Weiberfastnacht 2019

Wenn Männer oben ohne zur Arbeit gehen

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An der Weiberfastnacht wird Männern traditionell die Krawatte abgeschnitten.

Traditionell gehen Frauen am unsinnigen Donnerstag mit Scheren bewaffnet auf Männer los – um ihnen die Krawatte abzuschneiden. Nur wird das zunehmend schwieriger, denn der Schlips kommt aus der Mode.

München - Münchner greifen immer seltener zum Schlips. „Ludwig Beck verkauft weniger Krawatten als früher, dafür greifen Männer – vor allem auch Jüngere – sehr gerne zur Schleife und zum Einstecktuch“ sagt Sprecherin Angela Braun. Auch Felicia Häusel vom Modehaus Hirmer bemerkt: „Insgesamt ist der Markt für Krawatten in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.“ Laut Häusel liegt das daran, dass die einst strenge Kleiderordnung in den Büros oder auch bei Banken gelockert wurde.

Bei immer mehr Unternehmen wird den Angestellten freigestellt wie sie sich kleiden

Beispiel Stadtsparkasse: Bis vor drei Jahren gehörte eine Krawatte bei dem Münchner Institut zum üblichen Erscheinungsbild. 2016 gab es eine Umfrage, bei der herauskam, dass Kunden einen „Business Casual Look bevorzugen“, so Sprecher Joachim Fröhler. „Dazu gehört nicht mehr zwingend eine Krawatte.“ Nun entscheiden die Mitarbeiter selbst, wie sie sich kleiden. „Ein Großteil unserer Kollegen nutzt diese Freiheit für sich“, so Fröhler. Will heißen: Sie lassen die Krawatte weg. Bei ING Diba ist der Schlips ebenfalls kein Muss. „Die wenigsten Kollegen tragen eine Krawatte“, sagt Sprecher Alexander Baumgart. Bei der Volksbank Raiffeisenbank ist die Krawatte hingegen bis heute vorgeschrieben.

Versicherungen nehmen es mit dem Schlips nicht so genau: Bei Schwäbisch Hall und Huk-Coburg besteht keine Krawattenpflicht. „Wir beobachten im Haus seit ein paar Jahren, dass im Arbeitsalltag die Zahl der Krawattenträger sinkt“, sagt Schwäbisch-Hall-Sprecher Sebastian Flaith.

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Krawatte oder Fliege? Das sagt der Experte

Ein Berufsstand, der hingegen nach wie vor nicht auf den Schlips verzichtet, ist das Standesamt. „Die Beamten tragen in der Regel eine Kombination aus Sakko, Stoffhose, Hemd und auf jeden Fall auch Krawatte oder Fliege“, sagt Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats.

Ist die Fliege, auch Schleife genannt, nun genauso gut wie eine Krawatte? Clemens Graf von Hoyos (30), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Knigge-Gesellschaft, ist der Meinung: „Zu einem Anzug gehört eine Krawatte.“ Eine Schleife sei hingegen ein Relikt des Smokings, inzwischen ein Ausdruck von Extravaganz und keineswegs gleichwertig mit einer Krawatte.

Expertin ist sich sicher: „Die Krawatte kommt wieder“

Dass die Fliege dennoch im Gegensatz zum Schlips seit Jahren Konjunktur erlebt, bemerkt auch Elisabeth Maier. „Im Verhältnis zu früher verkaufe ich viel mehr Schleifen“, sagt die Geschäftsführerin von „Krawatten Hoff“ in der Maxburg, Münchens ältestem und mittlerweile einzigem Krawattenladen. Seit 1955 existiert das Geschäft. Dass sich der Laden so gut halten kann, liegt laut Maier an seiner großen und exklusiven Auswahl. Das Angebot umfasst tausende Krawatten im Preissegment von 59 bis 159 Euro, daneben Einstecktücher, Schleifen und Schals. „Ich arbeite seit 1979 hier. In den 90ern gab es bei den Krawatten einen Peak – wilde Muster waren im Trend“, erzählt Maier. Den Tiefpunkt habe der Schlips etwa 2009 erlebt. In den letzten beiden Jahren bemerkt Maier jedoch einen Aufwärtstrend. Sie ist überzeugt: „Der gut angezogene Herr mit Krawatte kommt wieder.“

Auch Staatsmänner wie Donald Trump haben so ihre Probleme mit Krawatten. Lesen Sie hier über den  Mode-Fauxpas des US-Präsidenten.

Laura Felbinger

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