auf, wo das Lied Sexual Healing erklingt – oder er diskutiert im Club über den Segen der Elektrizität.

Catherine sehnt sich nach Liebe, Zuneigung und Sex – und leidet schwer darunter, dass sie ihr Kind nicht stillen kann. In ihrer Verzweiflung tut sie sich erst mit der Patientin ihres Mannes Sabrina Daldry (sehr komisch: Carolin Conrad) zusammen und bricht auf der verzweifelten Suche nach dem Vibrator in den Behandlungsraum ein. Dann glaubt sie, sich in den Künstler Leo Irving (Miguel Abrantes Ostrowski) verliebt zu haben.

Erst im Dezember kam mit In guten Händen ein wirklich witziger Film zum Thema in die Kinos. Der Streifen zeigt die Vibrator-Erfindung als emanzipatorischen Meilenstein. Im Bühnenstück nutzt sich die oft wenig hintergründige Komik allerdings ziemlich schnell ab. Daran ändern auch die etwas unmotiviert daherkommenden Gesangseinlagen der teils blass bleibenden Schauspieler nichts. Sicher ist es ganz amüsant, den zum Teil wirklich lustigen Geschehnissen auf dem Behandlungsstuhl zuzusehen. Viel mehr bot der Premierenabend aber nicht.

Eine Auseinandersetzung mit der Geschichte über die sexuelle Befreiung der Frau hätte das Stück sein können. Die wird aber höchstens angedeutet. Wenig Vibrationen.

Britta Schultejans

Wieder am Dienstag und im März am 1., 6., 19. und 28., Karten unter Tel. 2185 - 1920.

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